PERNITZ KENNENLERNEN
Pernitz: Papier aus dem Piestingtal
Wo der Myrabach in die Piesting mündet, weitet sich das Tal zu einem Siedlungsraum zwischen Gutensteiner Alpen und Bahnlinie. Die Marktgemeinde Pernitz liegt im Bezirk Wiener Neustadt-Land und zählt 2.559 Einwohnerinnen und Einwohner (1. Jänner 2026). Ihr Gemeindegebiet umfasst 16,68 Quadratkilometer. Zwei Ortschaften, Pernitz und Feichtenbach, verbinden den kompakten Talort mit den bewaldeten Hängen und Seitentälern.
Ein Tal mit zwei Ortschaften
Pernitz und Feichtenbach sind zugleich die beiden Ortschaften und Katastralgemeinden. Im Alltag liegen damit Talboden, Wohngebiete und bewaldete Höhen nahe beieinander. Die Gutensteinerbahn bedient vier Haltestellen im Gemeindegebiet. Am Bahnhof Pernitz-Muggendorf sind sieben Buslinien mit der Bahn verknüpft; insgesamt gibt es 13 Bushaltestellen. Für Wege innerhalb der Gemeinde sind die Haltestellen ebenso wichtig wie für Fahrten talauswärts. Am Osthang erhebt sich die Hohe Mandling bis auf 967 Meter; auch Heuschober und Spatzenwälderkogel begrenzen den Talraum. Von den Haltestellen am Talboden sind die bewaldeten Höhen in kurzer Entfernung erreichbar.
Papierproduktion in Ortmann
Die Arbeitsstättenzählung 2024 weist für Pernitz 427 Arbeitsstätten und 1.494 Beschäftigungsverhältnisse am Arbeitsort aus; 61,8 Prozent der aktiv Erwerbstätigen am Wohnort pendelten aus. Die 1.494 Beschäftigungsverhältnisse zählen Arbeitsplätze in der Gemeinde, während sich die Auspendlerquote auf die hier wohnenden Erwerbstätigen bezieht. Ein wichtiger konkreter Produktionsstandort liegt im Ortsteil Ortmann. Essity bereitet dort Altpapier auf und verarbeitet die Fasern zu Hygienepapier; am Standort entstehen unter anderem Toilettenpapier, Küchenrollen, Servietten und Taschentücher. Das Werk ist an Straße und Bahn angebunden; laut Umwelterklärung erfolgen An- und Abtransporte mit Lastwagen und Waggons.
Vom Talort zum Industriestandort
Pernitz ist 1165 schriftlich belegt. Lange blieb das Leben im Tal ländlich geprägt; mit der Straße über den Hals und der 1877 eröffneten Gutensteinerbahn verbesserten sich die Verbindungen. In Ortmann entstand 1866 eine Kunstwollfabrik, aus der sich die Papierindustrie entwickelte. Das Werk veränderte auch die soziale Struktur des Ortes: Neben bäuerlichen Haushalten wuchs eine Arbeiterschaft heran, die mit der Fabrik verbunden war. Diese industrielle Geschichte ist im heutigen Pernitz noch durch den Produktionsstandort präsent, während Bahn und Talstraße weiterhin die räumliche Verbindung nach außen bilden.
Kirche, Fels und Forschung
Im Ortszentrum steht die Pfarrkirche zum heiligen Nikolaus. Ihr moderner Zentralraum entstand 1969 und 1970; der gotische Chor des älteren Kirchenbaus blieb als Seitenkapelle erhalten. Nördlich des Ortes hebt sich der Luckerter Stein als Kalksteinformation aus dem Gelände. Pernitz hat außerdem eine wissenschaftliche Einrichtung mit ungewöhnlichem Arbeitsfeld: Das Conrad-Observatorium misst Erdbeben sowie Veränderungen des Schwere- und Magnetfelds der Erde. Zur kommunalen Bildungsinfrastruktur gehören eine Volksschule und eine Mittelschule. Kirche und Fels sind im Ort beziehungsweise unmittelbar nördlich davon zu finden; das Observatorium ist dagegen eine Forschungseinrichtung und kein allgemein zugängliches Ausflugsziel.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 09.10.2026
