NEUTAL KENNENLERNEN
Vom Ofenmaurerdorf zum Technologiestandort
Neutal ist eine Gemeinde im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland. Neutal im Stooberbachtal erzählt von einer besonderen Bauhandwerkstradition und dem Wandel zu einem modernen Arbeitsort.
Ein Ort im Stooberbachtal
Neutal liegt im Stooberbachtal und ist die einzige Ortschaft der Gemeinde. Das Gemeindegebiet umfasst auch den Siedlungsbereich Schwabenhof, der 1931 eingemeindet wurde. Das Tal verbindet den Ort mit den Nachbargemeinden und prägt die Landschaft aus Feldern, Wiesen und bewaldeten Höhen. Wanderwege erschließen die Umgebung. Der Neutaler Hotter enthält Raseneisenerz (Limonit); beiderseits der Straße nach Markt Sankt Martin liegen Spuren hallstattzeitlicher Besiedlung.
Die Ofenmaurer aus Neutal
Seit dem späten 19. Jahrhundert war Neutal ein Zentrum der Kamin- und Kesselmaurer. Spezialmaurer aus dem Ort und seiner Umgebung errichteten während der Industrialisierung Kamine und Kessel in ganz Österreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeiteten viele von ihnen auch in anderen europäischen Ländern und kleideten Stahl- und Ringöfen mit feuerfesten Steinen aus. Diese besondere Handwerkstradition wurde 2010 in das österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Das Museum für Baukultur, die muba, dokumentiert die Arbeit und das Wissen der Ofenmaurer. Damit bewahrt Neutal eine regionale Berufsidentität, die weit über den Ort hinaus wirkte. Das Museum wurde vom Verein „Stein auf Stein“ errichtet und am 22. Mai 2005 eröffnet. Das Gebäude war ursprünglich ein Bauernhaus, an das über längere Zeit angebaut worden war. Ein Kamin im Außenbereich und im Gemeindewappen verweist auf die Feuerungsmaurer. Das Bauarchiv sammelt Arbeitsgeräte, Alltagsgegenstände und historische Ziegel; Hörstationen erzählen aus dem Leben der Bauarbeiter und ihrer Familien.
Von der Siedlung zum Industrieort
Die erste urkundliche Nennung Neutals stammt aus dem Jahr 1270; der Ort erscheint damals als „Villa Geotan“. Das Industriegebiet entstand ab 1975 mit der Ansiedlung der Firma Pfnier & Co. Das Burgenländische Schulungszentrum zur Fachkräfteausbildung nahm 1976 seinen Sitz in Neutal. 1977 folgte ein Werk der Brown, Boveri Werke; nach der Fusion mit ASEA wurde es 1988 in ABB umbenannt und 1998 verkauft. Heute fertigt der Standort unter dem Namen SAM Metall- und Schaltanlagen. Das Metallbauunternehmen MAT begann 1979 mit dem Betrieb und arbeitet im Metall-, Stahl- und Fassadenbau. Die Burgenland Schnellstraße S31 verbesserte die Anbindung der Gewerbeflächen. Bereits 1960 musste die frühere Barockkirche dem Ausbau der Bundesstraße weichen; der neu gestaltete Kirchenplatz wurde 1996 eröffnet. Damit stehen frühe Siedlungsgeschichte, Straßenbau und die schrittweise Entstehung des heutigen Industriestandorts nebeneinander.
Kirche, Wege und Freizeit
Die katholische Pfarrkirche ist Mariä Namen geweiht. Der Marterlwanderweg verbindet religiöse Kleindenkmäler und führt durch die Kulturlandschaft. Für Freizeit und Sport stehen Waldbad, Kletterhalle, Tennisplätze und Beachvolleyball zur Verfügung. Auf der früheren Bahntrasse verläuft die Draisinentour: Besucher bewegen pedalbetriebene Schienenfahrzeuge auf den Gleisen. Der Jubiläumsradweg ist ein davon getrenntes Angebot für gewöhnliche Fahrräder. Diese unterschiedlichen Verkehrsformen nutzen dieselbe Tallandschaft, folgen aber eigenen Wegen und Betriebsweisen. Das Waldbad besitzt eine Wasserrutsche und einen Springturm; außerdem gehören Street-Soccer-Anlage, Fußballplatz und Abenteuerspielplatz zu den örtlichen Sport- und Freizeitstätten.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
