RUDERSDORF KENNENLERNEN
Rudersdorf: Vom Zoll an der Lafnitz zur Textilgeschichte
Die Lafnitz trennt Rudersdorf von der Steiermark und verankert die Gemeinde zugleich in einer langen Geschichte des Grenzhandels. Zur Marktgemeinde im Bezirk Jennersdorf gehören die Ortschaften Rudersdorf und Dobersdorf. Den Status einer Marktgemeinde trägt Rudersdorf seit 1991, zwanzig Jahre nach der Zusammenlegung mit Dobersdorf. Am 1. Jänner 2026 lebten auf 21,44 Quadratkilometern 2.253 Menschen. Neben Kirchen und älteren Dorfstrukturen gehört die gewerbliche Produktion zum örtlichen Profil. Besonders deutlich verbindet das ehemalige Schloss Batthyány adelige Herrschaft mit der späteren Entwicklung der Textilindustrie.
Ein Knotenpunkt des ungarisch-steirischen Handels
Rudersdorf war Standort eines königlich-ungarischen Dreißigstamtes. Solche Zollstellen kontrollierten den Warenverkehr an der Grenze; der Name bezog sich auf den eingehobenen Anteil der Ware. Erhaltene Register aus den Jahren 1538 bis 1555 dokumentieren das Rudersdorfer Amt und mehrere zugehörige Filialen, darunter Jennersdorf, Deutsch Kaltenbrunn und Welten. In den Aufzeichnungen erscheinen unter anderem Wein, Getreide, Salz, Vieh und Textilien. Sie lassen erkennen, wie vielfältig der Austausch zwischen Ungarn und der Steiermark war. Der Fluss bildete somit eine politische Trennlinie, an der zugleich zahlreiche wirtschaftliche Beziehungen zusammenliefen.
Ein Schloss wird Teil der Industriegeschichte
Das um 1750 errichtete Schloss Batthyány bekam im 20. Jahrhundert eine neue wirtschaftliche Funktion. 1917 gelangte es an die Firma Sattler, die dort eine Webwarenfabrik einrichtete. Damit änderte sich auch die Bedeutung des Gebäudes für den Ort: Aus einem herrschaftlichen Sitz wurde ein Platz industrieller Arbeit. Die Textilproduktion blieb mit Rudersdorf verbunden. Sattler führt die Gemeinde weiterhin als österreichischen Produktionsstandort neben Gössendorf. Zum Sortiment des Unternehmens zählen technische Gewebe für Sonnenschutz und weitere Anwendungen im Freien. Die örtliche Gewerbegeschichte reicht dadurch von den überlieferten Zollwaren bis zur spezialisierten Herstellung von Stoffen.
Dobersdorf und das Leben mit der Lafnitz
Dobersdorf bringt eine eigene Geschichte in die Gemeinde ein. Bereits 1157 wird der Ort im Stiftsbrief des Güssinger Grundherrn Wolfer genannt. Spätere Jahrhunderte hinterließen mit Kirche und Schule bauliche Mittelpunkte; das erste Schulgebäude entstand 1871. Die Lage an der Lafnitz bedeutete jedoch auch wiederkehrende Überschwemmungen. 1927 wurde deshalb ein Damm errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten der Ausbau der Dorfstraßen und eine Ortswasserleitung. Am 1. Jänner 1971 vereinigte man Dobersdorf mit Rudersdorf. Der Ortsteil blieb damit Teil des gemeinsamen Talraums, erhielt aber eine neue kommunale Zugehörigkeit.
Zwei Pfarrkirchen mit unterschiedlichen Zeitlinien
In Rudersdorf ist die katholische Pfarrkirche dem heiligen Florian geweiht. Der Bau wurde 1862 errichtet; eine selbständige Pfarre entstand erst 1928. In Dobersdorf steht dagegen die Kirche Mariä Heimsuchung von 1830. Dort folgten auf die Einrichtung einer selbständigen Seelsorgestelle 1946 die Pfarrerhebung 1949 und später mehrere Erhaltungsarbeiten, darunter eine Renovierung 2008. Baujahr und kirchliche Selbständigkeit fallen in beiden Orten also deutlich auseinander. Wer die beiden Kirchen betrachtet, begegnet nicht nur unterschiedlichen Patrozinien, sondern auch zwei örtlichen Entwicklungen, die lange vor der politischen Zusammenlegung eigene Mittelpunkte ausgebildet hatten.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Rudersdorf (Burgenland) – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Harald Prickler / Steiermärkisches Landesarchiv – Die Rudersdorfer Dreißigstregister von 1538 bis 1555
- Burgenländische Gemeinschaft – Rudersdorf, Juni 1965, S. 4
- Sattler Group – Über uns
- Diözese Eisenstadt – Pfarre Rudersdorf
- Diözese Eisenstadt – Pfarre Dobersdorf
Stand der Angaben: 08.10.2026
