ST. GEORGEN IM LAVANTTAL KENNENLERNEN
St. Georgen: Burg, Steinbruch und Wehrkirche
St. Georgen im Lavanttal ist eine Gemeinde im Bezirk Wolfsberg. Sie zählt 1.892 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 72,38 Quadratkilometer.
Zwischen Lavant und Koralpenhang
Vom Talboden der Lavant steigt das Gemeindegebiet an die Hänge der Koralpe. Der Hauptort St. Georgen liegt südlich von Wolfsberg; sieben Katastralgemeinden umfassen 21 Ortschaften und verstreute Weiler. Die Landschaft verbindet bewirtschaftete Tallagen mit Wäldern und Höhenrücken.
Marmor für römische Bauwerke
Auf dem oberen Steinberg in rund 900 Metern Seehöhe liegt der antike Marmorsteinbruch Spitzelofen, dessen Nutzung mit der römischen Zeit verbunden wird. Der abgebaute Stein ist ein weiß und grau gebänderter Silikatmarmor mit grober Körnung. Graphit, Pyrit und farbloser Glimmer bilden Einschlüsse. Parallel verlaufende Rillen an den Bruchwänden stammen von Spitzschlägeln, mit denen das Gestein bearbeitet wurde. In der Antike wurde das Material häufig vor Ort zu Halbfertigprodukten verarbeitet, damit weniger Gewicht transportiert werden musste. Funde aus Bronze- und Römerzeit weisen außerdem auf frühe Besiedlung im Gemeindegebiet hin.
Bischöfliche Sommerresidenz auf dem Felskegel
Östlich von St. Georgen erhebt sich auf einem Gneiskegel die Burg Stein. Sie wurde 1214 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte damals zum Erzstift Salzburg. 1276 überließ Salzburg sie den Bischöfen von Lavant, die sie als Sommerresidenz nutzten. Im 13. Jahrhundert umfasste ihr Burgfried auch einen Niedergerichtsbezirk. Die Burg überstand mehrere Angriffe und wurde 1480 im Konflikt zwischen kaiserlichen und ungarischen Truppen belagert und verwüstet. 1493 wurde sie wieder befestigt; der Verfall setzte im frühen 18. Jahrhundert ein. Ein künstlich angelegter Graben sicherte den Zugang; eine hölzerne Zugbrücke überspannte ihn. Erhalten sind unter anderem romanische Palasmauern mit gekoppeltem Fenster, eine restaurierte Kapelle und ein Keller mit drei Mittelpfeilern. Die Anlage bot etwa 30 Söldnern Platz. Der ausgedehnte Saal diente den Bewohnern während einer Belagerung als Zuflucht.
Kirchen und Gemeindegeschichte am Steinberg
Die St.-Magdalena-Kapelle wurde 1184 erstmals erwähnt und ist vermutlich ein ehemaliger Karner. Ihr spätromanischer Rundbau besitzt eine gotische Rechteckapsis und ein Lanzettfenster; das Kegeldach trägt einen achtseitigen Dachreiter mit Zwiebelhelm. Die Pfarrkirche St. Georgen entstand in einer Zeit, als die Bauern bei Fehden der Burgherren Schutz brauchten. Sie wurde als Wehrkirche neben der Kapelle angelegt und ist dem heiligen Georg geweiht. Eine Urkunde nennt sie 1246; 1485 wurde die Pfarre dem Stift St. Paul inkorporiert. Kirchhof und alter Friedhof sind von einer Mauer umgeben. An der Nordseite schließt sich eine tonnengewölbte Sakristei an; das Langhaus wurde in der Barockzeit verlängert. Ein halbkreisförmiger Triumphbogen führt zum kreuzrippengewölbten Chor. Auf Konsolen sitzen Figuren von Menschen und Tieren. In die Kirchenmauer ist ein römischer Grabstein eingesetzt; ein weiterer Römerstein liegt in Niederhof. Der römische Text nennt Primus Vronis und seine Frau Ettertie. Die Gemeinde entstand 1864 aus Steinberg, Herzogberg und Paierdorf. Nach der Eingemeindung zu St. Paul 1973 erlangte sie 1991 wieder ihre Selbstständigkeit.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
