FRANTSCHACH-ST. GERTRAUD KENNENLERNEN
Frantschach-St. Gertraud: Erzwege und Hochofen
Frantschach-St. Gertraud liegt nordöstlich von Wolfsberg im Bezirk Wolfsberg. Die Marktgemeinde zählt 2.418 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und erstreckt sich über 100,97 Quadratkilometer.
Vom Lavanttal hinauf zur Koralpe
Der Talboden an der Lavant geht in bewaldete Hänge und Hochlagen der Koralpe über. Die Gemeinde umfasst sechzehn Ortschaften und reicht vom Flussraum bis zu den Höhen um Großes Kar, Steinschneider, Seespitz und Hühnerstütze. Im Osten verläuft die Landesgrenze zur Steiermark. Die Seitengräben Wölch und Prössing prägen die Erschließung der Bergflanken und verbinden verstreute Siedlungen mit dem Tal.
Vom Erzrevier zur Papierindustrie
Im Spätmittelalter gewannen Bergbau und Eisenverarbeitung an Gewicht. Erz aus den Stollen auf der Wölch transportierten Knappen über einen Steig zum Hochofen „Hammer“ bei St. Gertraud. Die Marktgemeinde beschreibt diese Route als Weg, der vom 16. bis ins späte 19. Jahrhundert genutzt wurde. Im Frantschacher Werk entstanden während der Napoleonischen Kriege Geschützeisen; in St. Gertraud wurden Kanonenkugeln gegossen. 1759 gingen die Eisenwerke mit den bambergischen Besitzungen an den österreichischen Staat, 1825 an die Wolfsberger Eisenwerksgesellschaft und 1846 an Hugo Henckel von Donnersmarck. Dieser ließ 1848 in St. Gertraud einen modernen Hochofen errichten. Als sich die Montanwirtschaft wandelte, wandelte er 1882 das Frantschacher Werk in eine Zellulosefabrik um. Daraus entwickelte sich der heutige Industriebetrieb. 1973 wurde die Gemeinde in die Großgemeinde Wolfsberg eingegliedert; nach einer Volksbefragung erlangte sie 1997 ihre Selbstständigkeit zurück. Seit 2001 darf sie die Bezeichnung Marktgemeinde führen.
Gotische Spuren in St. Gertraud und Kamp
Die Pfarrkirche von St. Gertraud ist der heiligen Gertrud von Nivelles geweiht. Ein Vorgängerbau wird 1289 erwähnt; als Pfarre ist der Ort seit 1539 belegt. Der heutige spätgotische Kirchenbau entstand in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. An seiner Westwand befindet sich ein Fresko, das um 1420 datiert wird und damit älter ist als der Bau. Auch die Kirche in Kamp ist dem heiligen Nikolaus geweiht und zeigt spätgotische Formen. Ihre erste sichere Erwähnung stammt aus dem Jahr 1399. Sie wurde Ende des 15. oder Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet.
Auf dem Erzwanderweg zur Wölch
Neben der Montangeschichte bietet die Gemeinde zwei gut beschriebene Naturziele. Der Pomsbach entspringt im Großen Kar und stürzt über mehrere Kaskaden 15 Meter tief; der Wasserfall liegt am Wanderweg zwischen Koralpenparkplatz und Großhöllerhütte. Im Twimberger Graben ragt der „Entenschnabel“ aus dem Flussbett der Lavant. Der markante Gneisglimmerschiefer-Fels ist kein Felssturzblock, sondern anstehender Fels, und wurde wegen seiner seltenen Lage als örtliches Naturdenkmal geschützt. Der Wasserlehrpfad beginnt bei der Bushaltestelle St. Gertraud Umkehrschleife. Die drei Kilometer lange Route erklärt die Wassergewinnung; sie entstand nach der Erneuerung der Gemeindewasserversorgung 2005 und 2006. Der 2005 neu errichtete Hochbehälter in St. Gertraud fasst rund 220.000 Liter; er versorgt die Bereiche St. Gertraud, Lavantwirt, Hammer und Zellacherstraße. Der Hochbehälter Zellach fasst weitere 100.000 Liter.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
