PÖTTSCHING KENNENLERNEN
Pöttsching: Fundlandschaft, Meierhof und Bildhauerei
Pöttsching ist eine Marktgemeinde nordwestlich von Mattersburg am Rand des Rosaliengebirges. Zum Jahresbeginn 2026 lebten hier laut Statistik Austria 3.036 Menschen auf 24,64 Quadratkilometern. Das Gemeindegebiet umfasst neben dem Hauptort weitere Siedlungen und eine unbewohnte Exklave. Seine Besonderheiten liegen in der langen archäologischen Überlieferung, dem Meierhof im Zentrum und einer ungewöhnlichen Verbindung von Bildhauerei und Landschaft.
Ein Hauptort und mehrere Siedlungen
Die Katastralgemeinde Pöttsching umfasst die gleichnamige Ortschaft mit dem Hauptort sowie Hohen-Siedlung, Keltenberg, Pöttschinger See, Römersee und Scheibenwaldsiedlung. Südlich von Bad Sauerbrunn liegt außerdem die unbewohnte Katastralgemeinde Pöttsching-Rosalia, räumlich vom übrigen Gemeindegebiet getrennt. Die Gemeinde wird in einer Schenkungsurkunde von 1223 erstmals als „Beseneu“ genannt. Ihre Lage zwischen Mattersburg und dem Rosaliengebirge verbindet Siedlungsräume mit einer landwirtschaftlich geprägten Umgebung, die sich besonders westlich und südlich des Zentrums öffnet. Bereits 1299 erhielten die Pöttschinger die bischöfliche Erlaubnis, eine Kirche zu bauen; Abgaben waren weiterhin an die Mutterpfarre Kleinfrauenhaid zu leisten.
Ein Gräberfeld aus keltischer Zeit
Archäologische Befunde reichen in Pöttsching bis in die Jungsteinzeit. Besonders aussagekräftig ist das latènezeitliche Gräberfeld beim Römersee: Bei Rettungsgrabungen des Landesmuseums wurden zwischen 1978 und 1980 insgesamt 42 Körperbestattungen freigelegt. Schmuck und Trinkgefäße, darunter gestempelte Keramik, geben Einblick in Bestattungsbräuche und handwerkliche Beziehungen der damaligen Bevölkerung. Die zeitliche Abfolge der Gräber ließ sich über mehrere Generationen verfolgen. Heute erinnert der Name Römersee an eine viel ältere Fundlandschaft; die genannten Gräber gehören jedoch in die keltische Eisenzeit und sind nicht römisch.
Der Meierhof als Ortsmitte
Der heutige Meierhof geht auf einen im Mittelalter entstandenen Edelhof zurück. Urkundlich erwähnt ist er 1372 als Lehen der Grafen von Mattersdorf-Forchtenstein; ab 1626 gehörte er der Familie Esterházy. Ein herrschaftlicher Meierhof umfasste Wohnräume für das Personal, Ställe, einen Hofstadel und Speicher für Getreide. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Areal von der USIA verwaltet; 1968 kaufte die Gemeinde es von den Esterházy. Heute finden hier Ausstellungen, Konzerte, Märkte und Feste statt. Die frühere Gutshofanlage blieb so Teil des Ortszentrums und wurde zu einem öffentlich genutzten Kultur- und Veranstaltungsort.
Skulpturen im Feld und Atelierhaus
Der Bildhauer Karl Prantl wurde 1923 in Pöttsching geboren. Sein Interesse am Arbeiten im Freien führte ihn mit Friedrich Czagan und Heinrich Deutsch 1959 zur Gründung des ersten Symposions Europäischer Bildhauer in St. Margarethen. Ab 1986 stellte Prantl Arbeiten auf einem Feld in der Feldgasse auf; 1990 kam dort das Atelierhaus nach Plänen von Ernst Hiesmayr hinzu. Zwischen Meierhof und Kirche liegt der „Stein der Begegnung“, ein polierter Block aus Osttiroler Serpentinit, den Prantl der Gemeinde als Leihgabe überließ. Neben dem Sozialzentrum stehen Arbeiten von Bildhauern, die zuvor am Symposion in St. Margarethen teilgenommen hatten.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
