JEDENSPEIGEN KENNENLERNEN
Jedenspeigen: Schloss und Schlachtfeld an der March
Die Marktgemeinde Jedenspeigen liegt im Bezirk Gänserndorf an der March. Sie zählt 1.109 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 23,22 Quadratkilometer. Schloss, Kellergassen und das Heimatmuseum im Ortsteil Sierndorf erschließen unterschiedliche Kapitel der Ortsgeschichte.
Siedlungen am Rand der Marchauen
Archäologische Fundstellen am westlichen Rand des Augebiets reichen von der Jungsteinzeit über Bronze- und Eisenzeit bis in jüngere Epochen. Die Gemeindechronik ordnet den heutigen Standort Jedenspeigens einer Besiedlung in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts zu; 1113 erscheint der Name Hiedungispuigun im Klosterneuburger Traditionsbuch. Die Pfarrkirche ist 1179 erstmals schriftlich belegt. Sierndorf wird 1233 als Syndorf genannt. Beide Ortsnennungen beziehen sich auf Siedlungen westlich der Marchauen am Übergang zum Hügelland.
Burg, Schloss und Herrschaft
Eine Burg in Jedenspeigen ist 1296 urkundlich belegt. Nach der Zerstörung im Jahr 1441 wechselten die Herrschaftsbesitzer. Georg Seyfried von Kollonitsch erwarb den Besitz 1583 und ließ die Anlage bis 1600 zum Schloss ausbauen. Das heutige Gebäude zeigt einen rechteckigen, zweigeschoßigen Baukörper mit Wassergraben. Teile des Mauerwerks bestehen aus Stein und Ziegel; spätmittelalterliche Elemente wie der hoch liegende Zugang und ein Raum im Untergeschoß erinnern an die ältere Befestigung. Über dem Portal befindet sich das Wappen der Familie Kollonitsch. Nach deren Aussterben kamen Schloss und Gut 1879 an die Erzdiözese Wien. Die Gemeinde kaufte das Schloss 1985 und adaptierte Räume für Ausstellungen und Veranstaltungen.
Die Schlacht am Marchfeld
Am 26. August 1278 kämpften die Heere Rudolfs von Habsburg und Ottokars II. von Böhmen zwischen Jedenspeigen und Dürnkrut. Die Niederlage Ottokars stärkte den Aufstieg der Habsburger in Mitteleuropa. Ein Gedenkstein erinnert seit 1978 an die Schlacht; er steht im Grenzbereich zwischen den Gemeinden Jedenspeigen und Dürnkrut. Im Schloss behandelt die Ausstellung „Schlacht und Schicksal“ das militärische Geschehen und seine Folgen. Das Konzept wurde 2019 mit interaktiven Modulen und zusätzlichen Exponaten erneuert. Ein weiteres Ausstellungsthema ist die Kellerarchitektur Mitteleuropas, das gemeinsam mit dem Weinmuseum in Pezinok entwickelt wurde. Die Räume im vorderen Schlossbereich wurden für die Präsentationen und die Schlossvinothek umgestaltet.
Sierndorf: Funde und Volkskultur
In Sierndorf an der March richtete der frühere Schuldirektor Alfred Schultes 1964 im Volksschulgebäude eine urgeschichtliche Sammlung ein. Nach dem Ende des Schulbetriebs wurde sie 1976 als Urgeschichtssammlung und Heimatmuseum eröffnet. Die Ausstellung umfasst Funde aus der Region sowie die Geschichte und Volkskultur des Dorfes, darunter das ländliche Leben des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sierndorf war außerdem bereits 1650 als Wallfahrtsort bekannt. Während der Kuruzzen-Einfälle zu Beginn des 18. Jahrhunderts suchte die Bevölkerung laut Gemeindechronik Schutz in den Erdställen, engen unterirdischen Gängen, von denen Teile erhalten sind. Die Pfarrkirche in Sierndorf und die Papstkapelle von 1983 ergänzen die örtlichen Erinnerungsorte.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Jedenspeigen – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Marktgemeinde Jedenspeigen – Geschichte
- Marktgemeinde Jedenspeigen – Schloss Jedenspeigen
- Marktgemeinde Jedenspeigen – Projekt Heritage SK-AT
- Marktgemeinde Jedenspeigen – Ausstellungen im Schloss
- Marktgemeinde Jedenspeigen – Heimatmuseum Sierndorf an der March
Stand der Angaben: 08.10.2026
