LOOSDORF KENNENLERNEN
Loosdorf zwischen Pielach und Hoher Schule
Loosdorf liegt im Pielachtal am Südrand des Dunkelsteinerwaldes. Die Marktgemeinde im Bezirk Melk zählt 3.866 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 11,89 Quadratkilometer. Ihre Geschichte verbindet ein protestantisches Bildungszentrum mit dem Wandel eines regionalen Handelsortes.
Die Hohe Schule und ein neues Marktprivileg
Hans Wilhelm von Losenstein ließ in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Loosdorf ein Gymnasium für adelige protestantische Jugendliche errichten. Dafür entstand das eigene Gebäude der Hohen Schule; die Schulordnung wurde 1574 gedruckt. Loosdorf wurde zu einem protestantischen Zentrum mit religiöser und landespolitischer Bedeutung. Losenstein erwirkte 1584 ein Marktprivileg, das ein Gemeinwesen mit Richter und Rat ermöglichte; 1588 kam das Wochenmarktsprivileg hinzu. Die Schule musste 1627 im Zuge der Gegenreformation schließen. Safran diente als wichtiges Mittel zum Gelbfärben von Tuchen. Der „Loosdorfer Safran“ wurde als Qualitätsname sogar in Hamburg bekannt, ehe synthetische Farbstoffe den Anbau verdrängten.
Rathaus und Schlösser im historischen Ortsbild
Am heutigen Europaplatz 11 steht das Rathaus, das als „Neunzehner-Haus“ nach seiner historischen Konskriptionsnummer bekannt ist. Auch die Bezeichnungen „Zum goldenen Hufeisen“ und „Alte Post“ erzählen von früheren Nutzungen: Im Gebäude lagen ein Einkehrgasthaus und eine Wechselstation für Postpferde. Die Gemeinde erwarb den stark verfallenen Bau und übergab ihn 1995 nach der Revitalisierung seiner heutigen Bestimmung. In der Marktgemeinde sind außerdem Profanbauten mit Arkaden, Gewölben, Spiegeldecken und Freskenresten erhalten. Dazu gehören die Hohe Schule, Häuser an Linzerstraße und Hauptplatz sowie die ehemalige Hofmühle. Die Schlösser Albrechtsberg und Sitzenthal wurden im Lauf verschiedener Epochen von Festungen zu Wohnburgen umgestaltet.
Albrechtsberg wächst über den Schlossbereich hinaus
Unterhalb des Schlosses liegt Albrechtsberg, dessen Name auf Graf Albrecht von Perg zurückgeht. Eine Urkunde von 1149 nennt eine Schenkung eines Weingartens an Göttweig durch Friderun, die Witwe Siegfrieds von Adalbrehtisperge. Der Kern der Feste reicht nach der Gemeindegeschichte in die Zeit um 1100 zurück. Lange gehörten die Herrschaften Albrechtsberg und Sitzenthal denselben Besitzern. Pfarrlich waren Ort und Schlosskapelle zunächst getrennt: Die Bewohner gehörten zur Pfarre Mauer, die Achaz-Kapelle zur Pfarre Hürm. Erst 1783 wurde Albrechtsberg nach Loosdorf eingepfarrt. 1849 kam die Katastralgemeinde zur Marktgemeinde; im folgenden Jahr wählten ihre Bewohner den Loosdorfer Bürgermeister als Gemeindeoberhaupt. Weinbau verlor um 1900 durch Reblaus und Falschen Mehltau seine Grundlage.
Pielachquerung und neue Verkehrswege
Die erste dauerhafte Brücke über die Pielach nach Albrechtsberg wurde 1879 fertiggestellt. Fürst Karl von Auersperg, damals Besitzer von Schloss Albrechtsberg, finanzierte die Eisenbrücke. Am 8. Mai 1945 sprengten zurückziehende SS-Truppen das Bauwerk; ein Pfeiler blieb als Relikt erhalten. Eine Behelfsbrücke diente danach bis zum Hochwasser im Juli 1975. Auch die Eisenbahn veränderte den Ort: Mit der Eröffnung der Westbahn 1858 erhielt Loosdorf einen Bahnhof, der den Dampflokomotiven als Wasserstation diente. Zeitweise wurde der Ort als „Loosdorf an der Westbahn“ bezeichnet. Heute liegt der Markt an der Wiener Straße B1 und nahe der Westautobahn A1.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
