PULKAU KENNENLERNEN
Pulkau: Kirchenkunst und Weinbau im nördlichen Weinviertel
Die Stadtgemeinde Pulkau liegt im nördlichen Weinviertel, wo der gleichnamige Fluss durch ein offenes Tal zieht. Am 1. Jänner 2026 hatte Pulkau 1.449 Einwohner; die amtliche Fläche beträgt 36,73 Quadratkilometer. Weinbau und historische Kirchen prägen die Stadt und ihre Ortsteile.
Tal und Höhenzüge
Der Fluss Pulkau verläuft auf etwa 250 Metern Seehöhe durch die Stadtgemeinde. Nach Norden steigt das Land zu bewaldeten Höhen an; Umlaufberg, Kranawettberg und Brenntenberg erreichen 441, 466 und 477 Meter. Die sechs Ortschaften Groß-Reipersdorf, Leodagger, Passendorf, Pulkau, Rafing und Rohrendorf an der Pulkau liegen in einer Landschaft aus Äckern, Weingärten und Wald. Weinbau ist hier früh belegt: 1216 wird er in einer Urkunde erwähnt. An den Ortsrändern erinnern Kellergassen an die Lagerung und Verarbeitung der Trauben. Der Fluss gab auch dem Ort seinen Namen; die Gemeinde führt eine wahrscheinliche Entwicklung von Fulkawa über das altslawische Pulkaha an.
St. Michael über der Stadt
Die Pfarrkirche St. Michael stammt in ihren ältesten Teilen aus dem 12. Jahrhundert. Ihr mächtiger romanischer Chorturm dominiert die Silhouette. Eine Wehretage mit Schießscharten machte den Turm in unsicheren Zeiten zu einem Zufluchtsort; in Friedenszeiten übernachteten dort Pilger auf dem Weg ins Heilige Land. Die ursprüngliche Apsis ist weitgehend verschwunden, an der Südwand blieb jedoch ein Michaelstein mit der Darstellung einer Seelenwaage erhalten. Um 1270 kam die Katharinenkapelle als adelige Begräbnisstätte hinzu. Ihr Fresko zeigt das Martyrium der Heiligen. Die ehemalige romanische Empore trägt eine Rokokoorgel von 1763. Die Stadtgemeinde bietet Kirchenführungen gegen Voranmeldung an; Termine sind beim Pfarramt zu vereinbaren.
Die Kirche zum Heiligen Blut
1338 lösten Anschuldigungen eines angeblichen Hostienfrevels in Pulkau eine Verfolgung jüdischer Gemeinden aus, die auf zahlreiche Orte Niederösterreichs und Böhmens übergriff. Jüdische Einwohner wurden geplündert und ermordet. In der Folge zog Pulkau Pilger an, die das als Wunder bezeichnete Geschehen sehen wollten. Eine erste Kapelle entstand 1339; die heutige gotische Kirche zum Heiligen Blut wurde im 14. und 15. Jahrhundert errichtet. Hohe gotische Fenster beleuchten den Saalraum. Konzept und Predellenbilder des spätgotischen Flügelaltars werden dem Pulkauer Meister Niclas Preu zugeschrieben. Führungen sind nach Voranmeldung möglich.
Marktrecht, Hauptplatz und Ortsteile
Pulkau erhielt 1308 das Marktrecht. Herzog Albrecht V. verlieh 1437 ein Siegel und Wappen mit zwei silbernen Weinkrügen; bis 1790 sind ein Marktrichter und ein Marktrat belegt. Am Hauptplatz stehen das historische Rathaus und eine Dreifaltigkeitssäule. Das Rathaus wurde 1659 errichtet; 1679 hielt die Stadtchronik fest, dass das barocke Gebäude in vollem Glanz erstrahlte. Der Rote Hof war ursprünglich ein Wirtschafts- und Lesehof der Herren von Traun. Der Pöltingerhof erinnert an die klösterliche und herrschaftliche Nutzung der Stadt. In Maria Bründl befindet sich eine unter Denkmalschutz stehende Wallfahrtskapelle. 1985 wurde Pulkau zur Stadt erhoben. Die ehemalige Bahnstrecke Zellerndorf–Sigmundsherberg stellte den Personenverkehr 1988 ein; der Bahnhof liegt außerhalb des Zentrums.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Pulkau – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Stadtgemeinde Pulkau – Pfarrkirche St. Michael
- Stadtgemeinde Pulkau – Geschichte
- Stadtgemeinde Pulkau – Kirche zum Heiligen Blut
- Stadtgemeinde Pulkau – Sehenswertes
- Jewish Communities of Austria – Pulkau
- Niederösterreichisches Museumsportal – Kirche zum Heiligen Blut
- Gedächtnis des Landes – Pulkau
Stand der Angaben: 08.10.2026
