LANGAU KENNENLERNEN
Langau: Vom Tagebau zum Bergwerksee
Die Marktgemeinde Langau liegt im Bezirk Horn an der tschechischen Grenze. Sie umfasst 22,22 Quadratkilometer und zählte am 1. Jänner 2026 665 Einwohner. Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Ortschaften Langau und Hessendorf; beim Hauptort liegt auch das Freizeitzentrum am ehemaligen Bergwerksareal.
Pfarre, Markt und Grenzort
Ein früher Beleg für Langau findet sich um 1150 als „Lang(en)owe“ im Zusammenhang mit Besitz, den Ulrich von Pernegg dem Kloster Geras zuwies. 1245 ist der Ort bereits mit 83 Häusern und eigener Pfarre dokumentiert; Pernegg war ursprünglich die Mutterpfarre. Kriege und Seuchen veränderten die Siedlung wiederholt. Nach den Hussitenkriegen werden im Lehnsbuch von König Ladislaus Postumus nur noch 43 Häuser genannt. 1530 kaufte Johann Mrakesch von Noskau die Langauer Pfarre vom Kloster Klein-Mariazell; Ferdinand I. bestätigte den Verkauf 1535. Im Dreißigjährigen Krieg wurden Kirche und Häuser beschädigt. Eine Pestwelle von 1640 traf die Bevölkerung schwer. 1853 erhielt Langau das Marktrecht.
Kirche und alte Schulstube
Ein Brand zerstörte 1709 die Kirche und erfasste auch die Umgebung. Der Wiederaufbau war bis 1712 abgeschlossen. Das Hauptportal stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die heutige Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt vereint mehrere Bauphasen: Das Langhaus enthält mittelalterliche Substanz und wurde 1628 sowie nach dem Brand umgestaltet; Chor und Turmwinkel sind spätgotisch, eine südliche Kapelle wurde barockisiert. Das erste Schulhaus entstand 1878 und dient heute als Gemeindeamt. Eine eigene Poststelle erhielt der Ort 1881, nachdem die Fahrpostverbindung über Langau bereits 1880 eröffnet worden war.
Kohle, Seilbahn und Bergwerksmodell
Braunkohle wurde 1910 zwischen Langau und dem tschechischen Šafov entdeckt. Der Abbau in der Grube Austria begann 1948 und dauerte bis 1963. Im Tagebau wurde die Kohle über ein eigenes Transportsystem zur Verladung gebracht; eine Materialseilbahn führte zum Siebwerk an der Hessendorfer Straße. Das Freizeitmuseum Langau bewahrt ein Diorama des Bergwerks, das den Stand der 1950er Jahre zeigt. Alte Pläne und Fotografien dienten als Vorlage, sogar echte Langauer Braunkohle wurde in das Modell eingebaut. Es wurde 2016 im Museum eröffnet.
Am Wasser und auf den Wegen
Aus der später gefluteten Grube entstand der Bergwerksee im Freizeitzentrum, außerhalb des Orts in Richtung Staatsgrenze. Für die Saison 2026 nennt die Gemeinde eine Liegewiese, Duschen, einen Nichtschwimmerbereich, Beachvolleyball und ein Seerestaurant; das Wasserschizentrum Langau bietet Kurse und Wasserschifahrten an. Der See ist auch Ausgangspunkt beschilderter „Tut gut“-Routen. Eine führt über den Bienenlandl-Erlebnisweg, eine andere um den See, eine dritte zusätzlich über die Hochkipp. Die aufgeschüttete Hochkipp entstand aus Aushub des Bergbaus. Auf einer Plattform an der Mündung des Langauerbachs lässt sich das Leben im Wasser und am Schilfgürtel beobachten; ein Pylonenweg quert den See.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Langau – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Bergwerksee – Marktgemeinde Langau
- Braunkohlebergwerk-Diorama im Modellbauzentrum Gars – Marktgemeinde Langau
- Genussvolle Stunden in der Natur – Marktgemeinde Langau
- Museumsverein Langau
- Langau – Gedächtnis des Landes Niederösterreich
- Eröffnung des Bergwerksdioramas – Gemeinde Langau
Stand der Angaben: 08.10.2026
