MITTERNDORF AN DER FISCHA KENNENLERNEN
Mitterndorf an der Fischa: Wasser, Kirche und ein geteiltes Dorf
Mitterndorf an der Fischa ist eine Gemeinde im Bezirk Baden. Sie zählt 3.155 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 10,76 Quadratkilometer.
Die Fischa und ihr Untergrund
Die Fischa durchzieht den Ort; darunter liegt die Mitterndorfer Senke, ein Sand- und Schotterkörper mit bedeutendem Grundwasservorkommen. Der Umweltbericht zur Strategischen Umweltprüfung vom Dezember 2021 weist das gesamte Gemeindegebiet als Teil des Grundwasserschongebiets aus und nennt neun wasserrechtlich genehmigte Entnahmestellen sowie acht Grundwassermessstellen. Die darin ausgewertete Karte des Niederösterreichischen Atlas (2021) weist fast überall einen Grundwasser-Flurabstand unter zwei Metern aus; im Nordosten sind kleinräumig zwei bis vier Meter verzeichnet. Die Gewässergüteklasse II für die Fischa und II–III flussabwärts stammt aus einer im Bericht zitierten Erhebung von 2010.
Ein Dorf auf mehreren Gemeindegebieten
Der zusammenhängende Siedlungsraum reicht über politische Grenzen hinweg. Der Kern von Mitterndorf liegt östlich der Fischa, doch auch Häuser am Westufer gehören zur Gemeinde. Im Nordwesten schließt das Siedlungsgebiet von Gramatneusiedl an; westlich liegt die Mitterndorfsiedlung auf Moosbrunner Gemeindegebiet. So verteilen sich gleichnamige und unmittelbar benachbarte Siedlungsteile auf drei Gemeinden und zwei Bezirke. Gemeindegrenzen verlaufen sogar entlang geteilter Straßen: Die Lagerstraße liegt teils in Mitterndorf, teils in Gramatneusiedl; die Brunngasse in Gramatneusiedl und Moosbrunn. Die Gemeinde selbst besteht aus einer Katastralgemeinde und einer amtlichen Ortschaft: Mitterndorf an der Fischa. Zu ihrem Gebiet gehören außerdem Neumitterndorf im Norden und der Gutshof Hums im Nordosten.
Kirche und Erinnerungsorte
Eine Kapelle am Standort der heutigen Kirche wurde 1325 mit Zustimmung des Pfarrers von Waltersdorf gestiftet und der heiligen Katharina geweiht. Otto von Hausbach überließ dafür eine halbe Hofstatt. Spätestens 1407 war Mitterndorf eine eigene Pfarre; 1500 wurde die Kirche wieder Filiale von Unterwaltersdorf, ehe sie 1773 erneut Eigenpfarre wurde. Seit 2022 gehören die früheren Pfarren Mitterndorf und Gramatneusiedl zur gemeinsamen Pfarre Zu den Heiligen Schutzengeln: Die Katharinenkirche ist deren Filialkirche, die Pfarrkirche steht in Gramatneusiedl. Das Bundesdenkmalamt führt Kirche und ehemaligen Friedhof als geschützte Denkmale; auch Kriegerdenkmal, steinernes Kreuz und Dreifaltigkeitssäule sind gelistet. Westlich der Fischa erinnert eine Gedenkstätte an das Flüchtlingslager des Ersten Weltkriegs. 1915 errichtet, umfasste es 441 Gebäude auf rund 67,5 Hektar; Menschen aus dem Trentino und Galizien lebten dort unter schwierigen Bedingungen.
Von der Weberei zum Gemeindezentrum
Die erste urkundliche Nennung des Ortsnamens stammt aus dem Jahr 1160. Im 17. Jahrhundert kam Mitterndorf in den Besitz der Cavriani. Deren Wappenfarben Schwarz und Silber prägen den Hintergrund des Gemeindewappens, das 1982 verliehen wurde; das Weberschiffchen verweist auf die Textilarbeit. Im 19. Jahrhundert entstand an der Fischa eine Damastweberei. Eine Wollwarenfabrik nahm nach dem Ersten Weltkrieg vorübergehend wieder den Betrieb auf und beschäftigte damals rund 400 Menschen. 1871 wurde die Bahnstrecke Gramatneusiedl–Wiener Neustadt mit dem Bahnhof Mitterndorf-Moosbrunn eröffnet. Das heutige Gemeindezentrum neben der Kirche entstand 2011.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Mitterndorf an der Fischa – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Mitterndorf an der Fischa - GEM2GO WEB - Home
- Umweltbericht zur Strategischen Umweltprüfung, Gemeinde Mitterndorf an der Fischa, Dezember 2021
- Pfarre Zu den Heiligen Schutzengeln – Geschichte der Teilgemeinde Mitterndorf/Fischa
- Zu den Heiligen Schutzengeln, Teilgemeinde Mitterndorf/Fischa – Erzdiözese Wien
- Bundesdenkmalamt: Denkmale in Niederösterreich, Stand 30. Juni 2025
- Bundesministerium: Grundwasseralter im südlichen Wiener Becken
Stand der Angaben: 08.10.2026
