SCHATTENDORF KENNENLERNEN
Schattendorf: Grenzort, Schuhmühle und Erinnerung
Schattendorf ist eine Marktgemeinde an der ungarischen Grenze westlich von Sopron. Am 1. Jänner 2026 lebten hier 2.334 Menschen auf 12,12 Quadratkilometern. Der Ort ist die einzige Ortschaft der Gemeinde und Teil des Naturparks Rosalia-Kogelberg. Seine Geschichte reicht von mittelalterlichen Grenzverhältnissen über die Zugehörigkeit zu Deutsch-Westungarn bis zu den Ereignissen von 1927, die weit über das Burgenland hinaus politische Folgen hatten.
Ein Dorf an der Grenze
Schattendorf liegt westlich von Sopron und unmittelbar an der ungarischen Grenze. Die Mattersburger Bahn hält am Bahnhof Loipersbach-Schattendorf; Straßenverbindungen führen Richtung Mattersburg und zum Nachbarort Ágfalva. Das Dorf bildet die einzige Ortschaft der Gemeinde. Diese Lage an einer Staatsgrenze ist kein neues Merkmal: Die Region gehörte über Jahrhunderte zu Deutsch-Westungarn, bevor sie 1921 Teil des Burgenlands wurde. In ungarischer Verwaltung war zeitweise der Ortsname Somfalva vorgeschrieben. Die Grenzlage beeinflusste Handel und Alltag, prägte aber ebenso die politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts.
Die Schüsse von 1927
Am 30. Jänner 1927 trafen beim Gasthaus Tscharmann die Frontkämpfer und Mitglieder des sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbundes aufeinander. Als Schutzbündler in das Gasthaus eindrangen, feuerten Hieronymus Tscharmann und Johann Pinter von einem vergitterten Fenster auf die Straße; Josef Tscharmann gab mindestens einen weiteren Schuss ab. Dabei wurden der sechsjährige Josef Grössing und Matthias Csmarits aus Klingenbach tödlich getroffen. Ein Geschworenengericht sprach die Angeklagten am 14. Juli frei. Am folgenden Tag kam es in Wien zu heftigen Massendemonstrationen und zum Brand des Justizpalasts; die Ausschreitungen forderten 89 Tote und mehr als 600 Verletzte. Der Vorfall in Schattendorf wurde so zum Ausgangspunkt einer politischen Krise weit über das Dorf hinaus.
Die Schuhmühle als Kulturort
Die Schuhmühle am Tauscherbach ist der Ausgangspunkt des rund 2,5 Kilometer langen Kultur.Geschichten.Wegs. Der Mühlenbau dient heute als Veranstaltungsort; der Rundweg führt von dort zum Gemeindeamt, Kriegerdenkmal und Gedenkplatz an der ungarischen Grenze. Zu den Stationen zählen außerdem jüdische Gräber, das Römergrab in der Kirchenmauer und die Johannes-Nepomuk-Kapelle. Infotafeln erläutern die Orte. So werden die Ereignisse von 1927 innerhalb der weiteren Ortsgeschichte verortet, neben Spuren von Religion, Alltag und Grenzgeschichte. Der Weg führt auch zu jenem Gebäude, das die Gemeinde als Ausgangspunkt der Schüsse von 1927 nennt.
Wein- und Kräuterweg am Kogelberg
Ein zweiter Rundweg führt von der Schuhmühle aus dem Ort hinaus Richtung Kogelberg. Die etwa neun Kilometer lange Strecke beginnt mit dem Grimmingkreuz am Krippelberg, von wo sich ein Fernblick über die Hügellandschaft öffnet. Danach führt sie zu den Teichwiesen, deren Schilf- und Wasserflächen im Naturpark Rosalia-Kogelberg liegen. Auf dem Rückweg bildet die jahrhundertealte „Schöne Eiche“ die dritte Station. Der Verlauf verbindet damit Ortsrand, Höhenrücken, Feuchtgebiet und einen markanten Baum in der Kulturlandschaft. Der Wein- und Kräuterweg ergänzt die ortsgeschichtlichen Stationen um einen Weg durch die landwirtschaftlich genutzten Flächen und Naturbereiche rund um Schattendorf.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Schattendorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Schuhmühle Schattendorf – Marktgemeinde Schattendorf
- Wein & Kräuter Weg – Marktgemeinde Schattendorf
- KULTUR.GESCHICHTEN.WEG – Marktgemeinde Schattendorf
- Das Burgenland in der Zwischenkriegszeit – Land Burgenland
- Wein & Kräuter Weg – Marktgemeinde Schattendorf
- Konsens und Konflikt: Schattendorf 1927. Demokratie am Wendepunkt – Land Burgenland
Stand der Angaben: 08.10.2026
