WIESEN KENNENLERNEN
Wiesen, wo Erdbeergärten auf die Rosalia treffen
Wiesen liegt am Fuß des Rosaliengebirges zwischen Bad Sauerbrunn und Forchtenstein. Die Marktgemeinde umfasst 2.751 Einwohnerinnen und Einwohner und 18,91 Quadratkilometer (Stand 1. Jänner 2026). Ihr bekanntestes Erzeugnis ist die Ananas-Erdbeere, doch das Obstbauprofil reicht weiter zurück: Wiesen war über Jahrhunderte auch für Obsthandel und Weinbau bekannt. Die Ortslage verbindet die landwirtschaftlich genutzte Ebene mit bewaldeten Hängen und Siedlungsteilen, die sich über das Gemeindegebiet verteilen.
Am Fuß des Rosaliengebirges
Die Lage am Osthang der Rosalia prägt Wiesen bis heute. Zu den Ortsbereichen zählen Anger, Dorf, Graben und Wiesen Nord. Der Naturpark Rosalia-Kogelberg berührt das Gemeindegebiet. Die Landschaft wechselt zwischen Wiesen, Feldern und Wald; diese Mischung findet sich auch im Gemeindewappen wieder: Obstschale und Erdbeere stehen neben der Darstellung von Wald und Flur. Der Ortskern liegt auf 306 Metern Seehöhe.
Vom Obsthandel zur Ananas-Erdbeere
Wiesen wurde um 1300 als Rodungssiedlung gegründet und 1346 erstmals urkundlich erwähnt. Obst- und Weinbau entwickelten sich früh zu wichtigen Erwerbszweigen. Die Nähe zu Wiener Neustadt bot den landwirtschaftlichen Betrieben einen Markt, und die 1847 eröffnete Bahnverbindung zwischen Ödenburg und Wiener Neustadt stärkte Handel und Arbeitspendeln. Um 1870 wurde die Ananas-Erdbeere erstmals in Wiesen gepflanzt. Eine staatliche Erdbeerversuchsanstalt erprobte später Sorten und gab Pflanzen an die Bevölkerung weiter. So wurde aus einem Teil des traditionellen Obstbaus ein unverwechselbares Merkmal der Gemeinde. Die staatliche Erdbeerversuchsanstalt wurde 1912 eingerichtet und bestand bis 1922.
Ein Ort zwischen Herrschaftszeiten
Die Grafschaft Mattersdorf-Forchtenstein prägte Wiesen seit dem Mittelalter. Nach dem Aussterben der Familie Mattersdorf gelangten ihre Besitzungen an die Habsburger; im 17. Jahrhundert kam die Herrschaft an die Esterházy. Kriege und Seuchen hinterließen tiefe Spuren. Ein Großbrand zerstörte 1805 fast alle Bauernhäuser und Erntevorräte, worauf weitere Brände die Bedeutung organisierter Brandbekämpfung deutlich machten. 1890 entstand der Freiwillige Feuerwehrverein. Wie das übrige Burgenland gehörte Wiesen bis 1921 zu Ungarn und wurde danach Teil Österreichs. Ab 1853 erhielten Bauern und Kleinhäusler volles Eigentumsrecht an ihren Gründen. Wald und Hutweide blieben Gemeindeeigentum und wurden von der 1879 gegründeten Urbarialgemeinde gemeinsam genutzt.
Erdbeerdorf und Kulturort
Die Erdbeere steht für eine landwirtschaftliche Spezialisierung, die Wiesen über die Region hinaus bekannt machte. Das Landwirtschaftsministerium führt die Wiesener Ananas-Erdbeere als traditionelles Lebensmittel; besonders hervorgehoben werden die Sortenvielfalt und der regionale Anbau. Zugleich entwickelte sich Wiesen zu einem Veranstaltungsort. Das Festivalgelände verbindet seit Jahrzehnten Konzerte im Grünen mit der sommerlichen Kultursaison und wird heute als Konzertstandort weitergeführt. Damit treffen zwei sehr unterschiedliche Seiten des Ortes aufeinander: Obstgärten und landwirtschaftliches Wissen einerseits, Musikveranstaltungen unter freiem Himmel andererseits. Gemeinsam prägen sie das Bild der Marktgemeinde ebenso wie die Wälder und Wege am Rosaliengebirge. Im Register traditioneller Lebensmittel ist das Erzeugnis unter Nummer 136 verzeichnet.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
