KRUMPENDORF AM WÖRTHERSEE KENNENLERNEN
Krumpendorf: Vom Schlossgut zum Seeort
Krumpendorf am Wörthersee liegt am Nordufer des Sees und grenzt östlich an Klagenfurt. Die Gemeinde im Bezirk Klagenfurt-Land zählt am 1. Jänner 2026 3.608 Einwohner auf 11,86 Quadratkilometern. Zwischen Seeufer, Villen, Kirchen und Schlössern lässt sich nachvollziehen, wie aus einer bäuerlichen Siedlung ein Sommerfrischeort wurde.
Am Nordufer des Wörthersees
Das Gemeindegebiet zieht sich als schmaler Streifen am See entlang und reicht über den Nohrenberg. Es umfasst fünf Ortschaften und vier Katastralgemeinden. Der Name Krumpendorf wird mit „krummer Weide“ erklärt: Eine mundartliche Bezeichnung für krumm und das Wort für Weide verbanden sich im älteren Ortsnamen Chrumpenfelwendorf. Im Westen liegen Gletschertöpfe als geologische Formen der Eiszeit. Davon zu unterscheiden sind Schalensteine und archäologische Funde, die Hinweise auf eine frühe Nutzung des Raums geben. Während der Römerzeit führte eine Straße am nördlichen Seeufer entlang; Mauerreste bei Leinsdorf und in der Nähe von Schloss Drasing sowie Münzfunde erinnern an diese Verbindung.
Schloss Drasing und der alte Ortskern
Auf einer bewaldeten Anhöhe nördlich des Ortes steht Schloss Drasing, ein dreigeschoßiger Renaissancebau mit Turm und Arkadenhof. Als ältester Profanbau ist es auch im Gemeindewappen stilisiert. Im 19. Jahrhundert ließ Thaddäus von Lanner das Schloss wiederherstellen und den Turm erhöhen. Er versuchte sich außerdem an Maulbeeranbau für eine Seidenraupenzucht und legte künstliche Wiesenbewässerung an. Das Schloss Krumpendorf entstand später im Ortszentrum: Ursula von Schluga ließ es zwischen 1735 und 1740 auf einer ehemaligen Bauernhube errichten. Die Ortschronik dokumentiert beide Anlagen als Teil der lokalen Herrschaftsgeschichte.
Badeanstalt, Bahn und Sommerfrische
Mit der Bahnlinie Klagenfurt–Villach kamen ab 1864 die ersten Gäste. Anton Wieninger erwarb 1876 das Schlossgut und eröffnete 1877 eine Badeanstalt nahe der heutigen Landungsbrücke; er ließ auch eine Allee zum See anlegen. 1885 folgte eine Schiffsanlegestelle. Der Ort wurde zum Kur- und Sommerfrischeziel, neue Villen und Promenaden entstanden. 1902 eröffnete eine große Seerestauration als Holzbau auf mehr als hundert Piloten im Wasser. Ihre Veranden und der Saal boten mehreren hundert Gästen Platz. Das spätere Terrassenhotel kam 1928 hinzu und war über einen offenen Säulengang mit dem Restaurant verbunden.
Kirchen und sichtbare Baugeschichte
Die Pfarrkirche Christkönig wurde 1959 bis 1962 anstelle einer älteren Georgskirche errichtet. Die romanische Chorturmkirche St. Ulrich in Pirk liegt in einem anderen Teil der Gemeinde und besitzt einen viergeschoßigen Turm. Das Schloss Hornstein, südlich von Drasing, ist ein kubischer Bau mit zwei runden Ecktürmen; seine Ursprünge reichen ins 15. Jahrhundert. Ein Meilenstein am Südbahnweg trägt die Inschrift „1 Meile von Klagenfurt“ und verweist auf die historische Entfernung zum damaligen Stadtrand. Der Wandel von bäuerlicher Siedlung zu Seeort zeigt sich auch in den Gebäuden an der Hauptstraße: Schloss, Bahnhof, Badeanstalt und Villen erzählen unterschiedliche Kapitel. Naturdenkmäler wie der große Felsblock „Weiberzahn“ im Föhrenwald bei Pritschitz liegen außerhalb des unmittelbaren Ortszentrums. Er misst rund sechs Meter in der Länge und liegt auf abschüssigem Waldgelände.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
