LACKENDORF KENNENLERNEN
Lackendorf und seine wiedergewonnene Eigenständigkeit
Lackendorf liegt im Mittelburgenland im Bezirk Oberpullendorf. Die Gemeinde ist flächengleich mit der Katastralgemeinde und umfasst nur die Ortschaft Lackendorf. Auf 12,71 Quadratkilometern leben 632 Menschen (Stand 1. Jänner 2026). Die kommunale Eigenständigkeit wurde nach einer umstrittenen Zusammenlegung 1990 wiederhergestellt.
Ein Dorf und eine Gemeinde
Lackendorf besteht aus einer Ortschaft und einer Katastralgemeinde. Der Ort liegt im Mittelburgenland; sein kompakter Siedlungsraum ist von landwirtschaftlichen Flächen umgeben. Die Deutschkreutzer Straße B62 verläuft im Süden des Gemeindegebiets. Über sie erreicht man Sopron in etwa zwanzig Kilometern und die Burgenland Schnellstraße nach rund sechs Kilometern. Im regionalen Straßennetz liegt Lackendorf damit zwischen der Grenzstadt und der Schnellstraße. Das Dorf bildet den gesamten kommunalen Siedlungsraum; Ort und Gemeinde sind deckungsgleich. Die Ortsgeschichte ist eng mit benachbarten Herrschaften verbunden.
Lackendorfs mittelalterliche Spuren
Die erste urkundliche Nennung erfolgte 1222 als major Louku. König Andreas II. tauschte den Besitz gemeinsam mit Weppersdorf und verlieh ihn anschließend Graf Pousa. In späteren Dokumenten wechselte die Schreibweise: 1229 ist „maior Lok“ belegt, 1482 Lakendorff und 1553 Lackendorf. Der Ortsname wurde mit einer zeitweise wassergefüllten Senke in Verbindung gebracht, die eher eine große Lacke als ein dauerhafter See gewesen sein dürfte. 1425 überließ Sigismund Athinai seine Landsee zugehörigen Besitzungen einschließlich Lackendorf an Nikolaus Garai und dessen Frau. 1506 verkaufte Ulrich von Grafenegg die Herrschaft Landsee an Sigismund von Weißpriach. Sein Sohn Hans siedelte nach den Verwüstungen des Türkensturms kroatische Bevölkerung in mehreren Dörfern der Umgebung an.
Kirche auf dem Kirchenberg
Die Filialkirche St. Rochus steht auf dem sandigen Kirchenberg am Ostrand des Dorfs und gehört kirchlich zu Unterfrauenhaid. 1663 wurde sie aus Mitteln der Gläubigen neu errichtet; die Weihe erfolgte am 19. Februar 1673. Eine Glocke aus 1673 hing zunächst in einem hölzernen Glockenstuhl vor der Kirche. Das heutige Kirchenschiff und die Kanzel entstanden 1884, der westliche Turm wurde 1886 angebaut. Der Hochaltar zeigt den heiligen Rochus. Restaurierungen folgten 1887, 1943 und 1986. Die Marienkapelle, auch Nikloskapelle genannt, geht auf 1693 zurück; die Krainatzkapelle ist dem heiligen Johannes Nepomuk geweiht.
Rückkehr zur Selbständigkeit
Mit 1. Jänner 1971 wurde Lackendorf Teil der Großgemeinde Raiding-Unterfrauenhaid. Viele Wahlberechtigte hätten eine Verbindung mit Lackenbach bevorzugt; innerhalb des Verbands fühlten sich Bewohner benachteiligt. Anfang 1988 sprachen sich weiterhin mehr als 90 Prozent für eine Trennung aus. Der Gemeinderat beschloss im September 1988 einstimmig, die Auflösung zu beantragen. Die Landesverordnung vom 6. September 1989 trat am 1. Jänner 1990 in Kraft. Seitdem ist Lackendorf wieder eine selbständige Gemeinde. Die Wiederherstellung der Eigenständigkeit beendete eine knapp zwei Jahrzehnte lange gemeinsame Verwaltung mit den Nachbarorten.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
