GROSSMÜRBISCH KENNENLERNEN
Großmürbisch: Feuchtwiesen, Taglilien und eine Kirche von 1900
Großmürbisch liegt südlich von Güssing am Reinersdorfer Bach. Zur Gemeinde gehören neben dem gleichnamigen Dorf auch die verstreut liegenden Siedlungsbereiche Bergen und Hütterische Häuser. Mit 224 Einwohnerinnen und Einwohnern am 1. Jänner 2026 und rund 7,92 Quadratkilometern Fläche ist der Ort klein, besitzt aber einen bemerkenswerten botanischen Schwerpunkt: Im Naturschutzgebiet Luka haben sich Reste der früher ausgedehnten Feuchtwiesen erhalten. Die Pfarrkirche und zwei kleinere Kapellen setzen andere, vom religiösen Leben geprägte Bezugspunkte.
Wald und Wiesen am Reinersdorfer Bach
Mehr als die Hälfte des Gemeindegebietes ist bewaldet; landwirtschaftliche Flächen nehmen annähernd vier Zehntel ein. Zwischen Wald, bewirtschafteten Flächen und den verstreuten Häusern verläuft der Reinersdorfer Bach. Gerade seine Niederung hat sich stark verändert: Viele frühere Feuchtwiesen wurden aufgeforstet, in Äcker umgewandelt oder nach dem Ende der Nutzung sich selbst überlassen. Das erklärt, weshalb ein kleines erhaltenes Wiesengebiet hier eine besondere Rolle spielt. Großmürbisch lässt sich deshalb auch als Landschaft lesen, in der frühere Landwirtschaft, heutige Bewirtschaftung und Naturschutz unmittelbar nebeneinanderliegen.
Eine Wiese braucht Pflege
Luka liegt nordwestlich des Dorfes und umfasst ungefähr zwei Hektar. Bekannt ist das Schutzgebiet für die Gelbe Taglilie, botanisch Hemerocallis lilioasphodelus. Zu seinen Lebensräumen gehören Pfeifengraswiesen. Bleibt die Mahd lange aus, können Gehölze die charakteristischen Wiesenpflanzen zurückdrängen. Im Winter 2009/10 begann deshalb eine größere Entbuschung; im folgenden Sommer wurde wieder gemäht. Zu den Zielen gehören die Erhaltung des Taglilienbestandes und die Wiederherstellung einer artenreichen Wiese. Die offene Landschaft ist hier somit auch das Ergebnis gezielter Pflege und einer fortgesetzten Nutzung.
Die Kirche des heiligen Stephan und ihre Orgel
Die katholische Kirche wurde 1900 errichtet und ist Stephan, dem ungarischen König, geweiht. Zur Pfarrkirche wurde sie 1966. Auf ihrer Musikempore steht ein Instrument aus der Werkstatt von Peppert Sandor, das auf 1899 datiert wird. Es besitzt sieben Register und ein Manual; die mechanische Bauweise gehört zur überlieferten Ausstattung des Gotteshauses. Neben der Kirche gehören die Marienkapelle im unteren Ort und die 1913 errichtete Dreifaltigkeitskapelle beim Haus Nummer 1 zur örtlichen Sakrallandschaft. Diese kleinen Bauten verteilen religiöse Erinnerungsorte auch außerhalb der Pfarrkirche. Zur Pfarre gehören außerdem die Filialkirchen in den eigenständigen Nachbargemeinden Inzenhof und Kleinmürbisch. Das Gotteshaus in Großmürbisch steht damit in einem kirchlichen Zusammenhang, der über die politische Gemeindegrenze hinausreicht.
Kroatische Besiedlung und ungarische Vergangenheit
Im 16. Jahrhundert ließen sich in Großmürbisch zahlreiche kroatische Familien nieder. Diese Besiedlung gehört zur Geschichte des südlichen Burgenlands und prägte auch den Ort am Reinersdorfer Bach. Später ging der Anteil der kroatischsprachigen Bevölkerung stark zurück. In der Zeit der ungarischen Verwaltung wurde seit 1898 der Name Alsómedves vorgeschrieben. Erst 1921 kam Großmürbisch zum neu entstandenen österreichischen Bundesland Burgenland. Das Patrozinium der Kirche und der überlieferte ungarische Ortsname erinnern auf unterschiedliche Weise an die lange Verbindung mit dem Königreich Ungarn.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
