GROSSHARRAS KENNENLERNEN
Großharras: Dorf am trockenen Pulkautal
Die Marktgemeinde Großharras liegt im nordwestlichen Weinviertel am südwestlichen Rand des Laaer Beckens. Zum Jahresbeginn 2026 lebten hier 1.071 Menschen auf 42,66 Quadratkilometern. Die drei Katastralgemeinden Großharras, Diepolz und Zwingendorf reichen vom Hügelland bis ins Pulkautal.
Spuren früher Besiedlung
Funde aus der Bronzezeit belegen, dass Menschen den Raum lange vor den schriftlichen Ortsnennungen nutzten. An der Straße Richtung Kammersdorf wurde 1876 ein langobardisches Grab aus der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts entdeckt. Großharras selbst erscheint 1156 erstmals in einer Urkunde. Der Ortsname wird vom mittelhochdeutschen „har-roce“ hergeleitet, einem Ausdruck für Flachsröste. Die Kirche war zunächst dem heiligen Pankraz geweiht; heute gilt das Patrozinium der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.
Eine Kirche des Malteserordens
1255 übertrugen die Seefelder die Pfarrkirche an die Johanniter in Mailberg. Damit gehört Großharras zu den historischen Malteserpfarren des Landes. In der Ortsmitte steht außerdem die restaurierte Dreifaltigkeitssäule mit neu bepflanzter Grünfläche. Die Pfarre lässt den Kirchenraum tagsüber offen.
Zwingendorf und seine Salzböden
Zwingendorf wurde 1207 erstmals urkundlich erwähnt. Der Mailbergbach teilte die Siedlung einst in Groß- und Kleinzwingendorf; beide Ortsteile besaßen eine Kirche, die Kirche von Großzwingendorf wurde 1539 abgetragen. Schwedische Truppen verwüsteten den Ort 1645. Am östlichen Ortsausgang erinnert das Weiße Kreuz an Pestwellen des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Nördlich des Zwingendorfer Dorfteichs liegen auf rund 29 Hektar Salzbiotope; etwa 5,5 Hektar davon stehen seit 1979 unter Naturschutz. Der hohe Anteil an Natriumsulfat und Magnesiumsulfat im Boden schränkt das Pflanzenwachstum ein und begünstigt eine seltene, an Salz angepasste Flora und Fauna. Mit jährlich etwa 400 bis 500 Millimetern Niederschlag zählt die Gegend zu den trockenen Landstrichen Österreichs. Bronzezeitliche Funde belegen auch in Zwingendorf eine frühe Besiedlung. Trockenlegungen haben die ehemals weiter ausgedehnten Salzböden des Pulkautals stark verkleinert. Die Pulkautalbahn stellte 1873 den Eisenbahnanschluss her. Nach niedrigen Grundwasserständen waren Salzflächen zeitweise kaum sichtbar; hohe Wasserstände im Spätwinter 2019/20 ließen im Frühling wieder großflächige Salzausblühungen entstehen. Die jährliche Mahd schützt unter anderem das Strand-Milchkraut.
Brände, Zusammenschlüsse und Dorfleben
1713 raffte die Pest nahezu die ganze Einwohnerschaft von Großharras hinweg. Mehrere Großbrände sind für das 19. Jahrhundert belegt; nach den Feuern von 1857, 1858, 1863, 1864 und 1871 gründeten Bürger 1885 eine Freiwillige Feuerwehr. Diepolz wurde 1970 mit Großharras vereint, Zwingendorf folgte 1971. 2006 feierte Großharras sein 850-jähriges Bestehen. In Diepolz steht eine Kapelle zu Maria. Das Gasthaus „Zur Traube“ ist seit 1675 belegt; die Familie Holzer übernahm den Betrieb 1927. In Zwingendorf ließ die Pfarre 2020 den Kircheninnenraum nach Vorgaben des Bundesdenkmalamtes neu ausmalen und den Sockel mit einem Aero-Dry-System gegen aufsteigende Feuchte erneuern. Die Entscheidung zur Renovierung war bereits 2019 gefallen. Gemeinde, Land Niederösterreich, Erzdiözese Wien und Bundesdenkmalamt unterstützten die Arbeiten; Freiwillige halfen beim Aus- und Einräumen der Kirche.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Großharras – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Geschichte – Marktgemeinde Großharras
- Zwingendorf – Marktgemeinde Großharras
- Pfarre Großharras – Erzdiözese Wien
- Gemeindenachrichten Dezember 2020 – Marktgemeinde Großharras
- Marktgemeinde Großharras: Glaubersalzböden
- Gedächtnis des Landes: Großharras
Stand der Angaben: 09.10.2026
