POTTENSTEIN KENNENLERNEN
Pottenstein im Triestingtal: Wallfahrtsort und Industriestandort
Pottenstein liegt im Triestingtal im Bezirk Baden. Die Marktgemeinde zählt 2.975 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 33,37 Quadratkilometer. Fluss, Wald und Industriegeschichte prägen den Ort und sein Umland.
Ein enger Talraum am Rand des Wienerwalds
Das Gemeindegebiet erstreckt sich entlang der Triesting zwischen Weissenbach und Berndorf und umfasst auch bewaldete Höhenzüge. Zu den markanten Erhebungen zählen Waxeneck im Süden und Auf der Wurzen im Norden. Die Gemeinde liegt am Südrand des Biosphärenparks Wienerwald; Fahrafeld und Teile des Grabenwegs befinden sich nach der Gebietsbeschreibung außerhalb des Parks. Die Ortschaften Pottenstein und Fahrafeld bilden zugleich die beiden Katastralgemeinden. Wald und begrenzte ebene Flächen beeinflussten die frühere Landwirtschaft: Der Gemeindechronik zufolge war Ackerbau durch die Enge des Tals erschwert, während Holzwirtschaft an Bedeutung gewann. Die Triesting bot dagegen Wasserkraft für frühe Betriebe. So erklärt sich, warum sich Siedlung, Gewerbe und Verkehr entlang des Talbodens konzentrieren.
Kirchensiedlung und Markt
Pottenstein entstand aus einer Kirchensiedlung. Die Gemeindechronik nennt 1074 als erste urkundliche Erwähnung, während die Herrschaftsüberlieferung mit Poto von Potenstaina im frühen 12. Jahrhundert verbunden ist. Die Burg wurde im 15. Jahrhundert zerstört und danach nicht wieder aufgebaut. 1376 erhielt der Ort das Marktrecht. Bereits im Mittelalter lagen an der Triesting Mühlen, Schmieden, Sägewerke und Pulverstampfen. Im 15. Jahrhundert sind außerdem Eisenhämmer verzeichnet; in den Schwarzföhrenwäldern wurde Harz gewonnen, das überregional verkauft wurde. 1765 gründete Melchior Steiner eine Klingenfabrik, die einen großen Teil des militärischen Bedarfs lieferte. Später kamen Kupferhammer und Baumwollspinnerei hinzu. Die Leobersdorfer Bahn, 1877 eröffnet, verstärkte den regionalen Austausch und begünstigte den industriellen Aufschwung im Tal.
Maria Trost im Elend und der Doppelkarner
Die Pfarrkirche wurde 1155 bereits als Pfarrkirche bezeichnet. Beim Osmaneneinfall von 1683 brannten Kirche und Pfarrhof nieder. 1696 übernahmen Minoriten die Kirche; sie entwickelte sich zum Wallfahrtsort Maria Trost im Elend. Das heutige Erscheinungsbild entstand durch Umbauten zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Hinter der Kirche steht der Doppelkarner, den die Gemeinde als ältestes Bauwerk Pottensteins bezeichnet. Der romanische Rundbau stammt aus dem 12. Jahrhundert; sein Untergeschoss diente der Aufbewahrung von Gebeinen und Schädeln. Neben diesen Sakralbauten erinnert das Urlauberkreuz aus dem 16. Jahrhundert an den Wegverkehr durch das Tal. Das Bundesdenkmalamt führt Wallfahrtskirche, Karner und ehemaligen Friedhof als geschützte Objekte. Die Kirche gehört zur Pfarre Pottenstein, die auch die Filialkirche Fahrafeld betreut.
Tuchfabrik, Raimund und heutige Nutzung
Seit dem 17. Jahrhundert ist Tucherzeugung in Pottenstein belegt. An die spätere Industrialisierung erinnern die ehemalige Tuchfabrik und das Alte Herrenhaus. Im Jahr 1989 fand in der Fabrik die Niederösterreichische Landesausstellung „Magie der Industrie“ statt; heute werden die Gebäude von Land, Gemeinde und Vereinen genutzt. Der Schriftsteller und Schauspieler Ferdinand Raimund starb 1836 in Pottenstein. Sein Sterbehaus liegt am Hauptplatz, wo auch ein Denkmal an ihn erinnert. Die Gemeinde beschreibt die 1952 geschaffene Statue als Figur des Dichters mit einem Hobel, an seinem ursprünglichen Standort des Prangers. Der Triestingtal-Radweg führt durch Pottenstein und Fahrafeld.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Pottenstein (Niederösterreich) – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Zahlen, Daten & Fakten – Marktgemeinde Pottenstein
- Vielfältige Natur in Pottenstein – Gemeindebericht Biosphärenpark Wienerwald
- Pfarre Pottenstein – Erzdiözese Wien
- Bundesdenkmalamt: Denkmale in Niederösterreich, Stand 30. Juni 2025
- Große Waxeneckrunde – Niederösterreich Tourismus
Stand der Angaben: 08.10.2026
