UNTERSTINKENBRUNN KENNENLERNEN
Unterstinkenbrunn: Quelle, Kirche und Kellerdorf
Unterstinkenbrunn liegt am südlichen Rand des Laaer Beckens im Bezirk Mistelbach. Die Gemeinde zählt 557 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 9,42 Quadratkilometer. Eine eisenhaltige Quelle, eine neugotische Pfarrkirche und das ungewöhnlich angelegte Kellerdorf Loamgrui prägen die Ortsgeschichte.
Quelle und Herrschaftssitz
Die erste bekannte Nennung stammt aus dem Jahr 1147: Eine Schenkungsurkunde des Bistums Passau führt den Ort als „Stichundenprunne“. Die Gemeindeseite erklärt den Namen mit einer stark eisenhaltigen Quelle in der Ortsmitte. Ende des 16. Jahrhunderts übernahmen die Sinzendorfer die Herrschaft; das Schloss blieb bis 1822 in ihrem Besitz. Die Pest suchte das Dorf 1679 und 1713 heim. 1727 erlaubte die Herrschaft zehn Familien, Kleinhäuser zu errichten, und gewährte ihnen Bauhilfen sowie drei Freijahre. 1822 ging das Schloss an die Fürsten Reuß-Köstritz, denen es bis 1933 gehörte.
Die Kirche auf der Anhöhe
Ein Gotteshaus wurde in Unterstinkenbrunn bereits im frühen 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt; bei den osmanischen Belagerungen 1529 und 1683 wurde es zerstört. Eine ältere Kapelle entstand 1720 und erhielt 1736 die Weihe des Passauer Bischofs. 1861 wurde sie abgetragen. Die heutige Pfarrkirche Peter und Paul entstand 1861 bis 1863 im neugotischen Stil auf einer Anhöhe im Osten des Ortes. Ihre Maßwerkfenster und neugotischen Altäre bestimmen den Innenraum mit Fresken und Dekorationsmalerei. Der neugotische Hochaltar zeigt die beiden Kirchenpatrone. Der Pfarrhof neben der Kirche trägt die Jahreszahl 1849. 1893 wurde Unterstinkenbrunn, zuvor Filiale der Pfarre Gaubitsch, selbstständige Pfarre.
Ein Dorf aus Presshäusern
Das Kellerdorf Loamgrui entstand in der Hochblüte des regionalen Weinbaus, noch vor der Reblausplage zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es liegt einen kurzen Fußweg vom Dorfkern entfernt und gruppiert seine kleinen Häuser um einen zentralen Platz. Eigene Gassen und Hohlwege durchziehen den Komplex; deshalb wirkt er eher wie ein Weiler als wie eine lange Kellergasse. „Loamgrui“ bedeutet Lehmgrube: Das Kellerdorf liegt in einer Senke, seine Gänge reichen in den Lehmboden. In den Presshäusern wurde der Wein verarbeitet, in den angrenzenden, handgegrabenen Kellern lagerte er. Viele Räume besitzen noch Weinpressen; schmale Lehmstiegen verbinden Oberfläche und Keller. Die Bauweise mit Ziegel-Tonnengewölben formte niedrige, enge Gänge. Einige Keller haben vermauerte Enden, andere führen wie unvollendete Tunnel weiter. Heute stehen manche leer, während einzelne noch für Hobbywein genutzt werden.
Schule, Kinderheim und Gemeindewappen
Eine Volksschule wurde 1804 gegründet und errichtet. Für das Dorf war der Brand von 1814 besonders verheerend: Innerhalb einer Stunde brannte fast der ganze Ort nieder; nur vier kleine Häuser und drei Stadel blieben verschont. Weitere große Feuer trafen den Ort 1862 und 1866. 1904 begann der Bau eines Kinderheims, das 1905 fertiggestellt wurde. Die Schwestern von St. Joseph führten den Kindergarten bis 1994; danach übernahm das Land Niederösterreich die Betreuung. 1972 wurden Unterstinkenbrunn und Gaubitsch zur Gemeinde Gartenbrunn vereinigt, 1995 wieder getrennt. Mit der Trennung wurde der örtliche Schulstandort aufgelassen und nach Gaubitsch verlegt. Das Gemeindewappen erhielt Unterstinkenbrunn 2010: Goldene Wellenleisten stehen für die örtliche Quelle; der Doppelschlüssel verweist auf das Patrozinium der Apostel Peter und Paul.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 09.10.2026
