MARKTGEMEINDE · BURGENLAND

Lackenbach

Das Renaissancekastell, die frühere jüdische Gemeinde und das Mahnmal nahe dem ehemaligen Anhaltelager markieren zentrale Kapitel der Ortsgeschichte.

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Gemeindeamt in Lackenbach
Gemeindeamt in Lackenbach · Foto: Steindy · „Lackenbach Gemeindeamt“ · Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0 de · Für regionalinfo.at verkleinert und als AVIF komprimiert; kein zusätzlicher Zuschnitt. Weitergabe unter derselben Bildlizenz.
Einwohner
1 125
01.01.2026
Fläche
18,11 km²
Bevölkerungsdichte
62,1
Einwohner je km²
PLZ des Gemeindeamtes
7322
Keine vollständige PLZ-Liste

Datenquelle: STATISTIK AUSTRIA, Gemeindeverzeichnis 2026 · aufbereitet für regionalinfo.at.

LACKENBACH KENNENLERNEN

Schloss, jüdisches Erbe und Roma-Gedenken

Lackenbach ist eine Marktgemeinde im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland. Das Renaissancekastell, die frühere jüdische Gemeinde und das Mahnmal nahe dem ehemaligen Anhaltelager markieren zentrale Kapitel der Ortsgeschichte.

Wasserburg und Renaissancekastell

Das Schloss liegt im südöstlichen Teil Lackenbachs und war der wirtschaftliche, administrative und soziale Mittelpunkt der Herrschaft Lackenbach-Landsee. Erasmus Teuffl ließ die ehemalige Wasserburg zwischen 1548 und 1552 errichten; sie gilt als frühes Renaissancekastell der Region. Ein Arkadenhof bildet den Kern, Basteien und Wassergraben gaben der Anlage Festungscharakter. Im 16. Jahrhundert wurde der Bau unter Erzbischof Nikolaus Oláh erweitert, zu Beginn des 17. Jahrhunderts unter Nikolaus Graf Esterházy vollendet. Ein Brand 1806 zerstörte Teile der Anlage und führte zum heutigen hakenförmigen Grundriss. Das Hauptportal trägt die Bauinschrift von 1618 sowie die Wappen Esterházy und Dersffy. Der 16 Hektar große Schlossgarten mit altem Baumbestand ist als Naturdenkmal ausgewiesen. In den früheren Stallungen befindet sich das Museum „Der Natur auf der Spur“ zu Archäologie, Jagd, Wald, Holz und heimischen Wildtieren.

Jüdische Gemeinde und Siebengemeinden

Nach 1670/71 ließen sich in Lackenbach aus Wien vertriebene jüdische Familien nieder. Im 18. Jahrhundert gehörte der Ort zu den Esterházy’schen Siebengemeinden, die weitgehend eigene innerjüdische Verwaltung besaßen. 1869 lebten 770 jüdische Menschen in Lackenbach, 62 Prozent der Bevölkerung; 1934 waren es noch 346. Die Gemeinde verfügte über eine Synagoge, die 1942 gesprengt wurde. Eine eigene katholische Pfarrkirche erhielt Lackenbach erst 1962. Zuvor war die Schlosskapelle über Jahrhunderte religiöser Mittelpunkt der christlichen Bevölkerung. Der jüdische Friedhof blieb erhalten; mit 1.717 Grabsteinen ist er der größte jüdische Friedhof des Burgenlands. Er wird von der Gemeinde gepflegt und wurde in den 1990er- und 2010er-Jahren saniert.

Anhaltelager und Mahnmal für Roma und Sinti

Am 23. November 1940 richtete das NS-Regime in einem ehemaligen Gutshof in Lackenbach ein Anhaltelager für Roma und Sinti ein. Es war das größte Lager dieser Art auf österreichischem Gebiet. Rund 4.000 Menschen wurden dort interniert, darunter Frauen und Kinder; die Häftlinge mussten unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Im Herbst 1941 wurden etwa 2.000 Menschen in das Ghetto Łódź deportiert, von wo viele weiter in das Vernichtungslager Kulmhof gebracht wurden. Nur etwa 300 bis 400 Inhaftierte erlebten die Befreiung durch sowjetische Truppen im April 1945. Die Lagergebäude wurden in den 1970er-Jahren abgerissen. Am 6. Oktober 1984 wurde unweit des ehemaligen Lagergeländes ein Mahnmal errichtet; seit 1990 finden dort jährlich Gedenkfeiern statt. Ein Gedenkstein erinnert an den Standort des Lagers.

Kirche und sichtbare Ortsgeschichte

Die ehemalige Kapelle liegt in der Südostecke des Schlosses; ihr barocker Hochaltar zeigt den heiligen Nikolaus, die Flachdecke ist mit Malereien des 19. Jahrhunderts geschmückt. Der Schlosskomplex umfasst einen zweigeschossigen Hauptbau, Wirtschaftsgebäude und ein Verwalterstöckl. Eine Steinbrücke führt über den teilweise zugeschütteten Wassergraben zum Einfahrtstor. Der parkartige Vorhof wird von Arkadengängen und dem Schüttkasten geprägt. Die Wirtschaftsgebäude werden heute für Veranstaltungen genutzt.

Quellen und Belege

Stand der Angaben: 08.10.2026

GEOGRAFIE

Lackenbach auf der Karte

Gemeindegebiet · Stand 01.01.2026

Rot: aus amtlichen Gemeindegrenzen abgeleitet und für die Anzeige vereinfacht. Kartenhintergrund: basemap.at. Quellen und Methodik

GEMEINDE IN ZAHLEN

Einwohner im Zeitvergleich

StichtagEinwohner
31.10.2011 · Registerzählung1 099
31.10.2021 · Registerzählung1 158
01.01.2026 · Bevölkerungsstand1 125

Die Abstände zwischen den Stichtagen sind unterschiedlich. Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Gemeindeverzeichnis 2026.

Gebäude · 31.10.2021
557
NUTS-3-Region
Mittelburgenland (AT111)

ÜBER DIE GEMEINDEGRENZE HINAUS

Nachbargemeinden von Lackenbach

Nachbarschaft aus gemeinsamen Grenzabschnitten der amtlichen Geometrien abgeleitet. Reine Berührungspunkte und ausländische Gemeinden sind nicht enthalten.