MATTERSBURG KENNENLERNEN
Mattersburg: Viaduktstadt mit vielschichtiger Geschichte
Mattersburg liegt im Wulkatal und ist das städtische Zentrum des Bezirks. Das Eisenbahnviadukt spannt sich über den Talraum und erinnert an den Ausbau der Bahnverbindung im 19. Jahrhundert. Die Stadt besteht aus den Katastralgemeinden Mattersburg und Walbersdorf. Ihr heutiges Zentrum bewahrt neben der katholischen Pfarrkirche und dem jüdischen Friedhof auch Erinnerungsorte an das jüdische Gemeindeleben, das durch die Vertreibung von 1938 gewaltsam zerstört wurde.
Stadt im Wulkatal
Die Bahnlinie Wiener Neustadt–Sopron prägte Mattersburgs Entwicklung als Verkehrsknoten. Das 1847 fertiggestellte Eisenbahnviadukt überspannt das Wulkatal und gilt als Wahrzeichen der Stadt. Die Trasse verband den Ort mit regionalen Märkten und Arbeitsplätzen und machte die Stadt auch für umliegende Gemeinden erreichbar. Das Stadtgebiet umfasst neben dem historischen Zentrum die Katastralgemeinde Walbersdorf. Mattersburg erhielt 1926 das Stadtrecht und entwickelte sich zum Verwaltungs-, Handels- und Bildungszentrum des Bezirks. Die Wulka und die Bahn bilden zwei landschaftliche und technische Linien, an denen die Stadt gewachsen ist.
Jüdische Gemeinde und Bruch von 1938
Jüdische Familien ließen sich im 16. Jahrhundert in Mattersdorf nieder. 1671 mussten sie die Stadt auf Befehl Kaiser Leopolds I. verlassen; auf Einladung Pauls I. Esterházy kehrten sie ab 1678 zurück. Mattersdorf gehörte zu den jüdischen Siebengemeinden des Burgenlands. Die Gemeinde wurde 1902/03 mit der Marktgemeinde zusammengelegt. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich vertrieb und enteignete das NS-Regime 1938 die jüdischen Einwohner. Die Synagoge wurde 1940 zerstört, viele Grabsteine des Friedhofs zum Straßenbau verwendet. 2017 wurde am Standort der Synagoge eine Gedenkstätte eröffnet. Die Geschichte jüdischen Lebens und seine gewaltsame Auslöschung sind im heutigen Stadtbild an mehreren Orten präsent.
Friedhof und religiöse Bauwerke
Der jüdische Friedhof liegt an der Bahnstraße und diente der Gemeinde bereits im 16. Jahrhundert als Begräbnisplatz. Er wurde 1719 und 1769 erweitert und bis 1938 belegt. Die Stadtgemeinde pflegt ihn gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. In der Innenstadt steht die katholische Pfarrkirche hl. Martin, deren mittelalterlicher Ursprung im heutigen Bau sichtbar ist. Die barocke Rinnsalkapelle gehört zu den kleineren Sakralbauten der Stadt. In Walbersdorf ergänzen das evangelische Bethaus und der Glockenturm das religiöse Ortsbild: Das Schulgebäude von 1901 war von Anfang an auch als Betsaal geplant; der gegenüberliegende Turm stammt etwa aus dem Jahr 1800. Diese Orte zeigen, wie mehrere religiöse Traditionen Mattersburg und seinen Ortsteil geprägt haben.
Stadtwege und lokale Erinnerung
Die Stadt hat mehrere Kulturwanderwege angelegt, die Stationen der Innenstadt miteinander verbinden. Dazu zählen das Viadukt, der jüdische Friedhof und die Gedenkstätte am ehemaligen Synagogenstandort. Auf dem Hauptplatz und in den angrenzenden Straßen stehen außerdem historische Säulen, Kapellen und Bürgerhäuser. Walbersdorf bewahrt mit seinem Bethaus und dem Glockenturm eine eigene Ortsmitte innerhalb der Stadtgemeinde.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Mattersburg – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Stadtgemeinde Mattersburg | Daheim in der viertgrößten Stadt des Burgenlandes
- Stadtgemeinde Mattersburg | Sehenswürdigkeiten und Denkmäler
- Historisches über die Stadtgemeinde Mattersburg
- Sehenswürdigkeiten und Denkmäler – Stadtgemeinde Mattersburg
- Jüdischer Friedhof – Stadtgemeinde Mattersburg
Stand der Angaben: 08.10.2026
