WEITEN KENNENLERNEN
Weiten: Markt im Tal der Burgen
Weiten liegt im Bezirk Melk im südlichen Waldviertel. Die Marktgemeinde umfasst 28,54 Quadratkilometer und hatte am 1. Jänner 2026 1.109 Einwohnerinnen und Einwohner. Der namensgebende Ort entwickelte sich an einem alten Talweg, der Donau und Waldviertel verband.
Vom Witin zur Marktgemeinde
Die Gemeindechronik führt die erste urkundliche Nennung Weitens auf 1096 zurück: Der Name erscheint als „Witin“ und könnte vom Weitenbach stammen; auch andere Herleitungen werden erwogen. Um 1050 entstand eine Burgkirchenanlage, bei der sich die ältesten Häuser gruppieren. Das Weitental verband die Donau mit dem nördlichen Hinterland; Salz und Eisen wurden auf diesem Handelsweg nordwärts transportiert. Ein zweiter Siedlungskern wuchs am heutigen Prangerplatz. 1313 erhielt Weiten das Marktrecht. Die Prangersäule mit Rolandfigur erinnert an die Gerichtsbarkeit, während ein Siegel das Wappen der Streitwieser zeigt. Für durchgeführte Waren erhob die Herrschaft Mollenburg Maut.
Kirche und Befestigung im Ortskern
Die Pfarre Weiten führt ihre Gründung auf das Jahr 1050 zurück; erstmals urkundlich belegt ist sie 1120. Die gotische Pfarrkirche St. Stephanus entstand zwischen 1330 und 1360. 1473 wurde sie zur Wehrkirche erweitert. Ihr Chor und die Maßwerkfenster mit Glasmalereien aus dem 14. und 15. Jahrhundert gehören zu den markanten Bauteilen. Der Glockenturm steht abseits des Kirchenschiffs. Zwei Glocken stammen vermutlich vom „Kremser Gießer“ und wurden um 1260 gegossen; eine dritte entstand um 1440 in einer Wiener Werkstatt. Die Gemeindechronik beschreibt zudem eine Befestigungsanlage, die zwischen 1473 und 1482 angelegt wurde: Tore und eine Holzbrücke über den Weitenbach lenkten den Zugang zum Markt.
Mollenburg: vom Rittersitz zur Ruine
Die Mollenburg wurde 1303 als „Malemberch“ erwähnt; Konrad der Werder nannte sich zu Beginn des 14. Jahrhunderts ausdrücklich nach ihr. 1307 ging die Burg durch Kauf an die Herren von Streitwiesen. Die Burgendatenbank EBIDAT ordnet den ältesten erhaltenen Grundriss einem regelmäßigen Bau des 13. Jahrhunderts zu: Ein etwa 27 mal 33 Meter großer Mauerring umschließt die Hochburg, in deren Nordwesten ein fünfeckiger Bergfried sitzt. Spätere Eigentümer veränderten die Anlage, besonders nach 1486 unter den Rogendorfern. Renaissance- und frühbarocke Umbauten legten viergeschossige Trakte um den Hof; auch Gärten und Zwingeranlagen kamen hinzu. 1577 fiel die Herrschaft an die Lindeggs. Nach dem Abtragen des Daches im Jahr 1860 verfiel das Schloss zur Ruine.
Streitwiesen als Jugendburg
Die Burg Streitwiesen im Weitental erhielt in den 1970er-Jahren eine neue Nutzung. Laut dem Burgbrief des Trägervereins hatten sechs frühere Pfadfinderführer 1967 die Idee einer Jugendburg als Begegnungsort. Nach der Prüfung von rund 80 Objekten fiel die Wahl 1970 auf Streitwiesen; am 20. Juli 1972 wurde die Ruine erworben. Der Verein beschrieb 2022 die Anlage als Treffpunkt für Jugendgruppen mit Lagerwiesen und Zeltplätzen. Gruppen organisieren Verpflegung und Brennholz selbst; der Aufenthalt war laut diesem Jubiläumsheft kostenlos. Mehr als 3.000 Jugendliche kamen dem Verein zufolge jährlich, um an Erhaltung und Ausbau mitzuwirken.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Weiten (Niederösterreich) – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Marktgemeinde Weiten – Chronik
- Pfarre Weiten – Pfarrkirche St. Stephanus
- EBIDAT – Mollenburg
- Bund zur Errichtung und Erhaltung einer österreichischen Jugendburg – Burgbrief Frühling 2022
Stand der Angaben: 08.10.2026
