JAIDHOF KENNENLERNEN
Jaidhof – Waldämter und Schlossgeschichte
Jaidhof liegt auf der Hochfläche des Waldviertels nordwestlich von Gföhl. Die Gemeinde zählt 1.229 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 44,91 Quadratkilometer. Ihre Geschichte verbindet Waldnutzung, verstreute Siedlungen und das Schloss im Ortszentrum.
Rodungsland im Gföhlerwald
Die fünf amtlichen Ortschaften heißen Eisenbergeramt, Eisengraben, Eisengraberamt, Jaidhof und Schiltingeramt. Die Namen der Waldämter erinnern an Siedlungsgebiete, die nach und nach im Gföhlerwald entstanden. Jaidhofs Gemeindeseite erklärt den Namen als Ableitung vom mittelhochdeutschen „jeithof“, also Jagdhof. Ein Forsthaus diente demnach als Stützpunkt für Förster. Auch Eisengraben verweist laut Chronik auf frühere Wirtschaftszweige; in der Neuzeit wurden Waldflächen gerodet und besiedelt.
Vom „Jaedthoff“ zur Herrschaft
Die erste urkundliche Nennung Jaidhofs stammt aus dem Jahr 1381, damals als „Jaedthoff“. Das Schloss dürfte älter sein, doch die Gemeindechronik kennzeichnet eine Entstehung in der Babenbergerzeit ausdrücklich als Vermutung. Sicherer greifbar ist die Herrschaftsgeschichte: Schloss und Herrschaft Gföhl-Jaidhof wechselten mehrfach den Besitzer und waren zeitweise verpfändet. Die Pfandinhaber wohnten laut Schlossgeschichte nicht vor Ort; der Bau verfiel in dieser Phase. Die Gemeinde nennt Jaidhof außerdem als früheren Sitz des Landesgerichts der Herrschaft Gföhl-Haid.
Umbauten über drei Jahrhunderte
Nach 1662 begann eine intensive Ausbauphase, als Georg Ludwig Graf von Sinzendorf die Herrschaft Gföhl samt Schloss erwarb. Um 1800 folgten weitere Um- und Neubauten. Georg Freiherr von Sina kaufte das Gut 1834. Wilhelm Ritter von Gutmann erwarb es 1884 und beauftragte den Architekten Max Ferstel mit dem Umbau. Max Ritter von Gutmann führte die baulichen Umgestaltungen um 1900 zu Ende. Die klassizistische Fassade und die heutige Gestalt gehen wesentlich auf diese späteren Bauphasen zurück.
Schloss im 20. Jahrhundert
Zwischen 1938 und 1945 diente das Schloss als Gauschulungsburg, Umsiedlungslager und Kaserne; nach Kriegsende war die sowjetische Besatzungsmacht dort einquartiert. Die Gutsherrschaft bewohnte es noch bis 1970. 1985 verpachtete Eigentümerin Rosa Gutmann das Anwesen an die Priesterbruderschaft St. Pius X.; nach ihrem Tod 2003 ging es in deren Besitz über. Heute hat die Bruderschaft hier ihren Sitz. Die Priesterbruderschaft nutzt das Schloss als Haus für Veranstaltungen, Kinderlager und Exerzitien; für Oktober 2026 kündigt sie dort einen Gregorianikkurs an. Der Museumsverein „Altes Eishaus“ widmet seine Sammlung dem Schloss, der Familie Gutmann und dem Leben in herrschaftlicher Zeit; Besuche erfolgen nach Anmeldung.
Kapelle und Gemeindewappen
In Eisengraben steht die älteste der sechs Ortskapellen im Pfarrbereich Gföhl, die als Gemeindebetshaus errichtet wurde. Kirchenmaler Andreas Strickner gestaltete ein Fresko über dem Altar; ein Blitz zerstörte 1936 das Kreuz über der Apsis. Innenrenovierung, neue Glocke und spätere Dacharbeiten folgten in den Jahrzehnten danach. Die Kapelle wird für Andachten in der Fastenzeit und im Mai sowie für Betstunden bei Todesfällen genutzt. Das gold-grüne Gemeindewappen erhielt Jaidhof 1991. Es zeigt eine Zinnenmauer, einen springenden Hirsch und zwei Garben.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Jaidhof – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Gemeinde Jaidhof – Chronik
- Gemeinde Jaidhof – Schloss Jaidhof
- Gemeinde Jaidhof – Heimatmuseum Altes Eishaus
- Gemeinde Jaidhof – Kapelle Eisengraben
- Gedächtnis des Landes – Jaidhof
- Priesterbruderschaft St. Pius X. – Distrikt Österreich
- Priesterbruderschaft St. Pius X. – Gregorianikkurs im Schloss Jaidhof 2026
Stand der Angaben: 08.10.2026
