REISENBERG KENNENLERNEN
Reisenberg am Goldberg
Reisenberg ist eine Marktgemeinde im Bezirk Baden. Am 1. Jänner 2026 lebten hier 1.721 Menschen; das Gemeindegebiet umfasst 17,80 Quadratkilometer. Zwischen Leitha und Fischa erhebt sich nördlich des Ortskerns der Goldberg, dessen exponierte Lage die Geschichte des Ortes mitbestimmte.
Zwischen zwei Flüssen
Der Reisenbach durchzieht den Ort, während das weitere Gemeindegebiet zwischen Leitha und Fischa liegt. Die Ebene liegt auf etwa 180 Metern Seehöhe; der Goldberg erreicht 218 Meter. Seine Hänge bilden einen deutlich sichtbaren Gegenpol zur offenen Agrarlandschaft. Rund 87 Prozent der Gemeindefläche werden landwirtschaftlich genutzt, etwa drei Prozent entfallen auf Gärten und zwei Prozent auf Wald. Die Gemeinde besteht aus einer einzigen Katastralgemeinde und einer amtlichen Ortschaft. Neu-Reisenberg und das Erholungszentrum Reisenberg sind außenliegende Ortsteile; auch ein Teil des Siedlungsgebiets Wasenbruck reicht herüber, während dessen Hauptteil zu Mannersdorf am Leithagebirge gehört.
Goldberg und Pfarrkirche
Funde eines latènezeitlichen Grabes und römischer Münzen belegen frühe Besiedlung am Goldberg. Die erste schriftliche Nennung folgt 1045: Heinrich III. übertrug Reginold die Hälfte des Ortes Risinperhc. Im 12. Jahrhundert ist Sigloch von Risinperge bezeugt; seine Familie dürfte eine Burg am Berg besessen haben. In deren Mitte entstand bald nach 1200 eine steinerne Kapelle mit Wehrfunktion. Ihr Mauerwerk bildet den Kern der dem heiligen Pankratius geweihten Kirche. Ein gotischer Westturm kam im 14. Jahrhundert hinzu. Reisenberg erscheint 1429 im Pfarrverzeichnis; 1544 gehörte auch Seibersdorf zum herrschaftlichen Pfarrsprengel, bevor 1783 eine selbständige Pfarre entstand.
Marktrecht und Hochwasser
Der Angriff auf Wien 1529 traf auch Reisenberg: Häuser brannten, die Kirche wurde schwer beschädigt. Nach dem Wiederaufbau erhielt der Ort 1554 das Marktrecht. Die Kirche musste später erneut instand gesetzt werden; zwischen 1698 und 1703 wurde sie weitgehend umgebaut. Hochwasser der Leitha bedrohte den Ort wiederholt, darunter 1770. Ein 1892 errichteter Leithadamm sollte solche Überschwemmungen eindämmen. Die Cavrianis schenkten der Pfarre 1763 einen Baugrund für ein Armenhaus. Es bot Platz für acht Frauen und Männer und wurde 1768 samt Kapelle errichtet.
Vereinsleben und Goldberg
Im späten 19. Jahrhundert kamen Einrichtungen hinzu, die den Alltag vor Ort veränderten: Die zweiklassige Volksschule entstand 1886 bis 1888; die Freiwillige Feuerwehr wurde 1886 gegründet. Eine Blasmusikkapelle ist 1892 erstmals erwähnt. Die Landwirtschaftsgenossenschaft und die Raiffeisenkasse folgten 1897. Neu-Reisenberg entwickelte sich ab den 1870er Jahren als Fortsetzung der Fabrikssiedlung Marienthal jenseits der Fischa; dort lagen Geschäfte und Wirtshäuser, die von der Marienthaler Bevölkerung besucht wurden. Am Goldberg sind Trockenrasenflächen geschützt. Auf den steilen Südhängen wachsen unter anderem Kuhschelle, Berglilie und Veilchen. Eine um 1890 errichtete Votivkapelle steht am höchsten Punkt des Berges. Der Kindergarten öffnete 1954 zunächst in Räumen des Gemeindehauses. Eine neue Volksschule wurde 1961 fertiggestellt. 2011 lebten 778 Erwerbstätige in der Gemeinde; 135 von ihnen arbeiteten auch dort. 2010 gab es 35 landwirtschaftliche Betriebe; 24 wurden im Haupterwerb geführt.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
