BAD VÖSLAU KENNENLERNEN
Bad Vöslau: Thermalquelle, Kammgarn und drei Ortsteile
Bad Vöslau liegt an der Thermenlinie am Übergang vom Wienerwald ins Wiener Becken. Die Stadtgemeinde im Bezirk Baden umfasst 38,75 Quadratkilometer und zählte am 1. Jänner 2026 12.589 Einwohnerinnen und Einwohner. Zu ihr gehören Bad Vöslau, Gainfarn und Großau, deren Ortsbilder unterschiedliche Geschichten erzählen.
Von der Quelle zum Thermalbad
Die warme Quelle im Maital begründete Vöslaus Ruf als Badeort. 1822 ließ Moritz I. Graf von Fries ein Badehaus mit sechs Kupferwannen und einen Badeteich errichten. Aus dieser kleinen Anlage entwickelte sich der Kurbetrieb, der 1904 offiziell als Kurort anerkannt wurde. Das hölzerne Bad war Anfang des 20. Jahrhunderts baufällig; die Stadt entschied sich daher für einen Neubau. Am 26. Juli 1926 eröffnete Bundespräsident Michael Hainisch das erneuerte untere Becken, das heute als „Blaues Becken“ bekannt ist. Der obere Badeteil und der Marienpark kamen im Ausbau bis 1928 hinzu. 2026 erinnert eine städtische Sonderausstellung an hundert Jahre der heutigen Anlage.
Wasserburg, Schloss und Rathaus
Vöslau wurde 1136 erstmals urkundlich erwähnt; der damalige Eintrag nennt Adololdus de Veseloue. Die Wasserburg dürfte älter sein. 1483 plünderte und verwüstete Matthias Corvinus die Anlage. Unter der Familie Fries erhielt das Schloss im 18. Jahrhundert seine heutige Gestalt: Johann von Fries ließ es durch den Hofarchitekten Ferdinand Hohenberg von Hetzendorf umbauen. Bildhauer Franz Zauner schuf Putten für das Portal des Schlossparks und für das Stiegenhaus. Der frühklassizistische Bau blieb lange in privater Hand. Die Stadt erwarb das desolate Gebäude 1951, ließ es renovieren und nutzt es seit 1974 als Rathaus.
Kammgarnfabrik und gewachsene Ortsteile
Neben dem Kurbetrieb prägte die Textilindustrie die Stadtentwicklung. Freiherr Johann von Geymüller gründete 1833 die Kammgarnfabrik; in ihrer Blütezeit war sie ein großer regionaler Arbeitgeber. Nach rund 145 Jahren endete der Betrieb 1978. Das historische Fabrikareal nahe dem Bahnhof wurde als Kammgarnzentrum für Dienstleistungs- und Gesundheitsbetriebe adaptiert. Am 1. Jänner 1972 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Bad Vöslau, Gainfarn und Großau zu einer Großgemeinde verbunden. Ihre Siedlungszentren sind dennoch unterscheidbar: Vöslau wuchs um Schloss und Bad, Gainfarn bewahrte seinen älteren Dorfkern, Großau entwickelte sich als Straßendorf. Weinbau und Heurigen prägen die drei Ortsteile bis heute.
Parks am Hang und ein Fund aus dem Urmeer
Der Grünzug vom Harzberg bis zum Schlosspark verbindet Aussichtspunkte und städtische Freiräume. Auf dem Harzberg steht die Jubiläumswarte, im Kurpark befindet sich ein Pavillon; in Gainfarn bildet der Friedmann-Park mit seiner historischen Kneipp-Anlage einen weiteren öffentlichen Grünraum. Großau zeigt eine andere ländliche Bauform: Rund um einen Dreiecksanger entstand ein Straßendorf mit Höfen für Ackerbau, Weinbau und Viehzucht. Ein ungewöhnlicher Fund führt noch weiter zurück. 2006 wurden in der Gainfarner Bucht am Lindenberg Reste einer Seekuh entdeckt, die vor mehr als 15 Millionen Jahren lebte, als die Gegend von einem Meer bedeckt war. Das Skelett „Linda“ ist seit 2009 im Stadtmuseum zu sehen. Die drei Ortsteile bewahren somit sowohl Landschaftsmerkmale und historische Dorfstrukturen als auch Zeugnisse einer geologischen Vergangenheit, die weit vor die Besiedlung zurückreicht.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Bad Vöslau – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Stadtgemeinde Bad Vöslau: Stadtgeschichte & Stadtwappen
- Stadtgemeinde Bad Vöslau: Eröffnung der Sonderausstellung 2026 im Stadtmuseum
- Stadtgemeinde Bad Vöslau: Ortskernabgrenzung
- Stadtgemeinde Bad Vöslau: Stadtmuseum
Stand der Angaben: 08.10.2026
