SCHOLLACH KENNENLERNEN
Schollach: Dörfer, Schallaburg und Erinnerungsorte
Die Gemeinde Schollach liegt rund um die Schallaburg im Bezirk Melk. Die Gemeinde umfasst 19,70 Quadratkilometer und zählte am 1. Jänner 2026 1.084 Einwohnerinnen und Einwohner. Zu ihrem Gebiet gehören sieben Ortschaften mit eigenen Überlieferungen, vom Dorfkern in Anzendorf bis zur Wallfahrtskirche im Wald von Steinparz.
Anzendorf und Merkendorf in alten Urkunden
Für Anzendorf verweist die Gemeindeseite auf Ortsnennungen aus der Zeit der Grafschaft Schalla um 880. Eine Schenkungsurkunde an das Kloster Göttweig schreibt den Namen 1100 als „Ancindorf“; 1251 erscheint er auch in einer Urkunde des Stifts Melk. Die Ortsbezeichnung wird von einem Personennamen Anzo hergeleitet. In Merkendorf deuten Einzelfunde auf Besiedlung in der Jungsteinzeit. Mit dem Aufbau der Schallaburg entstanden im 10. und 11. Jahrhundert große Höfe, im 12. Jahrhundert weitete sich die Besiedlung aus. 1413 ist Merkendorf erstmals urkundlich genannt; beim Türkeneinfall 1532 wurden fast alle Häuser zerstört.
Von der Wehrburg zum Renaissanceschloss
Die Schallaburg entstand vor rund tausend Jahren als Wohnburg des Grafen Sieghard X. von Schala; eine mächtige Ringmauer umschloss die Anlage. Im 16. Jahrhundert bauten die Losensteiner die Anlage nach italienischem Vorbild zum Renaissanceschloss aus. Hans Wilhelm von Losenstein ließ die Arkadenhöfe und den Garten gestalten. Im Arkadenhof treffen Fabelwesen, Masken und Wappenfiguren auf griechische und römische Mythen. Der Renaissancegarten bewahrt Grundmauern eines Ballhauses sowie eine historische Schießstätte. Nach dem Übergang in Republikbesitz 1955 erwarb das Land Niederösterreich die Burg 1968; eine sechsjährige Sanierung endete 1974 mit der ersten Renaissance-Ausstellung. Der ältere Baubestand umfasst einen romanischen Wohnbau und eine gotische Kapelle.
Projekt Quarz und Zwangsarbeit am Wachberg
Am 20. März 1944 begann im Wachberg der Stollenbau unter dem Decknamen „Projekt Quarz“. Unter Tage sollte eine Rüstungsproduktion für Kugel- und Wälzlager entstehen. Geplant waren mindestens 75.000 Quadratmeter Produktionsfläche und Platz für 2.300 Werkzeugmaschinen. Die Gemeinde hält fest, dass Häftlinge, die in der Melker Biragokaserne einquartiert waren, zur Arbeit herangezogen wurden: Im August 1944 waren 4.720 Gefangene beim Stollenbau eingesetzt. Bis zur Evakuierung wurden insgesamt 14.390 Menschen in das Lager Melk eingeliefert. Zu Kriegsende waren rund zwei Drittel der Stollen ausgebrochen, etwa ein Drittel bereits betoniert. Im April 1945 wurde die Anlage aufgegeben.
Maria Steinparz: Kapelle im Wald
Lange bevor es eine Wallfahrtsstätte gab, verehrten Gläubige eine Bildbuche im Wald. Eine erste Kapelle entstand um 1850 aus dem Wunsch nach einem stillen, abgelegenen Ort; Wunderberichte oder Erscheinungen waren laut Gemeindegeschichte kein Anlass. 1857 verpflichteten sich die Gemeinden Anzendorf, Schallaburg und Steinparz zum Bau und zur Erhaltung. 1870 erhielt das Gotteshaus einen sechseckigen Turm, vier Jahre später wurde an sechs Gedenktagen die Messe erlaubt. Der heutige Altar kam 1882. Eine neue Sakralorgel mit Digitalwerk ergänzte den Innenraum 1998; jährlich kommen rund 30 Wallfahrergruppen und zahlreiche Einzelpilger.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Schollach (Niederösterreich) – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Gemeinde Schollach – Anzendorf
- Gemeinde Schollach – Merkendorf
- Schallaburg – Geschichte der Anlage
- Gemeinde Schollach – Stollenanlage in Roggendorf
- Gemeinde Schollach – Wallfahrtskirche Maria Steinparz
- Gemeinde Schollach – Schloss Schallaburg
Stand der Angaben: 08.10.2026
