NECKENMARKT KENNENLERNEN
Weinort mit Fahnenschwinger-Tradition
Neckenmarkt ist eine Gemeinde im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland. Weingärten, Grenzgeschichte und ein ungewöhnlicher Festbrauch geben der Marktgemeinde im Blaufränkischland ein eigenständiges Profil.
Weinlandschaft im Blaufränkischland
Neckenmarkt liegt im Mittelburgenland nahe Deutschkreutz und gehört zum Blaufränkischland. Reben und Ackerflächen prägen die Landschaft. Die Gemeinde umfasst neben Neckenmarkt auch Haschendorf. Die beiden Ortschaften bilden zugleich die Katastralgemeinden Neckenmarkt und Haschendorf. Haschendorf heißt auf Ungarisch Hasfalva und auf Kroatisch Hošindrof. Die benachbarten Gemeinden Deutschkreutz und Horitschon gehören ebenfalls zum Weinbaugebiet. Haschendorf und Neckenmarkt wurden mit Wirkung vom 1. Jänner 1971 zur heutigen Gemeinde zusammengelegt.
Grenzort mit langer Geschichte
Neckenmarkt gehörte bis 1920/21 zu Ungarn; 1921 kam der Ort zum neu geschaffenen Bundesland Burgenland. 1482 ist Neckenmarkt erstmals als Marktgemeinde urkundlich belegt. Während des Ersten Weltkriegs befand sich im Ort das Kriegsgefangenenlager Sopronnyék. 2006 wurde ein touristischer Grenzübertritt nach Harka eröffnet, den Fußgänger und Radfahrer nutzen können. Die Landwirtschaft bleibt bedeutend: 2010 wurden 153 landwirtschaftliche Betriebe gezählt, davon 40 im Haupterwerb. 2011 lebten 843 Erwerbstätige in Neckenmarkt. Davon arbeiteten 234 im Ort, 609 pendelten aus; 88 Personen kamen zum Arbeiten aus anderen Gemeinden. Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche entfiel auf die Haupterwerbsbetriebe. Die Nahversorgung umfasst eine Volksschule und einen Kindergarten; die B62 führt durch den Ort, der Bahnhof Deutschkreutz liegt rund zehn Kilometer entfernt. Archäologische Grabungen belegen auf dem Gemeindegebiet eine Siedlung der Linearbandkeramik aus der Zeit zwischen etwa 5450 und 5000 vor Christus. Die erste urkundliche Nennung von 1279 steht in einer Schenkung an das Zisterzienserkloster Marienberg; dieselbe Urkunde erwähnt eine Burg Eckendorf. Seit 1898 musste der Ort während der Magyarisierung den ungarischen Namen Nyék führen.
Fahne und Gemeinschaft
Das Fahnenschwingen ist der bekannteste Brauch Neckenmarkts. Es wird am Sonntag nach Fronleichnam, dem „Tag der Fahne“ oder Umgangssonntag, gepflegt. Die ledigen jungen Männer des Orts bilden die Burschenschaft, der die Fahne anvertraut ist. Die Vorbereitungen beginnen am Pfingstmontag; aus der Gruppe werden Fähnrich, Kommandant und weitere Funktionsträger gewählt. Am Vorabend wird beim ehemaligen Gemeindegasthaus ein Burschenbaum aufgestellt, eine besonders hohe Fichte aus dem Wald. Die als Kellner gewählten Vorsteher tragen einen mit Seidenbändern geschmückten Robisch-Stock, auf dem der Wirt die ausgeschenkten Getränke vermerkt. Die UNESCO-Kommission führt den Brauch als immaterielles Kulturerbe und verbindet ihn mit dem Einsatz der Bauernmilizen im Dreißigjährigen Krieg.
Kirchen, Museum und Weinbau
Zum kulturellen Erbe gehören die Pfarrkirche Neckenmarkt, die Filialkirche Haschendorf und die Weingartenkapelle des heiligen Donatus. Das Fahnenschwinger- und Weinbaumuseum widmet sich zwei Traditionen, die den Ort bis heute prägen. Auch das Haschendorfer Bronzegerät, ein bronzezeitlicher Fund, ist Teil der lokalen Erinnerung: Das Gerät ist 27,8 Zentimeter hoch, rund 41 Zentimeter breit und wiegt etwa 4,7 Kilogramm. Eine Replik steht am Fundort, das Original im Liszt-Ferenc-Museum in Sopron.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
