RÖHRENBACH KENNENLERNEN
Röhrenbach: Renaissance zwischen Waldviertler Dörfern
Röhrenbach liegt am westlichen Rand des Horner Beckens im Waldviertel. Die Gemeinde zählt 489 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 25,13 Quadratkilometer. Ihre acht Ortschaften verbinden bäuerlich geprägte Siedlungen mit einem bedeutenden Renaissancebau.
Ein Schloss wird zum Mittelpunkt
Eine kleine Wehrburg im Besitz der Grellen ist im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt. Nach mehreren Besitzwechseln erwarb Hans Lorenz von Kuefstein sie 1534. Unter Hans Georg III. Freiherr von Kuefstein wurde die Festung abgetragen; zwischen 1570 und 1590 entstanden das Renaissanceschloss und seine Nebengebäude. Der vierflügelige Bau blieb in seinen Ausmaßen erhalten und diente als Sitz der Grundherrschaft. Der Schlossbetreiber beschreibt in den Räumen Kassettendecken, Kachelöfen und Stuck. Er hebt auch die Gerichtsschranke hervor, die nach seiner Angabe als einzige ihrer Art in Österreich erhalten ist. Im 18. Jahrhundert erhielt der Garten barocke Alleen und Balustraden. 1809 quartierten französische Truppen in der Herrschaft. Schloss und Grundherrschaft mussten 383 Stabs- und Oberoffiziere, 639 weitere Soldaten und Diener sowie 1.404 Pferde versorgen. Nach dem Abzug waren Möbel beschädigt und Vorräte erschöpft; Johann Ferdinand III. setzte den Besitz wieder instand. Franz Grillparzer und Anton Romako hielten sich zeitweise im Schloss auf; seit 1959 ist es Museum.
Kirche und Gruftkapelle
Im Gemeindegebiet liegen zwei getrennte Kirchenorte. Die Pfarrkirche St. Michael steht mit Friedhof und Pfarrhof bei Eich Maria, außerhalb der Siedlung Röhrenbach. Ihr romanischer Kern erhielt um 1500 einen spätgotischen Chor; spätere Arbeiten barockisierten den Innenraum. Die Anfänge des kirchlichen Lebens reichen laut Stift Altenburg in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts zurück; 1251 ging die Pfarre an das Stift. Im Ort Röhrenbach selbst befindet sich die Kuefstein’sche Gruftkapelle hl. Anna, die frühere Spitalskirche. Das Bürgerspital wurde 1690 zur Versorgung armer Untertanen gestiftet. 1737 malte Paul Troger die Fresken in der Kapelle; der Stuck stammt von Giovanni Sanz, der Stuckmarmor wird Balthasar Haggenmüller zugeschrieben.
Acht Ortschaften, unterschiedliche Spuren
Zum Gemeindegebiet gehören Feinfeld, Germanns, Gobelsdorf, Greillenstein, Neubau, Röhrenbach, Tautendorf und Winkl. Germanns ist 1139 belegt, Feinfeld ungefähr 1180 und Neubau 1285. Bei Feinfeld liegen die Reste der im 16. Jahrhundert aufgegebenen Veste. In Neubau steht das Kühass-Marterl, ein Sandstein-Tabernakelpfeiler von 1569. Winkl besitzt ein gepflegtes Biotop; ein dortiger Erdstall ist bekannt, aber nicht öffentlich zugänglich.
Mauern, Wasser und Wege
Bei Gobelsdorf verläuft die Tiergartenmauer des Schlossareals; nahebei liegen Wasserspiele, zu denen ein Wanderweg führt. Die Gemeindeseite bezeichnet Germanns als kleinste Ortschaft und verortet sie an der Grenze zum Truppenübungsplatz Allentsteig. Tautendorf liegt nahe der Koppenhofer-Marter am höchsten Punkt des Gemeindegebiets; bei klarer Sicht reichen Blicke zum Jauerling und Ötscher. Das Schloss ist saisonal zugänglich. Der Betreiber nennt je nach Monat unterschiedliche Besuchstage; Führungen finden an den Öffnungstagen um 11.30 und 15.30 Uhr statt, Gruppenbesuche sind nach Anmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Röhrenbach (Niederösterreich) – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Röhrenbach - GEM2GO WEB - Home - Unsere Gemeinde - Wissenswertes - Geschichte
- Schloss Greillenstein – Museum und Park
- Bundesdenkmalamt – Denkmalverzeichnis Niederösterreich
- Gedächtnis des Landes – Röhrenbach
- Denkmalpflege in Niederösterreich, Band 66
- Schloss Greillenstein – Geschichte
- Stift Altenburg – Pfarren: Röhrenbach
- Schloss Greillenstein – Öffnungszeiten
Stand der Angaben: 08.10.2026
