LEOPOLDSDORF IM MARCHFELD KENNENLERNEN
Leopoldsdorf im Marchfeld: Schlossgeschichte und Rübenindustrie
Leopoldsdorf im Marchfeld ist eine Marktgemeinde im Bezirk Gänserndorf. Sie umfasst 28,95 Quadratkilometer und hatte am 1. Jänner 2026 insgesamt 3.043 Einwohnerinnen und Einwohner.
Zwei Katastralgemeinden im Marchfeld
Die Marktgemeinde setzt sich aus den Katastralgemeinden Leopoldsdorf im Marchfeld und Breitstetten zusammen. Breitstetten liegt im Süden des Gemeindegebiets und ist stärker landwirtschaftlich geprägt; Leopoldsdorf entwickelte sich zu einem zentralen Ort mit Schulen, Gewerbe und Versorgungseinrichtungen. Die Katastralgemeinde Leopoldsdorf umfasst 17,24 Quadratkilometer, jene von Breitstetten 11,71 Quadratkilometer. Die amtliche Ortschaft Leopoldsdorf umfasst auch Kempfendorf, eine im 18. Jahrhundert entstandene Erweiterung des älteren Ortskerns. Breitstetten besitzt einen eigenen historischen Ortskern und eine eigene Vereinsgeschichte.
Lehen, Schloss und Pfarrkirche
Leopoldsdorf ist seit dem 12. Jahrhundert mehrfach urkundlich belegt; 1246 erwähnte der Minnesänger Tannhäuser einen Besitz Liupolzdorf nahe Lassee. Im Spätmittelalter war der Ort Herrensitz. Ein älteres Jagdschloss zerstörten schwedische Truppen 1645; Ferdinand Jakob von Welz ließ 1648 einen frühbarocken Neubau errichten. Unter den Freiherren von Kempf wurde später Kempfendorf angelegt und das Schloss umgebaut. Die Michaeli-Kirche ging der heutigen Pfarrkirche voraus; Leopoldsdorf wurde 1734 eine eigene Pfarre. Der heutige barocke Kirchenbau entstand ab 1771 unter Margarita Freiin von Kempf. Das Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Rüben, Fabrik und Wohnbau
Die Zuckerfabrik prägte Leopoldsdorf mehr als ein Jahrhundert. Sie nahm 1902 den Betrieb auf und veränderte den Ort von einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zu einem Industriestandort. Für Beschäftigte ließ die Werksleitung Dienstwohnungen errichten; damit entstanden Arbeits- und Wohnmöglichkeiten auch für Menschen aus umliegenden Orten. Die Gemeinde beziffert die tägliche Rübenverarbeitung in der letzten Betriebsphase auf mehr als 16.000 Tonnen, gegenüber 1.200 Tonnen im Jahr 1925. AGRANA beschloss am 12. März 2025 die Schließung des Werks; der Betrieb endete nach 123 Jahren. Nach Angaben der Gemeinde waren 120 Beschäftigte unmittelbar betroffen, hinzu kamen saisonale Arbeitskräfte und ausgelagerte Dienstleister.
Breitstetten: Kirche, Felder und Vereine
Breitstetten ist 1280 als „Praitstetten“ belegt und gehörte zur Herrschaft Orth. Bis 1784 war der Ort kirchlich eine Filiale von Orth; unter Joseph II. wurde er zur selbständigen Pfarre. Auch die dortige Anna-Kirche hat damit eine eigene Ortsgeschichte neben der Leopoldsdorfer Pfarrkirche. Ein Donauhochwasser suchte Breitstetten 1830 heim. Die Feldkommassierung von 1912 ordnete die landwirtschaftlichen Flächen neu und galt für die überwiegend agrarisch geprägte Katastralgemeinde als wichtige wirtschaftliche Veränderung. Zu den traditionsreichen Vereinen zählen die Jagdgesellschaft, gegründet 1848, die Freiwillige Feuerwehr von 1897 und der 1924 gegründete Musikverein. Die frühere Volksschule beherbergt heute den Kindergarten. Am ehemaligen Bahnhofsgelände zeigt das Dampfmaschinenmuseum Maschinen aus Industrie und Landwirtschaft, Stationärmotoren und Traktoren. Auf den Gleisen steht eine alte Lokomotive; eine Gaststube bewahrt ihre Einrichtung von 1907.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Leopoldsdorf im Marchfeld – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Marktgemeinde Leopoldsdorf im Marchfeld – Geschichte und Zahlen
- KG Leopoldsdorf im Marchfeld – Marktgemeinde Leopoldsdorf
- KG Breitstetten – Marktgemeinde Leopoldsdorf
- Schließung der Zuckerfabrik Leopoldsdorf – Marktgemeinde Leopoldsdorf
- Freizeiteinrichtungen & Museen – Marktgemeinde Leopoldsdorf
- Dampfmaschinenmuseum Breitstetten | Museumsmanagement Niederösterreich
Stand der Angaben: 08.10.2026
