LICHTENWÖRTH KENNENLERNEN
Lichtenwörth: Zwischen Flussarmen und Fabrikgeschichte
Lichtenwörth liegt östlich von Wiener Neustadt zwischen Leitha und Warmer Fischa. Am Wasser entstand einst die Nadelburg, heute prägen ihre Arbeitersiedlung und der Villateich das Ortsbild ebenso wie eine moderne Großbäckerei. Die Marktgemeinde im Bezirk Wiener Neustadt-Land zählt 2.969 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 22,92 Quadratkilometer.
Zwischen Leitha und Fischa
Die Lage am Übergang zweier Flussräume erklärt, warum Wasser in Lichtenwörths Ortsgeschichte immer wieder eine Rolle spielt. Eine mittelalterliche Wasserburg lag in einer Flussbiegung; die Insel mit dem Villateich ist heute ein öffentlich zugänglicher Naherholungs- und Veranstaltungsort. Die Gemeinde beschreibt einen Rundgang durch die Nadelburg, der zugleich zum Verweilen an den Rastplätzen am Teich einlädt. Lichtenwörth besteht verwaltungsmäßig aus einer Ortschaft, doch in ihr liegen mehrere Siedlungsteile und das historische Dorf Nadelburg. Die nahe Stadt Wiener Neustadt bleibt der wichtigste städtische Bezugspunkt im Westen, während Leitha und Fischa den östlichen Landschaftsraum bestimmen.
Eine Arbeitersiedlung aus der Frühindustrie
Die Nadelburg wurde ab 1747 als planmäßige Fabriksiedlung angelegt. Die örtliche Metallwarenfabrik stellte zunächst Nähnadeln her und fertigte später ein breites Spektrum von Gegenständen. Wohnhäuser, Kirche, Schule und Gasthof gehörten zum Siedlungsgefüge; damit war die Nadelburg mehr als ein Fabrikstandort. Das heutige Museum sammelt Fotos, Dokumente, Pläne und Objekte zur Industrie und zur Arbeiterschaft. Ein Rundgang erschließt diese Geschichte im Ortsraum; das erhaltene Adlertor zeigt einen der drei früheren Zugänge zur Arbeitersiedlung. Die Führungen werden nach Vereinbarung angeboten; der private Museumsbesuch erfolgt nach Absprache. So bleiben Produktionsgeschichte und Alltagsleben der Arbeitersiedlung gemeinsam sichtbar.
Arbeit heute: Backwaren und viele Pendelwege
Die Arbeitsstättenzählung 2024 erfasste in Lichtenwörth 215 Arbeitsstätten mit 909 Beschäftigungsverhältnissen. 44,3 Prozent der Beschäftigten an diesen Arbeitsstätten entfielen auf den sekundären Sektor; 80,2 Prozent der aktiv Erwerbstätigen mit Wohnsitz in der Gemeinde pendelten aus. Die Statistik zählt Beschäftigungsverhältnisse, nicht einzelne Personen oder Unternehmen. Ein konkreter Produktionsstandort ist die Großbäckerei Ankerbrot: Das 2024 in Betrieb genommene Werk bäckt nach Unternehmensangaben täglich rund 120 Tonnen Brot und Gebäck für den österreichischen Lebensmittelhandel und die eigenen Filialen. Die Produktion verbindet industrielle Anlagen mit Handarbeit, etwa bei Handsemmeln und Striezeln. Diese einzelne Fabrik erklärt einen Teil der örtlichen Arbeit, nicht die gesamte Wirtschaftsstruktur.
Ortsleben zwischen Erholung und Gedenken
Die Gemeindeseite führt Gastronomie, Heurige, Unterkünfte, Wanderwege und Vereine; damit reicht das heutige Angebot über die Industriegeschichte hinaus. Die Gemeinde führt außerdem Volksschule und Mittelschule sowie ein Dorftaxi und örtliche Einkaufsgutscheine als Angebote des täglichen Lebens. Zur Ortsgeschichte gehört auch die Gewalt von 1944/45: In Lichtenwörth wurden ungarische Jüdinnen und Juden in Werkshallen festgehalten und zu Schanz-, Räumungs- und Fabrikarbeiten gezwungen. Ein öffentlich zugänglicher Gedenkstein erinnert an das Anhaltelager.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Lichtenwörth – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Lichtenwörth - GEM2GO WEB - Home
- Nadelburg-Rundgang – Marktgemeinde Lichtenwörth
- Nadelburgmuseum – Marktgemeinde Lichtenwörth
- LEH – Bäckerei Anker
- Arbeitsstättenzählung 2024 – Statistik Austria
- Katalog der NS-Opferlager in Österreich – Bundesdenkmalamt
- Gedenkstein für das Anhaltelager in Lichtenwörth – DERLA
Stand der Angaben: 09.10.2026
