PÖGGSTALL KENNENLERNEN
Pöggstall: Schloss, Markt und Recht
Pöggstall liegt im Bezirk Melk im südlichen Waldviertel. Die Marktgemeinde zählt 2.362 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 58,91 Quadratkilometer. Schloss, Kirchen und ein weit verzweigtes Gemeindegebiet erzählen von unterschiedlichen Zeiten und Aufgaben.
Vom Marktort zur heutigen Gemeinde
Eine Urkunde nennt Pöggstall 1135 erstmals. Das Marktrecht ist 1407 belegt; 1478 begann die lange Herrschaft der Rogendorfer, die bis 1601 dauerte. Pöggstall war von 1899 bis 1938 Bezirkshauptort. Die heutigen Gemeindegrenzen entstanden schrittweise: 1972 endeten die Zusammenlegungen, in deren Verlauf zehn frühere Gemeinden verbunden wurden. Das Gemeindegebiet umfasst 55 Ortschaften und 27 Katastralgemeinden; diese bezeichnen verschiedene Verwaltungsebenen. 1986 erwarb die Gemeinde das Schloss durch Tauschvertrag. 2017 fand dort die Landesausstellung „Alles was Recht ist“ statt, deren Fokus das Leben in Gemeinschaft war.
Eine Wasserburg wird Renaissancebau
Im 13. Jahrhundert entstand das Schloss zunächst als Wasserburg. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde es erweitert und zum Renaissanceschloss umgestaltet; besonders die Bauarbeiten der 1530er-Jahre veränderten den Adelssitz. Vor dem Schloss liegt die Barbakane, ein Rundbau um einen Innenhof. Die 1540 errichtete Vorburg ist bis auf den übermauerten Zierzinnenkranz weitgehend im Original erhalten. Im Schloss fallen heute die Steinwendeltreppe, das Renaissanceportal, die gotische Halle und der Arkadenhof ins Auge. Nach Restaurierungsarbeiten zeigt sich das Ensemble seit 2017 umfassend erneuert. In der Barbakane erzählt die Sonderausstellung „Schloss Pöggstall – zwischen Region und Kaiserhof“ von den Besitzern, Funden und der Sanierung.
Rechtsprechung im Marterturm
Das Museum für Rechtsgeschichte besteht im Schloss seit 1988 und zeigt auf 200 Quadratmetern Objekte aus den Landessammlungen Niederösterreich. Die Ausstellung verfolgt Strafrechtspflege und Gerichtswesen vom 16. bis ins 19. Jahrhundert: Zu sehen sind etwa Schandmasken, Handfesseln, Richtschwerter, Pranger und historische Rechtsbücher. Der Bestand geht auf ein Legat des Juristen Hans Liebl aus dem Jahr 1950 zurück. Im hintersten Schlossturm blieb eine Folterkammer am ursprünglichen Standort erhalten. Sie wurde vermutlich bis 1776 genutzt, nach dem Ende der Folter zugemauert und um 1900 wiederentdeckt. Seit 2018 ist der Besuch in eine Kulturvermittlung eingebunden; die sieben Stufen hinab sind nicht barrierefrei.
Zwei Kirchen mit verschiedenen Aufgaben
St. Anna im Felde steht auf einer vom Weitenbach umflossenen Anhöhe außerhalb des Ortszentrums. Der gotische Nachfolgebau der 1140 geweihten Kirche entstand im 14. und 15. Jahrhundert. Fresken und Grabdenkmäler erinnern an die frühere Pfarrfunktion; darunter ist das Renaissancegrabmal Georg Ehrenreichs von Rogendorf aus dem Jahr 1590. Bis 1810 blieb St. Anna Pfarrkirche. Danach übernahm diese Aufgabe die Schlosskirche, die Caspar von Rogendorf um 1480 als Sankt-Gilgen-Kirche und Begräbnisstätte errichten ließ. Ihre spätgotische Ausstattung umfasst einen Flügelaltar, eine Anna-Selbdritt-Gruppe und ein Christophorus-Fresko an der südlichen Außenwand. Die Kirche wurde 1659 für den katholischen Gottesdienst geöffnet und 1810 der heiligen Anna geweiht.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Pöggstall – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Poeggstall.at - Startseite
- Poeggstall.at - Startseite - Schloss - Museum - Museum - Rechtsgeschichte
- Gemeindearchiv Pöggstall: Geschichte der Gemeinde
- Schloss Pöggstall: Wissenswertes
- Kirche St. Anna im Felde
- Pfarre Pöggstall: Pfarrkirche Pöggstall
Stand der Angaben: 08.10.2026
