GNADENDORF KENNENLERNEN
Gnadendorf: Jungsteinzeit, Hausberg und Zayatal
Das rund einen Kilometer lange Straßendorf Gnadendorf liegt am rechten Ufer der Zaya. Zur Marktgemeinde gehören sieben Katastralgemeinden. Am 1. Jänner 2026 lebten hier 1.170 Menschen; die Gemeinde umfasst 48,26 Quadratkilometer.
Ein jungsteinzeitliches Monument im Mitterfeld
Südwestlich hinter dem Dorf liegt eine doppelte Kreisgrabenanlage aus dem Mittelneolithikum. Luftbilder machten den Fundplatz 1981 sichtbar. 2003 und 2004 untersuchte ein Forschungsteam die Anlage magnetisch auf einer Fläche von 73.240 Quadratmetern. Der Katalog verortet sie etwa 250 Meter von der Zaya entfernt, am tiefsten Punkt eines Osthangs zwischen Zaya und Gießbach. Knapp oberhalb lässt sich ein heute trockener Quellbereich erkennen. Das Gelände ist landwirtschaftlich genutzt; der Katalog beschreibt die Fundstelle deshalb als gefährdet. Ausgrabungen fanden laut Katalog bislang nicht statt. Das Bundesdenkmalamt führt die Kreisgrabenanlage als geschütztes Objekt.
Die Kirche auf dem Hausberg
Die Pfarrkirche des heiligen Johannes des Täufers steht auf dem Hausberg. 1197 wurde die Pfarre selbstständig; zuvor gehörte der Ort zu Gaubitsch, möglicherweise früher zu Oberleis. Das Gotteshaus war 1671 bereits baufällig und wurde zwischen 1679 und 1710 neu errichtet, wobei der gotische Chor in den Bau einbezogen blieb. Die Gnadendorfer Marienstatue stammt aus der Zeit um 1430. 1736 wurde die Kirche geweiht. Zur Ausstattung gehören drei barocke Altäre, eine verzierte Kanzel und ein spätgotisches Taufbecken. Nach einer Renovierung zwischen 1994 und 2000 prägt sie weiterhin den erhöhten Ortskern des Dorfes.
Gnannendorf und das Reitergrab
Als „Gnannendorf“ erscheint der Ort 1113 in einer Urkunde; der Name wird auf den Personennamen Gnanno zurückgeführt. 1403 erhielten die Liechtensteiner eine Hälfte des Besitzes und erwarben bald auch die zweite. 1650 ging die Herrschaft an die Brüder Sinzendorf; deren Nachkommen sind bis 1822 belegt. Vor dem Eingang der Volksschule wurde 1999 bei Grabarbeiten ein ungarisches Reitergrab entdeckt. Die Universitätsuntersuchung beschreibt den Bestatteten als etwa 14-jährigen Jungen; zwei Radiokarbondatierungen weisen auf eine Bestattung um das Jahr 1000. Das Ensemble enthielt außerdem einen Säbel, Edel- und Buntmetallstücke sowie weitere Eisenfunde.
Bildeiche, Schule und Vereine
Im Bildeichenwald steht eine Eiche mit viereinhalb Metern Umfang. Unter ihr befindet sich eine Kapelle mit Mariahilf-Bild; am Florianitag und im Mai kommen Gläubige aus den umliegenden Orten in Prozessionen. Die Gemeindeseite vermutet eine Schule bereits um 1500 im Haus Nr. 92. Als sie zu klein wurde, ließ Fürst Prosper zu Sinzendorf im Haus Nr. 2 eine größere Schule errichten. Diese wurde 1890 durch das zweiklassige Schulhaus auf dem Anger ersetzt; 1985 kam ein Turnsaal hinzu. Nach der Schließung der Schule in Eichenbrunn in den 1980er Jahren blieb Gnadendorf der einzige Volksschulstandort der Großgemeinde. Die Freiwillige Feuerwehr besteht seit 1885. Ein Volksbildungsverein entstand 1897 und wurde 1938 aufgelöst.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Gnadendorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Gemeinde Gnadendorf – Gnadendorf
- Gemeinde Gnadendorf – Zahlen und Fakten
- Gemeinde Gnadendorf – Pfarrkirche Gnadendorf
- Mittelneolithische Kreisgrabenanlagen in Niederösterreich, Kapitel 6: Gnadendorf
- Das frühungarische Reitergrab von Gnadendorf – Forschungsbeiträge, Universität Wien
- Bundesdenkmalamt – Denkmalliste Niederösterreich 2025
- Universität Wien, VIAS – Ein ungarisches Reitergrab in Gnadendorf
Stand der Angaben: 08.10.2026
