RETZBACH KENNENLERNEN
Retzbach: Kirchen, Kultplatz und Grenzwege im Weinviertel
Retzbach liegt im Bezirk Hollabrunn im Weinviertel. Am 1. Jänner 2026 lebten 1.002 Menschen in der Gemeinde, die 18,07 Quadratkilometer umfasst. Zu ihr gehören die Ortschaften Mitterretzbach, Oberretzbach und Unterretzbach.
Drei Orte im Grenzland
Die heutige Gemeinde entstand in zwei Schritten: 1966 schlossen sich Mitterretzbach und Oberretzbach zusammen, 1970 kam Unterretzbach hinzu. Das Gebiet reicht von den Weinrieden und Wegen nahe der tschechischen Grenze über die Ebene am Landbach bis zu den bewaldeten Höhen bei Oberretzbach. Der kommunale Rundwanderweg verbindet diese unterschiedlichen Landschaften; von den Höhen öffnen sich Blicke auf das Retzer Land und die Dörfer Südmährens. In der Ebene begleiten Obstbaumreihen, Hecken und ein Biotop den Weg am Bach.
Drei Kirchen, drei Baugeschichten
In Unterretzbach steht die dem heiligen Jakobus geweihte Pfarrkirche. Der barocke Bau von 1725 ersetzte eine kleinere gotische Kirche; der mächtige Westturm erhielt seine heutige Form erst später. Fresken und Stuck prägen den Innenraum, unter dem Altar liegt eine Gruft mit romanischem Gewölbe. Der Kirchenpark war bis etwa 1900 Friedhof. Mitterretzbach besitzt eine spätgotische Pfarrkirche mit Netzrippengewölbe und einer Sonnenuhr an der südlichen Außenmauer. Die Holzfigur Maria mit Kind aus dem Jahr 1630 kam als Gnadenstatue vom Heiligen Stein in die Kirche. Die Oberretzbacher Katharinenkirche ist eine frühere Wehrkirche; Reste der mittelalterlichen Wehranlage sind erhalten. In ihrer Nähe wurden Erdställe gefunden, 2003 und 2004 wurde das Gotteshaus umfassend renoviert.
Wallfahrt am Heiligen Stein
Der Heilige Stein liegt bei Mitterretzbach auf dem Manhartsberg, nahe der tschechischen Grenze. Einer Chronik zufolge suchte Veit Priesler 1647 Heilung an der Quelle; die Überlieferung erzählt, er habe danach einen Brunnen errichten lassen. 1650 entstand dort eine Kapelle. Wegen des wachsenden Pilgerstroms begann 1750 der Bau einer größeren Wallfahrtskirche, in die das Quellwasser geleitet wurde. Kaiser Joseph II. ordnete 1784 ihre Abtragung an; 1785 wurde sie geschlossen. Die Grundmauern kamen 1995 wieder ans Licht. Freiwillige aus Ober- und Mitterretzbach sanierten 1998 und 1999 Mauerreste und Kapelle. Der elliptische, geneigte Aussichtssteg ordnet den Blick über das Gelände und die Landschaft bis nach Südmähren.
Wege zwischen Marterln und Erinnerung
Der Unterretzbacher Marterlwanderweg ist zwölf Kilometer lang und führt an 15 religiösen Kleindenkmälern vorbei, darunter Kreuze im Kirchenpark, die Pestmarter und das Weiße Kreuz. Eine zweite Route verbindet die Kirchen in Ober- und Mitterretzbach auf 4,9 Kilometern; der Abschnitt nach Hnanice in Tschechien ist 4,8 Kilometer lang. Das Südmährerdenkmal steht nahe der B303, rund eineinhalb Kilometer vor dem Grenzübergang bei Unterretzbach. Das Denkmal für vertriebene Deutschsüdmährer aus dem Kreis Znaim wurde nach Entwürfen und unter Bauleitung von Hans Krappl von 1980 bis 1985 errichtet. Die Gedenkstätte erinnert an die Vertreibung und trägt die Inschrift „Heimatrecht ist Menschenrecht“. Vier Radwege führen durch das Gemeindegebiet: der Wünschelruten-, der Märchen-Sagen-Mythen-, der Weinkultur- und der Nationalpark-Thayatal-Radweg. Der Wünschelrutenweg umfasst rund 20 Kilometer und ist mit zehn Stationen angelegt.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Retzbach (Niederösterreich) – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Wanderwege | Gemeinde Retzbach
- Sehenswertes | Gemeinde Retzbach
- Pfarrkirche Mitterretzbach | Gemeinde Retzbach
- Aussichtssteg beim Heiligen Stein in Mitterretzbach | Gemeinde Retzbach
- Heiliger Stein Retzbach | Stadtgemeinde Retz
- Pfarrkirche Oberretzbach | Retzer Land
- Kirche St. Jakob Unterretzbach | Retzer Land
- Gedenkstätten – Heimatdenkmal des Kreises Znaim bei Unterretzbach | Südmähren
Stand der Angaben: 08.10.2026
