HEUGRABEN KENNENLERNEN
Heugraben: Dorfkirche und Wiesen am Zickentaler Moor
Heugraben liegt im Bezirk Güssing und gehört zum südburgenländischen Zickental. Die Gemeinde hatte am 1. Jänner 2026 insgesamt 220 Einwohnerinnen und Einwohner und umfasst rund 6,47 Quadratkilometer. Zwischen Heugraben, Eisenhüttl und Rohr erstrecken sich die Auwiesen des Zickenbachtals. Diese Feuchtlandschaft verbindet die Nachbarorte über ihre politischen Grenzen hinweg. Im Dorf selbst bildet die Dreifaltigkeitskirche einen baulichen Bezugspunkt; die kroatische Siedlungsgeschichte und die Wiesenwirtschaft gehören zu den länger zurückreichenden Prägungen Heugrabens.
Kroatische Wurzeln und wechselnde Gemeindegrenzen
Heugraben gehört zum historischen Siedlungsgebiet der Burgenlandkroaten. Noch 1961 lag deren Anteil nach der damaligen Volkszählung bei 69 Prozent; bis 2001 war er auf 14,2 Prozent zurückgegangen. Die Zahlen zeigen den Sprach- und Bevölkerungswandel innerhalb weniger Jahrzehnte. Seit 1921 ist Heugraben Teil des österreichischen Burgenlands. Von 1971 an bildete der Ort zusammen mit Bocksdorf und Rohr im Burgenland eine größere Gemeinde unter dem Namen Bocksdorf. Mit 1. Jänner 1992 wurden die drei Orte wieder selbständige Gemeinden. Die kirchliche Verbindung mit Bocksdorf blieb davon unabhängig bestehen.
Ein kompakter Kirchenbau von 1834
Die katholische Filialkirche ist der Heiligsten Dreifaltigkeit geweiht und gehört zur Pfarre Bocksdorf. Sie wurde 1834 errichtet. Der kleine Baukörper schließt mit einer halbrunden Apsis ab; an seiner Südseite steht ein gedrungener Turm mit spitzem Helm. Im Inneren gliedern drei Joche das Schiff. Zwischen den Gurtbögen spannen sich Platzlgewölbe, die auf breiten Wandpfeilern ruhen. Auch die Empore ist dreiteilig angelegt und besitzt eine nach vorne gewölbte Brüstung. Damit bietet das äußerlich kompakte Gotteshaus mehrere architektonische Einzelheiten, die erst bei genauerem Hinsehen hervortreten.
Wo Wiesen auf nassen Böden wachsen
Der Zickenbach durchfließt die gemeinsame Feuchtlandschaft nach Südosten und mündet bei Güssing in die Strem. In den Auwiesen liegen Feuchtwiesen, Seggenriede und Reste von Auwald dicht beieinander. Hoher Grundwasserstand und Überschwemmungen begünstigen die Bildung von Torfböden. Die offenen Flächen entstanden unter menschlichem Einfluss; ohne Nutzung würden sich vielerorts wieder Gehölze ausbreiten. Früher wurde das Schnittgut der Seggenriede als Einstreu oder Pferdeheu verwendet. Sumpf-Schwertlilien, Blutweiderich und verschiedene Knabenkräuter gehören zur beschriebenen Pflanzenwelt. Die Landschaft um Heugraben verbindet daher nasse Naturstandorte mit einer langen Geschichte landwirtschaftlicher Nutzung.
Weidewirtschaft als gemeinsames Projekt
Heugraben beteiligte sich zusammen mit Kukmirn, Rohr und Privatpersonen an dem 2003 gegründeten Verein rund um’s moor. Im folgenden Jahr schlossen sich Bauern zum Verein Rinderweide am Zickentaler Moor zusammen. Ziel war es, intensiv genutzte Ackerflächen im Umfeld des Schutzgebietes in extensiv bewirtschaftete Weiden umzuwandeln. Die als Zickentaler Moorochsen bekannten Tiere gehören zu den Rassen Galloway und Aberdeen Angus oder sind Kreuzungen daraus. Ihre Haltung verknüpft die wirtschaftliche Nutzung mit der Verringerung von Nährstoffeinträgen in das Moor. Zugleich entstehen offene Lebensräume und Flächen zur Nahrungssuche für Vögel. Der Name Heugraben steht damit auch in einem regionalen Zusammenhang von Wiesen, Viehhaltung und Naturschutz.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
