ZILLINGTAL KENNENLERNEN
Zillingtal: Archäologische Funde und ein Greif im Wappen
Zillingtal liegt im Westen des Bezirks Eisenstadt-Umgebung an der Grenze zu Niederösterreich. Die Gemeinde umfasst rund 13,10 Quadratkilometer und hatte am 1. Jänner 2026 insgesamt 1.052 Einwohner. Innerhalb des Gemeindegebiets gibt es eine Ortschaft sowie den Siedlungsbereich am Pöttschinger See. Zillingtal gehört zum burgenlandkroatischen Kulturraum. Besonders aufschlussreich ist seine Archäologie: Funde aus mehreren Epochen reichen von der Jungsteinzeit bis zu einem großen awarischen Gräberfeld. Ein Motiv aus diesem Gräberfeld wurde sogar in das Gemeindewappen übernommen und verbindet damit frühe Geschichte mit einem heutigen Ortszeichen.
Ein Figurenfragment und Spuren einer Operation
In der Ried Mitterwald wurde ein Bruchstück einer tönernen Frauenfigur gefunden, das in die Zeit um 5000 vor Christus eingeordnet wird. Von derselben Fundstelle stammt der Schädel eines erwachsenen Mannes mit Spuren einer Kopfoperation. Nach der archäologischen Untersuchung hatte er den Eingriff überlebt. Diese beiden Funde eröffnen unterschiedliche Einblicke in die frühe Besiedlung: Der eine betrifft eine figürliche Darstellung, der andere den Umgang mit dem menschlichen Körper. Nahe der Schimmelkapelle wurden zudem Reste einer Siedlung aus der Hallstattzeit untersucht. Die Fundlandschaft umfasst somit mehrere zeitlich getrennte Phasen.
Ein großes Gräberfeld und das Wappenmotiv
In der Ried Herrschaftsbreiten wurde ein Friedhof mit 797 Gräbern aus der Zeit zwischen etwa 625 und 800 nach Christus untersucht. Er wird der awarischen Epoche zugeordnet. Zu den Funden gehören bronzene Gürtelbestandteile, auf denen Greifen dargestellt sind. Dieses Motiv lieferte die Grundlage für das Zillingtaler Wappen. Das Wappen greift also ein örtlich belegtes archäologisches Objekt auf. Die Größe des Gräberfelds und die erhaltenen Beigaben machen den Fundplatz zu einem wichtigen Bestandteil der Gemeindegeschichte, auch wenn seine Bestattungen viele Jahrhunderte vor den schriftlichen Ortsnennungen liegen.
Nicht jede frühe Nennung ist eindeutig zuzuordnen
Eine Urkunde von 1271 nennt einen Ort Pomog. Ob damit das heutige Zillingtal oder eine Siedlung zwischen Zillingtal und Steinbrunn gemeint ist, bleibt unklar. Eindeutiger zur Namensgeschichte gehört die 1301 belegte Form Cylygenthal, die als Cäciliental gedeutet wird. Auch für deren Ursprung kommen unterschiedliche Erklärungen infrage, etwa ein Kirchenpatrozinium oder eine Grundherrin. Der spätere ungarische Name lautet Völgyfalu. Die kroatische Besiedlung gehört zur Geschichte des Wiederaufbaus nach den Kriegen der frühen Neuzeit. Seit 1921 liegt Zillingtal im österreichischen Bundesland Burgenland.
Barockkirche und eine Aktion aus dem Jahr 1999
Die katholische Pfarrkirche ist den Heiligen Peter und Paul geweiht. Sie wurde 1659 errichtet und besitzt eine Ausstattung aus dem Rokoko. Ein ganz anderes Ereignis machte Zillingtal 1999 bekannt: Aus 15.600 Strohballen wurde von Hand eine Pyramide errichtet. Ihre Grundfläche maß 23 mal 23 Meter, die Höhe 14,6 Meter. Die Aktion führte zu einem Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Sie ist als damaliges Gemeinschaftsprojekt zu verstehen, nicht als dauerhaft erhaltenes historisches Bauwerk. Kirche und Strohpyramide stehen damit für sehr verschiedene Formen örtlicher Bau- und Veranstaltungsgeschichte.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
