LENGENFELD KENNENLERNEN
Lengenfeld – Burgberg und Weinbau
Lengenfeld liegt nördlich von Krems im Übergang zum Waldviertel. Die Marktgemeinde hat 1.399 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und ist 15,01 Quadratkilometer groß. Sie gehört zum Bezirk Krems-Land und umfasst eine Katastralgemeinde.
Am Utschabach und unter der Burg
Der Ortskern entwickelte sich zwischen dem Tal des Utschabaches und dem Hügel südlich des Dorfes, auf dem eine befestigte Burg stand. Mit der Nennung „Lenginvelt“ 1133/38 setzt nach Darstellung des Gemeinde-Heimatbuchs eine intensivere Besiedlung ein. Auf dem Kirchenhügel war wenig Raum für weiteres Wachstum; Häuser entstanden daher entlang der Bachsenke und vom alten Schloss in Richtung Gföhl. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts war die Ortsbildung weitgehend abgeschlossen: 1590 verzeichnete Lengenfeld 158 Häuser. Die heutigen Kellergassen bewahren Spuren dieser Siedlungsentwicklung. Drei- und Vierseithöfe sowie Haken- und Zwerchhöfe prägen die ländliche Bausubstanz.
Adelige, Landesfürsten und Jesuiten
Die Herren von Lengenfeld sind ab 1140 in Göttweiger Urkunden bezeugt; um 1378 kam das Gut an die Familie Schad. Zwischen 1590 und 1620 besaßen die Herren von Friedesheim Ortsobrigkeit und Marktgerichtsbarkeit. Das Landgericht Krems war bis 1602 zuständig; dann erwarben die Friedesheimer auch dieses Gericht, das bei ihnen und ihren Nachfolgern blieb. Von 1620 bis 1622 lag die Obrigkeit beim Landesfürsten, anschließend bis 1773 beim Jesuitenkollegium in Krems. Danach übernahm wieder der Landesfürst, ehe die Freiherren von Summerau-Ulm-Erbach von 1808 bis 1848 folgten. Der Markt gehörte mit seinem Waldbesitz zugleich zum Landgericht Gföhl.
Weinbau seit dem Mittelalter
Die erste urkundliche Erwähnung des Lengenfelder Weinbaus stammt aus 1171. Landwirtschaft und Forstwirtschaft sicherten früher den Lebensunterhalt, während Weinbau und Viehzucht zunächst ähnlich gewichtet waren. Die Kellergassen gehören zur gebauten Landschaft des Weinorts. Auch die Herrschaftsgeschichte ist mit Weingärten verbunden: 1312 wurden mehrere Weingärten und Hofstätten in Lengenfeld als Melker Lehen verkauft.
Vom Burgbenefizium zur Pfarrkirche
Die Pfarrkirche zum heiligen Pankratius geht der Überlieferung nach auf eine Hauskirche neben dem festen Haus der Herrschaft zurück. Wahrscheinlich gab es diese Burgkapelle schon um die Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert. Mitte des 13. Jahrhunderts kam eine Marienkapelle als nördlicher Anbau hinzu, gegen Ende des Jahrhunderts eine Johanneskapelle im Süden. Die Kirche diente zunächst als Filiale der Mutterpfarre Krems, auch für Mittelberg. Diese Filialfunktion ermöglichte kirchliche Begräbnisse im Ort. Im 14. Jahrhundert wurde Lengenfeld zum Vikariat mit vollem Pfarrrecht; umfangreiche Um- und Zubauten gaben dem Gotteshaus sein heutiges Erscheinungsbild.
Markt und Schule
Seit 1850 besteht Lengenfeld als Ortsgemeinde. Der ehemalige Friedhofskarner wurde bereits 1541 zum Schulhaus umgebaut. Das heutige Volksschulgebäude wurde am 15. November 1904 eingeweiht. 1984 bestätigte man das Wappenrecht und kodifizierte das Wappen neu, um die Aufbauleistung seit 1945 zu würdigen. Das von der Gemeinde 1984 veröffentlichte Heimatbuch sammelte die örtliche Geschichte anlässlich der 850-Jahr-Feier der ersten urkundlichen Nennung.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Lengenfeld (Niederösterreich) – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Marktgemeinde Lengenfeld – Geschichte von Lengenfeld
- Diözese St. Pölten – Pfarrgeschichte Lengenfeld
- Marktgemeinde Lengenfeld – Marktgeschichte
- Marktgemeinde Lengenfeld – Herrschaftsgeschichte
Stand der Angaben: 08.10.2026
