HOHENRUPPERSDORF KENNENLERNEN
Hohenruppersdorf: Wehrdorf, Schenkhaus und Weinberge
Hohenruppersdorf liegt im östlichen Weinviertel im Bezirk Gänserndorf. Die Marktgemeinde zählt 945 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 21,37 Quadratkilometer. Der mittelalterlich geprägte Marktplatz, die barocke Pfarrkirche und die Kellerrouten führen durch ein Dorf, dessen Geschichte eng mit Weinbau und Militärquartieren verbunden ist.
Angerdorf mit Marktprivilegien
Die Gemeinde beschreibt Hohenruppersdorf als wehrhaftes Angerdorf des 11. Jahrhunderts. Zugeschüttete Mauerreste rund um den Kirchenplatz und Bauteile einer romanischen Kirche gelten als Hinweise auf eine frühe Besiedlung. Im landesfürstlichen Urbar des 13. Jahrhunderts sind mehr als 50 bäuerliche Ansitze verzeichnet, außerdem Äcker, Weiden, Weingärten und Wald. Mehrere Grundherrschaften teilten den Besitz; den größten Anteil hielten die Babenberger. 1324 ist der Ort bereits Markt; zu den Privilegien zählten ein Verbot adeliger Ansiedlung im Burgfrieden und das Recht, den Richter aus der Bürgerschaft zu wählen. Zwei Wege und Entwässerungsgräben gliederten den Marktplatz; vier Ortsausfahrten ließen sich mit Falltoren schließen. Die Marktanlage blieb Mittelpunkt des Ortsgefüges.
Kirchplatz mit romanischem Kern
Die Pfarrkirche zum heiligen Kreuz wurde 1788 bis 1790 im Bereich einer älteren Wehrkirchenanlage errichtet. Ihr Turm bewahrt einen mittelalterlichen Kern. Unterhalb des Friedhofsniveaus liegt die romanische Radigundus-Kapelle mit Karner; sie ist im Kirchenfriedhof erhalten. Der frühere Sakralplatz war von Mauern und Gräben umgeben. Am Hauptplatz setzt die Dreifaltigkeitssäule von 1713 einen eigenen Akzent. Neben dem Kriegerdenkmal stand bis 1921 der Pranger als Zeichen der örtlichen Gerichtsbarkeit. Die Pfarrkirche überragt den Ortskern von ihrer erhöhten Lage aus und ist entlang des Hauptradwegs Nr. 7 sichtbar.
Schenkhaus und Soldatenbuch
Das alte Rat- und Schenkhaus wurde 1613 neu errichtet. Sein Turm trug bereits eine Glocke; ebenerdig lag eine kleine Gaststube, im ersten Stock ein größerer Raum, der auch für Gemeindezwecke genutzt wurde. Eine Wohnung für den Syndikus und Räume für Marktrichter und Rat ergänzten das Haus. Nach einem Brand 1725 verzeichnet eine Rechnung von 1729 Ausgaben für Kalk und Dachschindeln. Der Neubau von 1739 gab Rathaus und Wirtshaus die barocke Fassade, die nach einer Generalsanierung 1999 wiederhergestellt wurde. Bei Einquartierungen wohnten Offiziere im Schenkhaus. Ein 1686 begonnenes Soldatenbuch hält Abläufe und Belastungen dieser Quartiere fest; die letzten großen Einquartierungen betrafen französische Truppen 1805 bis 1809 und Preußen 1866.
Hohlwege, Pestsäule und Weingärten
Der Hauptradweg Nr. 7 quert das Gemeindegebiet auf dem erhöhten Rothenpüllenweg. Über das Wiederkehr-Kreuz von 1924 und den Esberger-Kreuzweg gelangt man zur Stur-Kapelle von 1873; von dort reicht der Blick bei guter Sicht bis zu den Leiser Bergen und zum Schneeberg. An der Bahnstraße steht die 1517 aus Sandstein errichtete Pestsäule. Die etwa 8,5 Kilometer lange Bäck-Hohlweg-Route führt am Marterl „Zum Weißen Kreuz“ vorbei. Auf dem Rückweg durch den Kirchpüllenweg passiert man Friedhof, Kirche und Schule und erreicht wieder den Marktplatz. Hohlwege schneiden die Löss- und Weinberghänge ein.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Hohenruppersdorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Hohenruppersdorf - GEM2GO WEB - Startseite
- Marktgemeinde Hohenruppersdorf – Geschichte
- Marktgemeinde Hohenruppersdorf – Rathaus und Schenkhaus
- Marktgemeinde Hohenruppersdorf – NÖ Hauptradweg Nr. 7
- Marktgemeinde Hohenruppersdorf – Bäck-Hohlweg-Route
Stand der Angaben: 08.10.2026
