ZELLERNDORF KENNENLERNEN
Zellerndorf zwischen Pulkau und Sandberg
Zellerndorf liegt im Retzer Land an der Pulkau. Die Marktgemeinde im Bezirk Hollabrunn zählt 2.400 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 41,16 Quadratkilometer. Ihre sechs Ortschaften liegen zwischen Weinbauhängen, Ackerflächen und dem Flusslauf.
Pulkautal und Weinbau
Die Pulkau durchzieht das Gemeindegebiet auf ungefähr 230 Metern Seehöhe von Westen nach Osten. An den Hängen wachsen Reben; Landwirtschaft nimmt einen großen Teil der offenen Flächen ein. Zellerndorf ist zugleich ein Bahnhofsstandort an der Nordwestbahn. Die Pulkautalbahn, die früher von hier Richtung Sigmundsherberg führte, verlor ihren Personenverkehr 1988.
Der Sandberg bei Platt
Südlich von Platt erhebt sich der 339 Meter hohe Sandberg. Die Gemeinde beschreibt ihn als Aussichtsberg für Platt und Roseldorf; erreichbar ist er laut Ortsseite zu Fuß, mit dem Rad über den Weinviertel-DAC-Radweg und mit dem Auto. Am Südosthang liegt auf der Flur Bodenfeld eine ausgedehnte Siedlung der späten Eisenzeit. Die archäologische Fundfläche gehört zum Gebiet des Nachbarorts Roseldorf, auch wenn Platt den Zugang zum Sandberg markiert. Die kommunale Darstellung nennt eine Münzprägestätte und Handelskontakte in mehrere Richtungen Mitteleuropas. Der Hügel trägt außerdem Spuren einer viel längeren Besiedlungsgeschichte, die nach Angaben der Gemeinde mehr als 7.000 Jahre zurückreicht. Vom Aussichtspunkt reicht der Blick nach Norden in Richtung Retz und Znaim, westwärts zum Manhartsberg sowie über Schmida- und Pulkautal.
Kirche und Karner in Zellerndorf
Im Hauptort bilden Pfarrkirche und Karner ein mittelalterliches Ensemble. Die stattliche Kirche mit Westturm entstand in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts über frühmittelalterlichen Fundamenten; 1739 erhielt das Langhaus eine barocke Wölbung. Achtseitige Pfeiler tragen die gotisch abgefassten Spitzbogenarkaden, über denen das barocke Gewölbe sitzt. Der 1988 geschaffene Hochaltar trägt ein Altarblatt mit der Marienkrönung. Seitlich stehen spätgotische Figuren der Apostel Petrus und Paulus aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Ein barockes Kruzifix hängt unter dem Triumphbogen. Südöstlich steht der gotische, achteckige Karner aus dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Vom südlichen Seitenchor führt ein profilierter Bogen in eine kleine gotische Kapelle.
Orte und Ortsgeschichte
Neben Zellerndorf gehören Deinzendorf, Dietmannsdorf, Pillersdorf, Platt und Watzelsdorf zur Marktgemeinde; jede dieser Ortschaften bildet zugleich eine Katastralgemeinde. Die ältesten Hinweise auf die Besiedlung reichen weiter zurück als die schriftliche Überlieferung: Gräberfelder mit Beigaben werden der Bronzezeit zugeordnet, Funde im Friedhofsbereich der Hallstattzeit. Byzantinische Münzen kamen unter dem Kirchenboden zum Vorschein. Der Name Zellerndorf wird auf slawische Personennamen zurückgeführt, die Ortsgründung ins 9. Jahrhundert eingeordnet. Urkundlich fassbar wird der Ort 1149: Warmund von Eggendorf widmete dem Stift Göttweig drei Zinslehen aus „Celdrandorf“. Um 1200 entstand eine Pfarre; für 1374 ist eine Schule im Pfarrhaus belegt. 1871 wurde die Nordwestbahn eröffnet, ein Jahr später die Pulkautalbahn. Die Markterhebung folgte 1931.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
