HIMBERG KENNENLERNEN
Himberg: Markt, Gutshof und frühe Wasserturbine
Himberg liegt im Bezirk Bruck an der Leitha südlich von Wien. Die Marktgemeinde zählt 8.403 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 47,65 Quadratkilometer. Die Pfarrkirche St. Georg, das Versuchsgut Gutenhof und eine Kaplan-Turbine aus Velm erzählen von der Bau-, Agrar- und Technikgeschichte des Ortes.
Marktrecht und alte Ortsmitte
1533 bestätigte König Ferdinand I. Himberg die Marktfreiheit und verlieh dem Ort ein Mautprivileg. Danach durfte freitags ein Wochenmarkt abgehalten werden; zum Laurenzitag kam ein Ochsenmarkt hinzu. 1749 kauften sich die Bürger aus dem landesfürstlichen Besitz frei. Im historischen Zentrum erinnern mehrere Gebäude an Markt- und Gemeindeverwaltung: Der Zehenthof wurde 1428 als „Getzenhof“ erwähnt und diente zur Einhebung von Abgaben. 1795 erwarben Richter und Rat den Hof; bis 1882 hieß das heutige Gemeindeamt Zehenthof. Das alte Rathaus mit Torturm stand quer über der Hauptstraße und wurde 1882 abgetragen, weil Mauerrisse und die enge Durchfahrt Probleme bereiteten.
Die Burgkirche St. Georg
Die Pfarrkirche St. Georg entstand um 1130 als Burgkapelle. Ihre romanischen Mauerzüge gehören zu den ältesten Bauteilen des Orts. Um 1230 kam südlich eine Kapelle mit Halbkreisapsis hinzu; der frühgotische Chor wurde zwischen 1243 und 1246 begonnen. Der markante Westturm erhielt seine heutige Stellung in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Nach schweren Kriegsschäden 1945 legte man beim Wiederaufbau 1951 und 1952 romanische Teile frei. Die barocke Ausstattung ergänzt den älteren Bau: Kanzel und Hochaltar stammen aus dem 18. Jahrhundert. Pfarrhof, Kirche und Hauptplatz bilden bis heute ein zusammenhängendes historisches Ensemble.
Gutenhof als Versuchsgut
Für die Wiener Weltausstellung 1873 richtete das k.k. Ackerbauministerium auf Gutenhof einen landwirtschaftlichen Studiengarten ein. Franz von Hopfen stellte das Gut dafür zur Verfügung; der Kultur-Ingenieur F. W. Toussaint hatte die Anlage angeregt. Eine Parzelle von einem Hektar lag zwischen Bahnhof und Wiener-Neustädter Straße, nur rund 200 Schritte vom Bahnhof entfernt. Die Versuchsanlage zeigte, wie Bewässerung und Entwässerung für verschiedene Kulturpflanzen eingesetzt werden konnten. Auf demselben Gut liefen außerdem Düngungsversuche, die von der Generaldirektion der Weltausstellung organisiert wurden. Das Pratergelände hatte sich für das Projekt nicht geeignet.
Velm und die Kaplan-Turbine
Auch in Velm wurde Wasserkraft für industrielle Arbeit genutzt. 1919 ging in der Börtel- und Strickgarnfabrik M. Hofbauers Witwe die erste Kaplan-Turbine in Betrieb. Die von der Brünner Firma Storek gebaute Maschine arbeitete dort bis 1955. Sie leistete 25,8 PS und nutzte ein Gefälle von 2,33 Metern; heute ist sie im Technischen Museum Wien ausgestellt. Kaplan entwickelte verstellbare Laufschaufeln, die sich an wechselnde Wassermengen anpassen und besonders für Flüsse mit geringem Gefälle eignen. Himberg und Velm schlossen sich 1971 zusammen, Pellendorf wurde 1972 eingegliedert. Zum Gemeindegebiet gehören heute außerdem Gutenhof und Fasanensee.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Himberg – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Gedächtnis des Landes – Himberg
- Marktgemeinde Himberg – Historische Tafeln und Ortsrundgang
- Marktgemeinde Himberg – Historischer Rundgang 2025
- Land Niederösterreich – Denkmalpflege in Niederösterreich, Pfarrkirche Himberg
- Offizieller Ausstellungsbericht der Wiener Weltausstellung 1873 – Hydrotechnische Musteranlage zu Gutenhof
- Technisches Museum Wien – Das Werk von Viktor Kaplan erhalten
- Technisches Museum Wien – Kaplanturbine aus Velm
Stand der Angaben: 08.10.2026
