STRONSDORF KENNENLERNEN
Stronsdorf: Wehrkirche, Marktrecht und die trockengelegten Böden
Stronsdorf liegt am Südrand der Laaer Ebene an der alten Poststraße zwischen Laa und Hollabrunn. Die Marktgemeinde umfasst 48,17 Quadratkilometer und zählte am 1. Jänner 2026 1.516 Einwohner. Ihre Geschichte verbindet Marktprivilegien, eine romanische Kirchenanlage und den Wandel der Landwirtschaft.
Frühe Nennung und Grundherren
Der Ortsname erscheint zwischen 1072 und 1091 als „Straneisdorf“; seine Herleitung aus einem slawischen Personennamen gilt als wahrscheinlich. Das Gemeindegebiet umfasst sechs Katastralgemeinden: Stronsdorf, Oberschoderlee, Unterschoderlee, Stronegg, Patzmannsdorf und Patzenthal. Die Wallseer übernahmen 1304 Burg Stroneck, Markt und Pfarre. Die Grafen von Sinzendorf hielten die Herrschaft von 1650 bis 1810. 1817/18 finanzierte der Bürger Leopold Katzböck ein Stiftungshaus für arme und kranke Personen. 1858 ging das Gut an Karl Friedrich Kammel; seine Nachkommen bewirtschaften es weiterhin.
Marktrecht und vier Jahrmärkte
1514 verlieh Kaiser Maximilian I. Stronsdorf ein Wappen und das Recht auf einen weiteren Jahrmarkt. Ein Urbar der Herrschaft Asparn an der Zaya belegt die Marktgerechtigkeit 1521. Der Ort verfügte damals auch über Stock und Galgen; die Flur „Am Gericht“ erinnert an den Standort des Hochgerichts. Unter Rudolf II. kamen zwei Markttage hinzu. Heute werden vier Jahrmärkte begangen: Wachsmarkt, Schauermarkt, Kirchtagsmarkt und Bindermarkt.
Mariae Himmelfahrt und ihre Ausstattung
Am Südrand des Orts steht die erhöhte Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. Der Barockaltar mit der Hirschenmadonna wurde 1747 von einem Stronsdorfer namens Hirsch gestiftet. Ein Brand beschädigte die Kirche im 18. Jahrhundert schwer. Nach einer lokalen Überlieferung wurde das Gotteshaus aus Trümmern des Schlosses Stroneck errichtet; im Bruchsteinmauerwerk sind Architekturteile sichtbar. Bei der Restaurierung in den 1950er-Jahren wurden Details älterer Bausubstanz entdeckt. Kirche und Wehrkirchenanlage mit Grabsteinen stehen unter Denkmalschutz.
Grenzlandorgel und Baugeschichte
Das heutige Instrument stammt aus der Werkstatt des Brünner Orgelbauers Jan Vymola. Abt Romanus Mayerl bestellte gegen 1750 eine einmanualige Orgel mit Pedal für die Stiftskirche Säusenstein. Das Instrument fiel dem Abt offenbar zu klein aus und gelangte an die Stiftspfarre Stronsdorf. Dort war es eine Spur zu groß: Der bekrönende Paukenengel wurde schräg gelegt und ins Gewölbe gehängt. 1793 veranlasste Pfarrer Andreas Johann Nepomuk Krickel einen Umbau. Der Mistelbacher Orgelbauer Wenzel Ockenfuß ergänzte ein Rückpositiv; das Pedal erhielt eine zusätzliche Quinte und einen Fagottbass. Das Rückpositiv in der Brüstung umfasste vier Doubletten aus Hauptwerksregistern, an die die neue Spielanlage angeschlossen wurde. Ihre farbige Fassung hatte die Orgel bereits in Stronsdorf erhalten.
Entwässerung und neue Feldfrüchte
Landwirtschaft blieb der wichtigste Erwerbszweig der Region. Feuchte Böden brachten zunächst geringe Erträge; zwischen 1888 und 1892 wurden deshalb Rohrdränagen zur Entwässerung verlegt. Die Landesdatenbank bezeichnet sie als die ersten Anlagen dieser Art in Österreich. Mit trockeneren Böden konnten ertragreichere Futterpflanzen angebaut werden, Vieh- und Milchwirtschaft gewannen an Bedeutung und der Weinbau ging zurück.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Stronsdorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Katastralgemeinde Stronsdorf | Marktgemeinde Stronsdorf
- Stronsdorf | Gedächtnis des Landes, Niederösterreichisches Landesmuseum
- Die Grenzlandorgel von Jan Vymola | Marktgemeinde Stronsdorf
- Denkmalliste Niederösterreich 2026 | Bundesdenkmalamt
Stand der Angaben: 09.10.2026
