HÜRM KENNENLERNEN
Hürm an der Hochstraße
Hürm liegt im Bezirk Melk im niederösterreichischen Mostviertel. Die Marktgemeinde zählt am 1. Jänner 2026 2.041 Einwohnerinnen und Einwohner und umfasst 36,08 Quadratkilometer. Alte Verkehrswege, die Pfarrkirche und Schloss Sooß erzählen von der langen Besiedlung des Hügellands.
Hochstraße und frühe Spuren
Funde aus der Jungsteinzeit belegen frühe Besiedlung im heutigen Gemeindegebiet. Geschützte Hügelgräber und ein Grabstein aus dem 2. Jahrhundert verweisen auf die römische Epoche. Die sogenannte Hochstraße ist als alter Verkehrsweg bis heute in Gebrauch. Hürm wird 1083 in einem Salbuch des Stifts Göttweig erstmals schriftlich genannt. Die Pfarrgeschichte reicht nach Einschätzung der Gemeinde vermutlich in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts zurück. Im Mittelalter war Hürm eine Mutterpfarre; von hier wurden später unter anderem Haunoldstein, St. Margarethen, Kilb und Loosdorf abgetrennt. 1365 übertrug der Passauer Bischof die Stephanskirche zu Hürben an die Augustiner-Chorherren in St. Pölten.
Kirche und Pfarrhof
Die Pfarrkirche zeigt Bauphasen aus mehreren Jahrhunderten. Der Chor stammt aus dem 14. Jahrhundert, die gotischen Schiffe aus dem 16. Jahrhundert. Während des Osmaneneinfalls 1529 brannte das Gotteshaus; 1545 wurde es wieder geweiht. Pfarrer Johann Jakob Neopolitanus ließ zwischen 1567 und 1587 einen repräsentativen einsäuligen Saal im Pfarrhof errichten. Die Gemeinde führt ihn als geschützten Raum, der nach Vereinbarung besichtigt werden kann. Im 18. Jahrhundert erhielt der Turm seine barocke Haube; 1735/36 wurde er neu gestaltet. Ein Brand während des französischen Einmarsches 1809 zerstörte Turm und Schulhaus, die Kirche blieb verschont. Der Turm wurde 1811 wiederaufgebaut. Eine bauliche Erweiterung folgte 1905 mit einem dritten Kirchenschiff. 1911 entstanden nach Entwürfen des Wiener Professors Josef Reich neue Ausmalungen.
Schloss Sooß und die Rundkapelle
Schloss Sooß entwickelte sich aus einem mittelalterlichen Herrensitz. Vor 1100 gehörte das Gut zur Grafschaft Schala; später wird es mit den Hochfreien von Perg verbunden. 1894 erwarb Graf Georg von Hoyos die Anlage und ließ sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts umbauen. Im Inneren sind eine Eichentür von 1649 und ein Kamin aus rotem Verona-Marmor aus der Zeit um 1600 erhalten. Die Schlosskapelle ist erstmals 1349 belegt. Im Schloss ist heute die Landwirtschaftliche Fachschule Sooß untergebracht. Eine zweite markante Bauform bietet die Rundkapelle: Der kleine Ziegelbau entstand im frühen 18. Jahrhundert. Eine vorspringende Dachkante, das flache Kegeldach und eine steinerne Kugel prägen seine schlichte Silhouette.
Rundwege und Kapellenlandschaft
Sechs markierte Rundwege erschließen die Landschaft rund um Hürm. Die kürzeste, die Runde bei der Rundkapelle, ist 3,5 Kilometer lang; der Ainhofer Rundweg misst 4,7 Kilometer. Die Große Holzrunde führt über 7,4 Kilometer, der Panoramaweg über 10,7 Kilometer. Mit elf Kilometern ist der Schloss-Sooß-Rundweg die längste der sechs ausgeschilderten Touren. Für Wandernde, die weiter ausholen möchten, nennt die Gemeinde außerdem den Dunkelsteiner Rundwanderweg, den Manker Wallfahrerweg und den Römerweg. Im Ortsgebiet erinnern zudem mehrere Kapellen und Wegkreuze an die religiöse Prägung der Streusiedlungen. Eine kostenlose Wanderkarte liegt im Gemeindeamt auf.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
