GROSSENGERSDORF KENNENLERNEN
Großengersdorf: Zwischen Mühle und Rußbach
Großengersdorf liegt im südlichen Weinviertel am Rand des Marchfelds. Am 1. Jänner 2026 zählte die Marktgemeinde 1.578 Einwohner; ihr Gebiet umfasst 15,57 Quadratkilometer. Der Rußbach begleitet den Ort und seine Wege durch die offene Feldlandschaft.
Erste Erwähnung und Marktrecht
Im Klosterneuburger Salbuch erscheint Großengersdorf 1114 erstmals: Bernhard von Engilrichesdorf wird als Zeuge einer Schenkung genannt. Der Ortsname geht wahrscheinlich auf den Personennamen Engilrich zurück; spätere Urkunden schreiben 1263 Engelreichsdorf und 1368 Engelsdorf bei Pockfließ. Großengersdorf unterstand dem Landgericht Marchegg; einzelne Güter gehörten zur Herrschaft Traun. Das Marktrecht erhielt der Ort 1868. 1983 verlieh das Land ein Wappen mit silberner Lyra, goldenen Ähren und Weintrauben. Die Bildzeichen nehmen auf Musik, Ackerbau und Weinbau Bezug.
Kirche, Pfarre und Schule
Eine vermutlich hölzerne Kirche bestand vor 1339. 1372 beschlossen die Bewohner, einen Rektor für die Filialkirche zu besolden, der zugleich Mesner, Chorleiter und Schulmeister war. Großengersdorf blieb zunächst Filiale von Pillichsdorf und wurde 1784 zur selbständigen Pfarre. Das erste Schulhaus entstand 1807. Während des französischen Einfalls 1809 wurde die Kirche geplündert. Ein größerer Schulbau ersetzte das erste Haus 1892. 1899 begann ein neogotischer Umbau, der den gotischen Chor und den mächtigen Nordturm bewahrte; 1901 waren die Arbeiten abgeschlossen. Der Kirchturm erreicht 42 Meter. Die Pfarre hält die Kirche tagsüber geöffnet.
Die alte Dorfmühle als Museum
Die ehemalige Dorfmühle in der Neustiftstraße wurde um 1900 als dreistöckiges Gebäude errichtet; urkundlich erwähnt ist sie bereits 1618. Die Gemeinde kaufte sie 1997 und ließ sie mit freiwilliger Hilfe revitalisieren. Das Museum zeigt in sechs Räumen zehntausende Exponate zur Landwirtschaft, zum Handwerk und zum dörflichen Leben. Der Sammlungsgrundstock geht auf Altbürgermeister Josef Rögner zurück; über seinen Vater und vier weitere Generationen reicht er bis 1755. Im Erdgeschoss stehen Geräte des Weinbaus aus dem 19. Jahrhundert; darüber folgen Werkzeuge und frühe Maschinen des Ackerbaus. Im Keller sind technische Geräte ausgestellt. Der zweite Stock widmet sich 30 Handwerksbetrieben; darüber folgen Jagd, Schule, Gemeindeamt, Haushalt, Kirche und Wirtshaus. Ein Teil des Hauses dient als Kulturraum, ein weiterer als Jugendzentrum. Besuche sind nach vorheriger Terminvereinbarung möglich.
Spaziergänge am Rußbach
Der Biotop-Rundgang beginnt beim Bahnhof, ist 4,5 Kilometer lang und dauert etwa eine Stunde und 15 Minuten. Er führt am Sportplatz vorbei zu einer Brücke. Von dort verläuft ein Pfad auf dem Wasserschutzdamm mit Blick ins Biotop; eine Variante folgt dem Rußbach bis zu seiner Einmündung. Der Rußbach-Wanderweg misst 6,5 Kilometer und ist mit einer Gehzeit von einer Stunde und 45 Minuten angegeben. Vom Ortsrand führt er zur Lourdeskapelle und weiter auf oder neben dem Damm bis zur Brücke nahe dem Pillichsdorfer Sportplatz. Eine 8er-Schleife verbindet außerdem Kellergassen, Wälder, Wiesen und Äcker. Am Stallberg führt sie am Wasserreservoir vorbei; die Runde ist auch mit einem geländegängigen Kinderwagen möglich.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Großengersdorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Geschichte – Marktgemeinde Großengersdorf
- Großengersdorf – Gedächtnis des Landes
- Museum für Dorfkultur Großengersdorf – Museumsverein
- Wanderwege – Marktgemeinde Großengersdorf
- Pfarre Groß-Engersdorf – Erzdiözese Wien
- Kirche Maria Himmelfahrt – Die Lebenszeit Weinviertel
Stand der Angaben: 09.10.2026
