GÜSSING KENNENLERNEN
Güssing: Burgstadt im Tal der Strem
Die Burg auf ihrem markanten Hügel bestimmt das Bild von Güssing. Unterhalb der Anlage liegt die Bezirksstadt im Tal der Strem; ihr Gemeindegebiet umfasst aber deutlich mehr als den historischen Stadtkern. Dazu gehören Glasing, Güssing, Krottendorf, Sankt Nikolaus, Steingraben und Urbersdorf. Weitere Ortslagen tragen Namen wie Langzeil, Ludwigshof und Rosenberg. Auf rund 49,31 Quadratkilometern lebten am 1. Jänner 2026 insgesamt 3.534 Menschen. Herrschaftsgeschichte, religiöse Sammlungen und die Entwicklung regionaler Verkehrsverbindungen bieten unterschiedliche Zugänge zu einer Stadt, deren Bedeutung seit Jahrhunderten über das unmittelbare Siedlungsgebiet hinausreicht.
Vom Wehrbau zur erhaltenen Burganlage
Die Burg steht auf einem erloschenen Vulkankegel. Ihre Geschichte reicht nach Darstellung der Burgverwaltung bis zu einer Wehranlage von 1157 zurück. Im Jahr 1524 gelangte sie an die Familie Batthyány. Während des 16. und 17. Jahrhunderts wurde die Anlage zur gemauerten Festung ausgebaut; mit dem Verlust ihrer militärischen Bedeutung setzte im 18. Jahrhundert der Verfall ein. Seit 1870 gehört sie einer Stiftung. Diese zeitliche Folge erklärt, weshalb die heutige Burg unterschiedliche Bauphasen zeigt. Ihr Erhalt beruht außerdem auf späteren Restaurierungen, die auf eine lange Zeit eingeschränkter Nutzung folgten.
Bibliothek, Barockkunst und Familiengruft
Das Franziskanerkloster bewahrt bedeutende historische Buchbestände. Dazu zählen Handschriften, frühe Drucke und Schriften aus der Reformationszeit. Die Bibliothek eröffnet damit einen Zugang zur Geistesgeschichte, der über die Betrachtung der Burg hinausgeht. Die Klosterkirche Mariä Heimsuchung besitzt einen barocken Hochaltar nach einem Entwurf von Filiberto Lucchese und wurde 2013 zur Basilica minor erhoben. Auch die Batthyány-Familiengruft gehört zu diesem kirchlichen Zusammenhang. Burg, Kloster und Familiengedächtnis sind in Güssing räumlich und historisch eng miteinander verbunden, zeigen aber verschiedene Aufgaben: Verteidigung und Herrschaft, religiöses Leben sowie die Bewahrung von Büchern und Erinnerungen.
Eine ältere Stadtgeschichte und jüngere Stadtrechte
Güssing wurde bereits im 15. Jahrhundert in Urkunden als Stadt bezeichnet. Die heutige Stadterhebung stammt dagegen aus dem Jahr 1973. Zwischen mittelalterlicher Rechtsstellung und moderner kommunaler Bezeichnung liegt somit eine wechselvolle Entwicklung. Unterhalb der Burg stehen weitere Bauten mit adeliger Geschichte: das Kastell Batthyány mit seinen Arkaden und das klassizistische Schloss Draskovich. Die Hofmühle beherbergt Einrichtungen zur Auswanderungsgeschichte und zum Schriftsteller Josef Reichl. Gerade die Auswanderung erweitert den Blick vom Herrschaftssitz auf die Lebenswege der Bevölkerung. Sie verbindet lokale Herkunft mit Erfahrungen, die weit außerhalb des Burgenlands gesammelt wurden.
Eine Bahnlinie verliert ihre Verbindung
Die 1909 eröffnete Bahnstrecke zwischen Güssing und Körmend band die Stadt an das damalige regionale Eisenbahnnetz an. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Abschottung der Grenze zu Ungarn verlor die Verbindung ihre Funktion. Das ehemalige Bahnhofsgebäude blieb als Zeugnis dieser Verkehrsphase erhalten; Teile der früheren Trasse wurden später für die Straße genutzt. Eine andere Entwicklungsphase begann mit den erneuerbaren Energiekonzepten der 1990er Jahre, durch die Güssing international Aufmerksamkeit erhielt. Dabei wurden Strom und Wärme durch Holzvergasung erzeugt und in einer Versuchsanlage auch Verfahren zur Herstellung eines dieselähnlichen Kraftstoffs erprobt. Energiegewinnung wurde damit zeitweise zu einem Feld technischer Forschung vor Ort.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
