HORN KENNENLERNEN
Horn: Stadtmauer und Taffatal
Horn liegt im östlichen Waldviertel am Rand des Horner Beckens, wo die Taffa durch die Stadt fließt. Die Bezirkshauptstadt umfasst 39,25 Quadratkilometer und zählte am 1. Jänner 2026 6.489 Einwohnerinnen und Einwohner. Eine weitgehend erhaltene Stadtmauer umgibt den historischen Kern.
Von der Kirchensiedlung zur Stadt
Die ältesten Spuren menschlicher Anwesenheit im Horner Raum reichen rund 30.000 Jahre zurück. Jäger lagerten am Taffatalabbruch; Feuerstelle, Tierknochen und Steingeräte belegen diesen Aufenthalt. Später entstanden bäuerliche Siedlungen, darunter Fundplätze am Spitzteich und Molder Feld. Der überlieferte Ortsname „Hornarun“ erscheint in der Mitte des 11. Jahrhunderts. Zunächst bestand eine Kirchensiedlung nahe der Wehrkirche St. Stephan. Um 1150/1160 entstand auf der gegenüberliegenden Taffaseite eine Burgstadt mit dreieckigem Platz. 1282 ist Horn erstmals als Stadt, „civitas“, belegt. Im Spätmittelalter war Horn Handelsplatz mit Maut- und Zollstätte sowie Sitz eines Hochgerichts.
Reformation, Piaristen und Bildung
Im späten 16. Jahrhundert entwickelte sich Horn zu einem Zentrum der Reformation. Im September und Oktober 1608 trafen 260 Adelige im Schloss der Puechheimer zusammen; 166 von ihnen unterzeichneten den Horner Bundbrief als Bekenntnis zum Protestantismus. In der Gegenreformation berief Graf Ferdinand Sigismund Kurz von Senftenau die Piaristen nach Horn. Sie gründeten 1657 eine Schule; das Gymnasium blieb mit einer kurzen Unterbrechung bis 1872 im ehemaligen Puechheimschen Witwensitz. Die Piaristenkirche wurde 1658 bis 1662 errichtet. Das frühere Schulgebäude dient heute als Kunsthaus Horn, dessen Arkadenhof für Kulturveranstaltungen genutzt wird. Seit 1989 zeigt der Kunstverein im Kunsthaus jährlich fünf bis sechs Ausstellungen zeitgenössischer Kunst; die BuchKunstBiennale findet seit 1992 alle zwei Jahre statt.
Museum im Bürgerspital
Das Museum Horn ist im ehemaligen Bürgerspital aus dem 14. Jahrhundert untergebracht. Josef Höbarth erforschte die Ur- und Frühgeschichte der Umgebung, grub an mehreren Fundorten und trug rund 20.000 Artefakte zusammen. 1930 begründeten Museumsverein und Stadt das nach ihm benannte Museum. Heute umfasst es archäologische und naturwissenschaftliche Sammlungen, Volkskunde und Stadtgeschichte. Die Maderhalle zeigt landwirtschaftliche Technik unter dem Titel „Mensch–Boden–Technik: 7.500 Jahre Landwirtschaft“; im Graselturm dokumentiert eine Ausstellung Johann Georg Grasel. Das Museum ist laut Stadt vom 1. April bis zum 15. November dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.
Verwaltung und Verkehr
Seit 1850 ist Horn Sitz der Bezirkshauptmannschaft. Mit der Eröffnung der Kamptalbahn 1889 erhielt die Stadt Anschluss ans Eisenbahnnetz. 1891 wurde die Kaiser-Franz-Josef-Bezirks-Krankenanstalt mit 34 Betten eröffnet. Im 20. Jahrhundert kamen zahlreiche Schulen hinzu; die Stadt wurde zu einem regionalen Bildungszentrum. 1937 bezog das IV. Bataillon des Infanterieregiments Nr. 6 Hesser die neu errichtete Kaserne. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm die Rote Armee das Areal, 1946 nutzte es die Gendarmerieschule Niederösterreich.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
