GAWEINSTAL KENNENLERNEN
Gaweinstal: Vom Handelsort zur Marktgemeinde
Gaweinstal liegt an der historischen Verbindung zwischen Wien und Brünn. Die Marktgemeinde umfasst sechs Ortschaften und 51,70 Quadratkilometer. Im Weinviertler Hügelland liegt sie rund 25 Kilometer nordöstlich von Wien. Am 1. Jänner 2026 hatte sie 4.088 Einwohner.
Gaunersdorf an der Kaiserstraße
Der Ort wurde 1236 als „Gunestorf“ erwähnt; der Name dürfte auf einen Gründer namens Guni zurückgehen. 1360 bestätigte Rudolf IV. dem Markt ältere Rechte und Freiheiten. Anders als viele Nachbarorte lebte Gaunersdorf stärker vom Warenhandel als von der Landwirtschaft. Die sogenannte Schlesische Straße, ab 1732 Kaiserstraße und heute Brünner Straße, führte von Wien über Gaunersdorf nach Brünn, Schlesien und weiter nach Osten. Mit dem Bau der Nordbahn ab 1839 verlagerte sich der Güterverkehr zunehmend auf die Schiene, wodurch die Fernstraße einen Teil ihrer wirtschaftlichen Bedeutung verlor.
Ein Name für sechs Orte
Markt-, Aigen- und Wieden-Gaunersdorf schlossen sich am 1. Jänner 1901 zur Marktgemeinde zusammen; der Gemeinderat entschied mit nur einer Stimme Mehrheit. 1902 erfolgte der erste Spatenstich für die Lokalbahn nach Gänserndorf, die 1903 eröffnet wurde. 1906 folgte die Landesbahn nach Mistelbach. 1914 scheiterte ein Antrag auf die Namen Schottenkirchen oder Rudolfsthal. 1917 erhielt der Ort auf Vorschlag des Pfarrers Konstantin Vidmar den Namen Gaweinsthal; später wurde die Schreibweise zu Gaweinstal angepasst. Seit 1972 gehören Atzelsdorf, Gaweinstal, Höbersbrunn, Martinsdorf, Pellendorf und Schrick zur Großgemeinde. Die Bahnverbindung nach Mistelbach wurde 1987 eingestellt, jene nach Großschweinbarth 2004.
Kirchenplatz und Pfarrhof
Die Pfarrkirche besitzt einen 41 Meter hohen Turm mit Zwiebelhelm; eine Kirche am Ort ist 1278 erstmals schriftlich belegt. Seit 1280 betreuen Priester des Wiener Schottenstifts die Pfarre. Der Hochaltar aus Salzburger Marmor wurde 1718 vom Postmeister Lettner gestiftet, die Orgel stammt aus 1749. Der zweigeschoßige Pfarrhof ist ein Vierflügelbau des 18. Jahrhunderts. Seine Sanierung begann 2007 in mehreren Bauabschnitten; im Festsaal konnten die Stuckdecken restauriert werden. Am Kirchenplatz ergänzt das 1895 als Jubiläumsschule errichtete Gebäude das Ensemble: Nach seiner Nutzung als Schule dient es seit 2007 als Gemeindeamt. Am Kirchenplatz öffnete am 28. Jänner 2010 ein sechsgruppiger Landeskindergarten.
Pellendorf und sein Schloss
Pellendorf wurde 1257 urkundlich erwähnt. Aus dem 1319 gegründeten Schloss sind der Ostflügel und der Schüttkasten erhalten. Das Schloss wurde zur Gutsverwaltung; der Meierhof gegenüber bot vor der Mechanisierung vielen Ortsbewohnern und Saisonarbeitern Beschäftigung. Einige Arbeiter ließen sich dauerhaft nieder und bauten westlich des Dorfes kleine Häuser, die als „Häusln“ bekannt wurden. Eine Orgel, die 1912 nach Spenden aus der Bevölkerung binnen einer Woche aufgestellt worden war, prägte das musikalische Leben. Die Pfarrkirche wurde 1945 im Beschuss beschädigt und noch im selben Jahr wiederhergestellt. Schloss und Kirche stehen neben der Johannes-Nepomuk-Statue, die 1750 errichtet und 2002 renoviert wurde.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Gaweinstal – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
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Stand der Angaben: 08.10.2026
