KUKMIRN KENNENLERNEN
Kukmirn: Apfelbau und vier unterschiedliche Dorfgeschichten
Kukmirn stellt sich als burgenländisches Apfeldorf vor. Obstbau und Direktvermarktung gehören zu den örtlichen Merkmalen, die die Gemeinde von vielen anderen Orten der Region unterscheiden. Zur Marktgemeinde im Bezirk Güssing zählen Eisenhüttl, Kukmirn, Limbach und Neusiedl bei Güssing. Das rund 40,50 Quadratkilometer große Gebiet liegt zwischen Fürstenfeld und Güssing; beide Städte befinden sich ungefähr zehn Kilometer vom Hauptort entfernt. Am 1. Jänner 2026 wurden 1.984 Einwohner gezählt. Die vier Dörfer verbindet heute eine gemeinsame Verwaltung, während ihre urkundlichen Anfänge und kulturellen Entwicklungen jeweils eigene zeitliche Spuren hinterlassen haben.
Eine bewirtschaftete Hügellandschaft
Obstgärten, landwirtschaftliche Flächen und Wald prägen das Gemeindegebiet. Der Hofweinriegel erreicht rund 380 Meter Höhe und gehört zu den höheren Punkten der Umgebung. Der Apfelbau ist für die Außendarstellung Kukmirns besonders wichtig; örtliche Betriebe vermarkten ihre Erzeugnisse auch direkt. Damit erhält die Landschaft einen wirtschaftlichen Zusammenhang, der über ihre Betrachtung als Ausflugsziel hinausgeht. Die Obstflächen sind Teil landwirtschaftlicher Betriebe und einer über längere Zeit gewachsenen Spezialisierung. Zwischen den vier Dörfern wechseln bebaute Bereiche und bewirtschaftete Hänge. Ein Besuch bei Produzenten erschließt daher eine andere Seite der Gemeinde als ein Rundgang durch den Hauptort.
Vier Orte mit verschiedenen ersten Erwähnungen
Kukmirn wird 1185 in einer Grenzbeschreibung des Güssinger Klosterguts genannt. Die Herkunft seines Namens ist nicht eindeutig geklärt. Für Limbach ist 1346 die Bezeichnung Liba überliefert; Neusiedl erscheint 1455 in einer Urkunde König Ladislaus’ V. Eisenhüttl wird im Urbar von 1576 genannt und gehört zu den im 16. Jahrhundert kroatisch besiedelten Orten. Diese Nachweise bezeichnen jeweils frühe schriftliche Erwähnungen, nicht zwingend das tatsächliche Entstehungsjahr einer Siedlung. Gemeinsam zeigen sie, dass die heutige Marktgemeinde mehrere ältere Dorfgeschichten zusammenfasst. Die früheste Nennung eines Ortsteils lässt sich deshalb nicht einfach auf alle anderen übertragen.
Arbeitswege über den Atlantik
Die Gemeindechronik beschreibt eine starke Auswanderung, die ab 1888 zunächst von Limbach ausging. Menschen aus der Umgebung suchten neue Erwerbsmöglichkeiten unter anderem in Pennsylvania und Detroit, aber auch in Kanada und Südamerika. Besonders um 1900 gewann diese Bewegung an Bedeutung. Für 1930 nennt die Chronik rund 950 Kukmirner in Amerika. Diese historische Angabe ist keine heutige Einwohnerzahl, sondern ein Hinweis auf die Größenordnung der damaligen Verbindungen über den Atlantik. Die Auswanderung gehört damit ebenso zur Geschichte des ländlichen Raums wie Landwirtschaft, Besitzverhältnisse und die Entwicklung der einzelnen Dörfer.
Konfessionen und kommunale Neuordnung
In Kukmirn stehen sowohl eine evangelische Kirche als auch die katholische Pfarrkirche zum heiligen Josef. In Limbach befindet sich die Kirche Mariä Heimsuchung. Diese Bauten verweisen auf unterschiedliche religiöse Traditionen innerhalb eines gemeinsamen Gemeindegebiets. Die heutige Zusammenfassung der vier Orte erfolgte 1971; 1982 wurde Kukmirn zur Marktgemeinde erhoben. Ein später diskutiertes Vorhaben, die Gemeinde wieder zu teilen, wurde 2012 verworfen. Eisenhüttl, Kukmirn, Limbach und Neusiedl werden daher weiterhin gemeinsam geführt. Die erhaltenen Ortsnamen und Kirchen helfen, die einzelnen Dörfer auch innerhalb der größeren Verwaltungseinheit räumlich und historisch auseinanderzuhalten.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
