UNTERFRAUENHAID KENNENLERNEN
Unterfrauenhaid, Wallfahrtsort und Liszts Taufkirche
Unterfrauenhaid ist eine Marktgemeinde im Bezirk Oberpullendorf am westlichen Ufer des Raidingbaches. Sie liegt an den Ausläufern des Ödenburger Gebirges und ist die einzige Ortschaft ihrer Gemeinde. 638 Menschen leben auf 10,97 Quadratkilometern (Stand 1. Jänner 2026).
Am Raidingbach
Unterfrauenhaid liegt am westlichen Ufer des Raidingbaches am Übergang zu den Ausläufern des Ödenburger Gebirges. Der Ortskern und die einzige Ortschaft der Marktgemeinde fallen zusammen. Der Marktstatus ist seit 1578 überliefert. In der Umgebung verbinden sich Bachlandschaft, landwirtschaftliche Flächen und der historische Kirchenstandort. Die Wallfahrtskirche bildet den markanten Mittelpunkt des Dorfs und ist eng mit der Geschichte der Gemeinde verbunden. Am Weg nach Raiding steht ein barocker Marienbildstock; „Maria auf dem Weinberg“ wurde 1996 von der Familie Larnsack gestiftet.
Urkunden und Landesgeschichte
1222 wurde Unterfrauenhaid als Villa Sancta Maria urkundlich erwähnt. Die Bezeichnung verweist auf die Marienverehrung, die den Wallfahrtsort bis heute prägt. Während der Magyarisierung war ab 1898 der ungarische Name Lók amtlich vorgeschrieben. Nach dem Ersten Weltkrieg kam das Burgenland 1921 zu Österreich. 1971 wurde Unterfrauenhaid mit Raiding und Lackendorf zur Großgemeinde verbunden; nach deren Auflösung erhielt der Ort mit 1. Jänner 1990 die Selbständigkeit als Marktgemeinde zurück. Die lange Markttradition und die politischen Veränderungen spiegeln unterschiedliche Ebenen der Ortsgeschichte: kommunale Rechte, staatliche Zugehörigkeit und die Rolle als Wallfahrtsort.
Wallfahrtskirche und Liszt-Taufbecken
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt geht auf die Zeit um 1200 zurück. Eine erste verlässliche Bezeugung als Wallfahrtsort stammt aus 1620. Im 15. Jahrhundert wurde die Kirche gotisch erweitert und mit einer Wehrmauer umgeben. Nach der Zerstörung von 1529 wurde der Ort wiederbesiedelt; 1660 erhielt der Sakralbau eine barocke Umgestaltung. Bei der Restaurierung 1980/81 wurden romanische Bauteile freigelegt. Franz Liszt wurde hier am 23. Oktober 1811 getauft, einen Tag nach seiner Geburt in Raiding. Das Taufbecken stammt aus dem späten 17. Jahrhundert. Kaplan Georg Mersich, Seelsorger von Raiding, taufte Franz. Sein Vater Adam war der erste Musiklehrer des Kindes und selbst Cellist im Esterházy-Orchester. 1820, als Neunjähriger, gab Franz erste öffentliche Konzerte in Ödenburg und Pressburg.
Keramikzeichen im Ortsraum
Das Pax-Mundi-Denkmal besteht aus fünf farbigen Keramiksäulen, die im Juni 2008 aufgestellt wurden. Schülerinnen und Schüler der Landesfachschule für Keramik und Ofenbau in Stoob gestalteten sie als Symbole der Kontinente. Die Säulen ergänzen die Friedensäule in der Feldgasse. Die keramischen Arbeiten verbinden regionale Gestaltung mit einem Friedensmotiv. Sie bilden eigenständige Orte im öffentlichen Raum und stehen neben, nicht innerhalb, der historischen Wallfahrtskirche. Am Ortsausgang Richtung Raiding steht der Ecce-Homo-Bildstock mit sitzendem Heiland und Dornenkrone; das Säulenrelief ist mit Weinranken verziert.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
