LUTZMANNSBURG KENNENLERNEN
Weinland an der Rabnitz
Lutzmannsburg ist eine Gemeinde im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland. Zwischen Weingärten, Grenzland und Sonnentherme liegt eine Gemeinde mit langer Weinbautradition und mittelalterlichem Erdstall. Auf 23,18 Quadratkilometern leben 843 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026).
Ebene, Fluss und Weingebirge
Lutzmannsburg liegt im südöstlichen Mittelburgenland in einer Ebene, die von der Rabnitz durchflossen wird. Im Ortsteil Strebersdorf münden Raidingbach und Stooberbach in den Fluss. Im Süden steigt das Lutzmannsburger Weingebirge als Ausläufer der Günser Berge an; im Osten reicht die Gemeinde bis an die ungarische Grenze. Diese Lage zwischen Landseer Bucht, Kleiner Ungarischer Tiefebene und Pannonischem Becken prägt Landschaft und Nutzung. Die Marktgemeinde besteht aus den Ortschaften Lutzmannsburg und Strebersdorf. Beide waren bis zur Zusammenlegung 1971 eigenständige Gemeinden und bilden bis heute eigene Katastralgemeinden.
Unterirdische Spuren und Grenzlage
2018 wurde beim Rückhaltebecken Zagersbach ein Erdstall vollständig freigelegt. Solche unterirdischen Anlagen bestehen aus Gängen und Kammern; der konkrete Zweck des Lutzmannsburger Befunds ist nicht abschließend geklärt. Der Fund liegt im Bereich des Ortsteils Lutzmannsburg und gehört zu den seltenen vollständig untersuchten Anlagen dieser Art in Österreich. Die Lage an der ungarischen Grenze prägte auch den jüngeren Alltag: Der Eiserne Vorhang schränkte Verbindungen nach Osten ein, und die Wirtschaft blieb lange auf Landwirtschaft und Weinbau ausgerichtet. Heute ist der frühere Grenzübergang nach Zsira für Fußgänger und Radfahrer passierbar.
Kirchen und historische Ortszeichen
Die katholische Pfarrkirche zum heiligen Veit steht am Standort einer früheren Komitatsburg; Wall und Graben sind stellenweise noch sichtbar. Der Kern der Kirche stammt aus dem späten 14. Jahrhundert, 1673 wurde sie barockisiert. Unterhalb der Kirche wurden Fundamente der Burg aus dem 12. oder 13. Jahrhundert mit wiederverwendeten römischen Steinquadern freigelegt. Die evangelische Pfarrkirche entstand 1846 bis 1848 als klassizistischer Bau. In Strebersdorf gab es schon vor 1275 eine Kapelle; nach einem Großbrand 1869 wurde die Filialkirche 1904 neu errichtet. Ein Pranger gehört ebenfalls zu den historischen Ortszeichen. In der katholischen Pfarrkirche Lutzmannsburg ist der Hochaltar neugotisch; Seitenaltäre und Kanzel stammen aus dem 18. Jahrhundert. Die Malerei am Kirchturm wurde 1974 nach historischen Vorlagen erneuert.
Thermalwasser und touristischer Aufschwung
An den Angerwiesen nahe der ungarischen Grenze wurde 1989/90 nach Thermalwasser gebohrt. Der Bau der Sonnentherme begann im Juni 1993; eröffnet wurde sie am 17. September 1994. Eine dritte Erweiterung war 2003 abgeschlossen. Die Anlage verfügt über 1.581 Quadratmeter Wasserfläche und umfasst insgesamt 44.367 Quadratmeter. Damit veränderte sich die lokale Wirtschaftsstruktur: Zwischen 1991 und 2001 stieg die Zahl der Arbeitsstätten von 25 auf 48, jene der Beschäftigten von 78 auf 227. 2001 arbeiteten 83 der Beschäftigten im Beherbergungs- und Gaststättenwesen, 68 in öffentlichen und persönlichen Dienstleistungen sowie 26 im Handel.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
