SEIBERSDORF KENNENLERNEN
Seibersdorf und Deutsch-Brodersdorf
Seibersdorf ist eine Marktgemeinde im Bezirk Baden. Zum Stichtag 1. Jänner 2026 lebten 1.607 Menschen auf 20,20 Quadratkilometern. Das heutige Gemeindegebiet umfasst Seibersdorf und Deutsch-Brodersdorf; beide Orte wurden 1972 vereinigt.
Zwei Orte, ein Gemeindegebiet
Seibersdorf und Deutsch-Brodersdorf bilden sowohl die zwei amtlichen Ortschaften als auch die zwei Katastralgemeinden. Der Name des Hauptortes wird mit Siegfried verbunden, einem Amt- und Gewaltträger der Markgrafschaft um 1043/45; die Namensformen entwickelten sich über Siegfrieds- und Seifriedsdorf zu Seibersdorf. Beide Orte besitzen eigene Pfarrkirchen: in Seibersdorf die dem heiligen Leonhard geweihte Kirche, in Deutsch-Brodersdorf jene der Apostel Philippus und Jakobus. Deutsch-Brodersdorf bewahrte damit seine eigene Orts- und Pfarrbezeichnung innerhalb der gemeinsamen Gemeinde. Wald bedeckt 9,36 Prozent der Gemeindefläche.
Von der Veste zum Schloss
Die Veste Seibersdorf entstand der Überlieferung zufolge zur Sicherung der Leithagrenze. Aus einer mittelalterlichen Wasserburg wurde im 17. Jahrhundert eine Schlossanlage, die Anfang des 18. Jahrhunderts unter Leopold Karl Graf von Cavriani barock gestaltet wurde. Die Cavriani, ein katholisches Adelsgeschlecht aus Mantua, besaßen das Anwesen bis 1932. Der Stich in Georg Matthäus Vischers 1672 erschienener „Topographia Austriae inferioris“ zeigt das Schloss bereits in einer Form, die dem heutigen Bau im Wesentlichen ähnelt. Ein Grenzplan, den Constantin Johann von Walter 1754 bis 1756 im Auftrag Maria Theresias aufnahm, stellt die barocke Anlage samt Park dar.
Grenzland und Zuflucht
Die Befestigungsgeschichte prägte auch die Wahrnehmung des Ortes während der Bedrohung von 1683. Seibersdorf wurde damals neben Scharfegg, Unterwaltersdorf, Güns und Kobersdorf als Zufluchtsort genannt. Nach dem Rückzug der osmanischen Truppen verlor die Leithagrenze als militärische Sicherungslinie an Bedeutung; die Burgen konnten nach und nach in repräsentative Schlösser umgewandelt werden. Der quadratische Innenhof des Schlosses wird von vier frei stehenden, hakenförmigen Eckbauten eingefasst. Ein Graben umgibt die Gebäude; zwei Brücken erschließen den Komplex, eine von der Straße im Süden und eine vom Park im Norden.
Forschung und Gegenwart
Auf dem Seibersdorfer Forschungsgelände ging der ASTRA-Reaktor am 29. September 1960 als Forschungsreaktor in Betrieb. Sein letzter Betrieb erfolgte am 31. Juli 1999; danach wurde er stillgelegt und zurückgebaut. Heute beherbergt das Gelände Seibersdorf Laboratories, die unter anderem Strahlenschutz, Dosimetrie, Kalibrierung und Strahlungsprüfungen anbieten. Auch die Internationale Atomenergieorganisation betreibt auf demselben Areal Labore. Seit 1970 gehören Radiopharmazeutika-Forschung und -Produktion zum Standort. Der Kraut-Radweg führt von der Leitha-Radbrücke in Deutsch-Brodersdorf bis Moosbrunn; der ausgewiesene Rundweg ist 33 Kilometer lang. 2001 wurden 63 nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten verzeichnet; für 1999 sind 60 land- und forstwirtschaftliche Betriebe dokumentiert. 645 Erwerbstätige lebten 2001 in der Gemeinde. Die Singgemeinschaft Seibersdorf wurde 1992 gegründet. Über Jahre gehörten Konzerte im Schloss zu ihren Auftritten; außerdem sang sie in Kirchen und anderen Veranstaltungsorten. Das Sportbad in Seibersdorf ist eine Freibadanlage mit mehreren Schwimmbecken.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
