KEUTSCHACH AM SEE KENNENLERNEN
Keutschach am See: Pfahlbauten unter der Wasserlinie
Keutschach am See liegt im sogenannten Vier-Seental zwischen Wörthersee und Sattnitz. Die Gemeinde im Bezirk Klagenfurt-Land hat am 1. Jänner 2026 2.444 Einwohner und erstreckt sich über 28,36 Quadratkilometer. Ihr Ortsbild und ihre Geschichte sind eng mit Seen, Mooren und einer außergewöhnlich frühen Siedlung im Wasser verbunden.
Ein Tal zwischen zwei Seen
Das Gemeindegebiet liegt in einer Tallandschaft südlich des Wörthersees. Der Keutschacher See prägt den Hauptort am Ostufer; im Süden steigt die Sattnitz an. Drei Katastralgemeinden – Keutschach, Plescherken und St. Nikolai – umfassen 15 Ortschaften. Siedlungen, Hanglagen und Feuchtgebiete verteilen sich auf mehrere Seen und Seitentäler. Der Baßgeigensee und weitere kleinere Gewässer ergänzen das Seental. In der Kulturlandschaft wechseln Seeufer, Wiesen, Wald und Moorbereiche. Diese geologische und landschaftliche Vielfalt erklärt, warum Naturbeobachtung und Wege durch die Feuchtgebiete zum örtlichen Angebot gehören.
Spuren aus der Jungsteinzeit
Unter einer Untiefe im Keutschacher See liegt eine Pfahlbausiedlung, deren Gebäude nach Datierungen zwischen 3947 und 3871 vor Christus entstanden. Als damalige Insel ragte die Stelle wahrscheinlich aus einem rund zwei Meter niedrigeren Seespiegel. Ferdinand Hochstetter entdeckte die Fundstelle 1864; sie gilt als älteste bislang bekannte Pfahlbausiedlung Österreichs. Das Areal misst etwa 65 mal 30 Meter, Pfähle wurden noch in sechs Metern Tiefe erfasst. Verwendet wurden unter anderem Eiche, Erle, Buche, Birke, Linde, Pappel und Esche. Seit 2011 gehört der Fundplatz zum UNESCO-Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“.
Fundstücke an Land, Fundstelle im See
Die archäologische Siedlung liegt unter Wasser und ist nicht als freigelegte Anlage zu besichtigen. Im Erdgeschoß des Gemeindeamts informiert deshalb das Welterbefenster über die Fundstelle und zeigt Originalobjekte: Geschirr, Werkzeuge, Nahrungsreste und einen Pfahl vermitteln einen Einblick in den Alltag der Bewohner. Die erhaltene Kulturschicht ist durch Bootsanker, Wellenschlag und Strömungen gefährdet. Auch Fische können den Seeboden aufwühlen. Schutzmaßnahmen richten sich daher auf die konkreten Bedingungen unter Wasser. Ein Rundgang entlang des Sees und durch das Ramsar-Moor macht die Landschaft sichtbar, in der die unterseeische Fundstätte liegt. Die vier Eckbojen markieren die Fundzone vom Ufer aus.
Kirchen, Türme und regionale Baukultur
Im Ort Keutschach stehen Pfarrkirche und Schloss Keutschach; die Kirche der Heiligen Georg und Bartholomäus wurde 1237/1242 erwähnt und später gotisch und barock erweitert. Daneben gilt die romanisch-gotische Totenleuchte als besonderes Merkmal des Ensembles. Die Filialkirche St. Nikolai ergänzt die Sakralbauten. Über dem Seental erhebt sich der Aussichtsturm am Pyramidenkogel; eröffnet wurde die heutige Konstruktion 2013. Am Südhang der Rauth liegt ein aufgelassener Steinbruch mit rötlichen Quarzitbänken, einst Quelle von Bruchsteinen für die Umgebung. Der Bildstock Polzerkreuz in Leisbach stammt aus dem Jahr 1680. In der Gemeinde entsteht außerdem Keutschacher Keramik: Krüge, Trinkbecher und Vasen greifen ein regional charakteristisches Design auf.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
